Hoffnung für Europas Langohren

„End the Cage Age“ ("beendet das Käfig-Zeitalter") haben sich die britische Tierschutzorganisation Compassion in World Farming (CIWF) und das EU-Parlamentsmitglied Stefan B. Eck auf ihre Fahnen geschrieben.

Europaweit leiden an die 330 Millionen Kaninchen in industriellen Käfiganlagen. Nur in wenigen Ländern gibt es Haltungsvorschriften (siehe PROVIEH Magazin 2/2016)

Vergangenen Sommer trafen sich Vertreter von CIWF, Animal Equality, Schüler für Tiere, PROVIEH und anderen Tierschutzorganisationen gemeinsam mit Herrn Eck und seinem Team im Brüsseler EU-Parlament und sprachen sich in einer gemeinsamen Aktion für mehr Kaninchenwohl aus (siehe PROVIEH-Magazin 3/2016).

PROVIEH unterstützt die unermüdliche Arbeit von Stefan B. Eck und seinem Team. Sie erarbeiteten 2016 Mindestanforderungen für den Schutz von „Nutz“kaninchen für einen Initiativbericht.

Über diesen mittlerweile im EU-Parlament vieldiskutierten Bericht wurde nun endlich am 25. Januar 2017 im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung abgestimmt.

Starke Gegner

Als Zusammenschluss der beiden größten landwirtschaftlichen Dachorganisationen in der EU („europäischer Bauernverband“ und der europäische Dachverband der landwirtschaftlichen Genossenschaften) lehnt die COPA-COGECA Verbesserungen für Mast- und Zuchtkaninchen ab. Sie ließ im Vorwege der Abstimmungen nichts unversucht, die Abgeordneten zu beeinflussen. Noch zwei Tage vor der Abstimmung versendeten sie eine Abstimmungsliste an alle Ausschussmitglieder. Diese enthielt die klare Empfehlung, gegen die meisten Textpassagen zu stimmen.

Etappensieg

Dennoch wurde der Bericht zur großen Freude aller Tierschützer und Kaninchenfreunde mit 29 Stimmen (bei 7 Gegenstimmen und 9 Enthaltungen) vom Ausschuss angenommen.

Leider wurde der wichtige Unterpunkt, der verbindliche EU-Rechtsvorschriften über Mindeststandards für die Haltung von Kaninchen in Zucht- und Mastbetrieben fordert, mit einer Mehrheit von nur einer Stimme (21 zu 22) und zwei Enthaltungen abgelehnt.

Durch die Anerkennung des Berichtes besteht dennoch Hoffnung. So kann nun zumindest ein ausdrückliches, offizielles Signal an die Kommission gesendet werden, dass die derzeitigen Haltungsbedingungen für Kaninchen in der EU mangelhaft sind.

Der Kampf geht weiter

Voraussichtlich Anfang März wird das EU-Parlament über den Berichtsentwurf abstimmen. Stefan Eck plant nun einen Antrag zur Abstimmung ins Plenum einzubringen, der eine EU-weite Gesetzgebung für „Nutz“kaninchen fordern soll.

Wir halten Sie in den kommenden Heften und tagesaktuell auf unserer Homepage über Ergebnisse und Aktionen auf dem Laufenden.

 

PROVIEHs Vision für eine artgemäße Kaninchenhaltung:

•               Eine gesetzlich festgelegte artgemäße Auslaufhaltung von Kaninchen im In- und Ausland.

•               Gruppenhaltung mit einem Rammler, mehreren Häsinnen und deren Nachwuchs

•               Zuchthäsinnen sollten höchstens sechs bis acht Mal pro Jahr belegt werden.

•               Platz für die gegenseitige Fellpflege, einzelnes und gemeinsames Ruhen, Aufrichten zur besseren Wahrnehmung und die Möglichkeit zum Verstecken vor Gefahren.

•               Platz, um Futter-, Schlaf- und Ausscheidungsplätze zu trennen.

•               Viel Platz und ein breites Futterangebot von verschiedenen Blättern, Gräsern, Kräutern, Disteln und Rinde

 

Kathrin Kofent, 26.01.2017