300 Mio. Euro für Milchfonds – Flickwerk statt Perspektive für europäische Milchbauern:

27.11.2009: Im Rahmen der Agrarratssitzung am 19. und 20. November 2009 wurden die vor einigen Wochen von der Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel vorgestellten Maßnahmen zur Bekämpfung der Milchmarktkrise abgesegnet. Zu den beschlossenen Schritten gehört nun auch ein Milchfonds in Höhe von 300 Millionen Euro, der für das Haushaltsjahr 2010 bereitgestellt wird. Mit dieser Politik bieten Rat und Kommission den Milchbauern weiterhin keine langfristige Perspektive, denn jeder von ihnen wird von den freigegebenen Mitteln weniger als 1.000 Euro erhalten.

Unterdessen veröffentlichte die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft (MILAG) Zahlen zu Betriebsaufgaben in Deutschland. Demnach geben pro Jahr etwa hundert Milchbauern ihre Höfe auf. Vor fünf Jahren gab es laut MILAG noch gut 3.000 Milcherzeuger in Deutschland, heute nur noch 2.463. Insgesamt seien ihnen durch den Preisverfall der letzten zwölf Monate Verluste von 90 Millionen Euro entstanden, im Durchschnitt also 36.500 Euro pro Betrieb. Der Strukturwandel hin zu großen, industriellen Betrieben setzt sich unter den gegenwärtigen Umständen leider noch immer fort.

Mit der von Kommission und Rat geförderten Umstrukturierung im Milchsektor sind nicht nur existenzielle Probleme für die kleinen und mittleren Bauern verbunden. Auch das Leid der Milchkühe wird vergrößert. Sie fristen ein kurzes Leben als Turbokühe in industriellen Großbetrieben, werden durch die hohen Leistungen körperlich überfordert und leiden häufig an Klauen-, Euter- und Gliedmaßenerkrankungen, Infektionen, Unfruchtbarkeit und Labmagenverlagerung. Ein Drittel der deutschen Kühe steht außerdem ganzjährig in Anbindehaltung. Dies widerspricht den natürlichen Bedürfnissen der Rinder, denn sie können weder umherlaufen noch Kontakte zu ihren Artgenossen herstellen. Ihr gesamtes Leben lang ist es ihnen nur erlaubt, aufzustehen oder sich hinzulegen und vor allem eines zu tun: Milch zu geben. Am Ende ihres kurzen Daseins werden die schwachen, ausgemergelten Tiere dann oft unter unwürdigen Umständen in Schlachthöfe transportiert und getötet.

Kommission und Rat gefährden durch ihre Politik die kleinbäuerliche Kultur mit verheerenden Folgen für die Bauern, den ländlichen Raum und die Tiere. Mit dem Blick auf die ruinierten Milchbauern und das gesteigerte Tierleid wird klar, dass ein Umdenken in der europäischen Milchpolitik stattfinden muss! Das Überleben nachhaltiger Milchbetriebe mit artgerechter Weidehaltung muss begünstigt werden. Die Ausbreitung der industriellen Massentierhaltung darf nicht länger gefördert werden.

Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel