Legehennen

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Eier kommen nicht nur in ihrer Schale in den Handel. Ein Blick auf die Zutatenliste beim Einkauf verrät, in welcher Vielzahl von Produkten Eier verarbeitet werden: in Eiscremes, Gebäck, Fertiggerichten, Mayonnaise und sogar Kosmetikartikeln. Der industrielle Bedarf an Eiern ist groß. Legehennen wurden in den vergangenen Jahrzehnten darauf gezüchtet, möglichst viele Eier pro Jahr und Henne zu legen. Industrielle Legerassen können über 300 Eier legen. Zum Vergleich: Die Stammform der Haushühner legt maximal 20 Eier im Jahr.

Als Folge der Hochleistungszucht setzen Legehühner weniger Fleisch an. Deshalb sind die männlichen Küken der Legerassen für die industrielle Fleischerzeugung unwirtschaftlich. Sie werden kurz nach dem Schlupf vergast oder maschinell geschreddert ("Kükentötung").

Die Legehennen selbst werden nach einem Jahr intensiver Eiproduktion ausrangiert und geschlachtet. Sie kommen als Suppenhühner, in Geflügelwurstprodukten oder als Tierfutter in den Handel.

Hühner sind soziale Vögel. In einer Hühnerherde von 50 bis 100 Tieren kennen die Vögel einander genau. In der gewerblichen Boden- und Freilandhaltung werden Hühner in Herden mit mehreren tausend Tieren gehalten. In derartig großen Gruppen kann sich keine stabile Rangordnung ("Hackordnung") mehr ausbilden. Dadurch halten Rangkämpfe und sozialer Stress pausenlos an - bis zum Lebensende.

Die intensive Haltung zu vieler Hennen auf zu engem Raum begünstigt Verhaltenstörungen. Die Vögel beginnen, mit dem Schnabel am Gefieder anderer Hühner zu zupfen ("Federpicken"). Kommt es dabei zu Verletzungen, fressen sich die Tiere gegenseitig an ("Kannibalismus"). Um solchen Verlusten vorzubeugen, wird den Hühnern im Kükenalter die hoch sensible Schnabelspitze mit einem heißen Draht oder einem Laserstrahl abgetrennt ("kupiert"). Derartig verstümmelte Vögel leiden oft für den Rest ihres Lebens unter Schmerzen.

Langfristig will PROVIEH erreichen, dass Legehennen in Deutschland nicht länger industriell, intensiv und in großen Herden gehalten werden. Ziel der öffentlichen und politischen Förderung muss wieder die dezentrale, bäuerliche Freiland-Hühnerhaltung in kleinen Einheiten werden.

Dafür setzt sich PROVIEH ein:

  • ein Verbot des Kükentötens und des Schnabelkürzens
  • die Ausweitung der Kennzeichnungspflicht für Eier auf eihaltige Produkte
  • die Abschaffung aller Käfighaltungssysteme, auch der so genannten "Kleingruppenhaltung"
  • die deutliche Verringerung der zulässigen Herdengrößen in allen Haltungsformen
  • die Förderung des gewerblichen Einsatzes robuster "Zweinutzungsrassen" für die Ei- und Fleischerzeugung

                                                                                                                    

Haltungsformen

Insgesamt werden etwa 41 Millionen Legehennen in Deutschland gehalten (Stand 2012). 8,2 Prozent der Legehennen leben in ökologischer Haltung, 14,6 Prozent in Freilandhaltung, 64 Prozent in Bodenhaltung ohne Auslauf ins Freie und fast 13 Prozent werden in Käfigen gehalten.

Die Brüder der Legehennen werden direkt nach dem Schlupf getötet. Ausnahmen gibt es nur sehr wenige. In den Brütereien werden die Eier zu tausenden maschinell betreut. Wenn die Küken am 21. Tag schlüpfen, werden sie aus dem Brutkasten auf ein Förderband gekippt und nach Weib- chen und Männchen sortiert („sexen“). Die Brüder der Legehennen lassen sich nicht gewinnbringend verkaufen, weil sie bekanntlich keine Eier legen und zum Mästen nicht schnell genug wachsen. So sterben 40 – 50 Millionen Küken jährlich allein in deutschen Vermehrungsbetrieben. Sie werden mit Kohlendioxid vergast oder in einem schnell rotie- renden Schneidwerk ohne Betäubung gehäckselt. Zweifel bestehen, ob die Massentötung von Küken rechtlich zulässig ist.

Dunkel, laut und viel zu eng – die KleingruppenhaltungLegehennen in Kleingruppenhaltung_Iris_Weiland

In der Kleingruppenhaltung leben je nach Käfig 20 bis 60 Legehennen in einem höchstens 60 Zentimeter hohen Käfig. Für jedes Tier sind hier 800–900 Quadratzentimeter an nutzbarer Fläche vorgeschrieben – das ist in etwa so viel wie ein DIN A4 Blatt plus einer Postkarte. Ein Huhn kann sich weder um sich selbst drehen noch durch den Käfig wandern, ohne ständig andere Hühner anzurempeln oder selbst geschubst zu werden. Auch die vorgeschriebenen Sitzstangen sind viel zu eng bemessen und die Hennen werden ständig von ihren Artgenossen bedrängt. Eine ungestörte Eiablage ist kaum möglich, und das als artgemäß beworbene „Sandbad“ besteht aus einer Kunstrasenmatte ohne geeignetes Substrat zur Körperpflege. Diese Haltungsbedingungen verursachen Aggressionen und Kannibalismus unter den Hühnern. Um Verletzungen auf ein Minimum zu reduzieren, werden die Hennen im Halbdunkeln gehalten. Die Tiere leiden außerdem unter Fußballengeschwüren, schmerzhaften Knochenveränderungen und Stoffwechselstörungen. Nach 50 – 60 Wochen Legezeit werden sie geschlachtet. Hennen in solchen Kleingruppen-Käfigen zu halten ist verfassungswidrig, wie das Bundesverfassungsgericht am 12. Oktober 2010 entschied. Dennoch beschloss die Bundesregierung, dass bestehende Anlagen aus Abschreibungsgründen noch bis 2035 betrieben werden dürfen.

Foto: © Iris Weiland

Bodenhaltung

Bis zu neun Hennen drängen sich auf je einem Quadratmeter Stallfläche und bis zu 6.000 Hennen in einem Stallabteil. Das sind neun Hühner auf der Größe der Grundfläche einer Telefonzelle. Durch die drangvolle Enge, den sozialen Stress und den ständigen Lärm kommt es häufig zu Federpicken und Kannibalismus. Eine stabile Hackordnung kann bei so vielen Tieren nicht gebildet werden. Um die Tiere zu beruhigen, leben sie in der Regel in fast abgedunkelten Ställen. Um Aggressionen zu vermeiden, wird den Legehennen schon gleich nach dem Schlupf der scharfe Schnabel gekürzt. Bei dieser Amputation wird das sogenannte Bill-Tip-Organ zerstört, in dem sich 80 Prozent aller Nervenenden des Oberschnabels befinden. Die entstehenden Schmerzen sind derart nachhaltig, dass sich die Tiere trotz Mangel an anderen Beschäftigungsmög nicht gegenseitig blutig picken. 

Das Kürzen der Schnabelspitze erfolgte früher durch ein heißes Fallmesser, heute in der Regel mit einem Infrarotlaser. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich um eine Amputation. Obwohl das deutsche Tierschutzgesetz vollständige oder teilweise Amputationen von Körperteilen verbietet, erteilt es für das Schnabelkürzen eine Ausnahmegenehmigung, die wie in ähnlichen Fällen zur Regel wurde.

Lichtblick: Im Juni 2015 verpflichtete sich der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer freiwilligen Vereinbarung, ab dem 1. Januar 2017 deutschlandweit keine Junghennen mehr einzustallen, deren Schnäbel gekürzt worden sind.  

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Bewegung und frische Luft fördern die Gesundheit der Tiere

Das natürliche Verhalten der Hühner bestimmt die Anforderungen an eine artgemäße Haltung. Angeborene Verhaltensweisen lassen sich nicht unterdrücken. Besonders wichtig für das Wohlbefinden von Legehennen sind überschaubare Herdengrößen, eine natürliche Futtersuche (Laufen, Scharren, Picken), das erhöhte Ruhen auf Stangen, das Staubbaden zur Gefiederpflege und das Ausstrecken im Sonnenlicht. Ein guter Stall ist mit Tageslicht ausgeleuchtet, bietet mindestens ein Drittel der Gesamtfläche als Scharrfläche an und hat einen angeschlossenen Auslauf mit mindestens vier Quadratmetern Platz pro Tier.

 

Der Auslauf sollte begrünt sein und zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten bieten. Da Hühnern von Greifvögeln Gefahr droht, ist ein Schutz von oben immens wichtig für ihr Sicherheitsgefühl. Wenn keine Deckung in Sicht ist, trauen sich Hühner nicht nach draußen. Außerdem sollten je nach Gruppengröße mehrere Hähne bei den Hennen gehalten werden. Sie fungieren als Streitschlichter und Beschützer. Die Biohaltung und die Freilandhaltung kommen diesen Vorgaben schon am nächsten, aber es kommt dabei sehr auf die Umsetzung der Vorgaben und das jeweilige Management an. Sehr empfehlenswert ist die Haltung im mobilen Stall. Die versetzbaren Ställe bieten zwischen 225 und 1.200 Hennen Platz. Neben den eingestreuten Legenestern für eine ungestörte Eiablage, Sitzstangen für die Nacht und einem raubtiersicheren Kaltscharraum ist vor allem der freie Auslauf auf das wöchentlich wechselnde Grünland hervorzuheben. Der ständige Ortswechsel hat den Vorteil, dass die Hühner immer frisches Grün fressen können und dass die Belastung des Bodens mit Keimen deutlich sinkt. Können die Hennen ihre angeborenen Verhaltensweisen gut ausleben, wird das schmerzhafte Schnabelkupieren überflüssig. 

 

Einkaufshinweise

Seit dem 01.01.2004 muss jedes Ei der Güteklas- se A mit einem Code versehen werden. Der Code besteht aus mehreren Teilen: Zum Beispiel 1 – DE – 0234567.

Die erste Zahl gibt an, in welcher Haltungsform die Henne gehalten wurde:

0 = ökologische Erzeugung

1 = Freilandhaltung

2 = Bodenhaltung

3 = Käfighaltung beziehungsweise Kleingruppenhaltung

Der zweistellige Buchstabencode gibt an, in welchem Land das Ei gelegt wurde. Der nachfolgende siebenstellige Zahlencode nennt den Herkunftsbetrieb. 

Unterstützen Sie die heimische Landwirtschaft und kaufen Sie nur deutsche Eier aus Freiland- oder 11 Biohaltung. Bitte bedenken Sie, dass auch auf Wochenmärkten nicht nur Freiland-Eier verkauft werden. Schauen Sie immer genau auf den Stempel und vertrauen Sie nicht den Plakaten, die freilaufende Hühner zeigen, oder den schönen Eierver- packungen.
Achten Sie außerdem auf versteckte Eier in Nudeln, Backwaren, Süßspeisen, Eis und Fertigprodukten, denn diese Eier stammen fast immer (außer bei Bio- Produkten) von Legehennen aus Käfighaltung.
Eine schöne Möglichkeit ist außerdem, eine kleine Hühnerschar im eigenen Garten zu halten. 


 

Weitere Informationen:

  • Informieren Sie sich über unsere Kampagne "Bauernhahn statt Turbohuhn" auf unserer Internetseite oder direkt auf www.bauernhahn.de

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