Knapsen statt Knabbern?

Von Heuknappheit und Pferdenot

Der Winter steht vor der Tür und die Weidenflächen bekommen – zumindest auf den schweren Böden – ihre Winterruhe. Zahlreiche Pferdehalter geraten in den nächsten Monaten vermutlich in arge Bedrängnis. Der Sommer war extrem heiß und es regnete kaum. Bereits der erste Heuschnitt fiel für viele Landwirte mager aus. Der sonst übliche zweite und ggf. dritte Schnitt konnte gar nicht eingefahren werden. Dadurch, dass auch auf den Weiden das Gras nicht gut wachsen konnte, mussten Pferdehalter mitten im Sommer bereits Heu dazu füttern. 

Als Folge ist das Heu knapp. Was allerdings rar und begehrt ist wird leider häufig extrem teuer. Mancherorts liegen die Preise zwei- bis dreifach höher als im vergangenen Jahr. Pensionsställe haben ihre Preise entsprechend angepasst oder müssen extra Umlagen machen; Selbstversorger kommen organisatorisch und finanziell an ihre Grenzen.

Ich fürchte, dass viele meiner Kumpels in Deutschland futtermäßig schlecht durch den Winter kommen werden. Zahlreichen Pferdehaltern ist es finanziell nicht mehr möglich die erhöhte Stallmiete zu zahlen, Selbstversorger bekommen entweder nicht genug Futter oder es ist kaum noch bezahlbar. Eine verantwortungsvolle  Pferdehaltung ist ja ohnehin schon teuer. Alte oder kranke Pferde werden vermutlich nun schneller eingeschläfert oder geschlachtet statt sie mit „durchzufüttern“. 

Das macht mir wirklich große Sorgen!

Schon jetzt meldet die Pferdeklappe aus Norderbrarup in Schleswig-Holstein, dass durch die Futterknappheit weit mehr Pferde abgegeben wurden als in den Jahren zuvor. Diese Pferde haben zumindest Glück im Unglück. Sie werden fachkundig aufgenommen und in gute Hände vermittelt. Zumindest noch reichen die Kapazitäten dafür aus. Aber der Winter hat gerade erst begonnen.

Und wie ich es schon des Öfteren geschrieben habe, sind Pferde Dauerfresser. Mindestens müssen wir am Tag ein Kilogramm Raufutter pro 100 Kilogramm unseres Gewichtes fressen. Sollte der Winter kalt werden, kann dieser Mindestbedarf sich schnell mehr als verdoppeln. 

Ich und meine Freundin Usa, mein Kumpel Feivel und mein neuer Herdenfreund Atreju hatten riesiges Glück. Auch unser Heulieferant hatte uns eine Absage erteilt und wir waren ratlos. Meine liebe Birte fand aber in ihrem Bekanntenkreis Mario, Landwirt im Nebenerwerb. Dieser zeigte Herz und beliefert uns ab sofort zu einem sehr fairen Preis mit leckerem Heu.   

Ich drücke alle vier Hufe, dass auch andere Menschen sich ein Herz fassen und in der Not anderen Pferdehaltern entgegenkommen, damit so viele Tiere wie möglich gesund ins nächste Frühjahr kommen. 

Ich sende ein ganz besonderes, dickes Dankeschön an Mario!

Euer Lasse

Fotos: rihaij/ Pixabay