Afrikanische Schweinepest: Eine tödliche Bedrohung für Wild- und Hausschweine

Die ersten Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) wurden 2007 in Georgien verzeichnet. Seither breitet sich der Erreger von Russland ausgehend über Estland bis nach Polen aus. 2014 ist die Tierseuche an der östlichen EU-Grenze angekommen und es zeichnet sich die Tendenz ab, dass sie sich von Ost nach West weiter ausbreitet. Die Afrikanische Schweinepest ist bereits nach Tschechien vorgedrungen und Experten diskutieren nicht mehr über die Frage, ob sie Deutschland erreicht, sondern wann.

Die Afrikanische Schweinepest: Eine anzeigepflichtige Tierseuche

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruserkrankung, die von Asfarviren verursacht wird. Diese Viren gehören zur Familie der Asfarviridae, (african swine fever and related viruses) und befallen vornehmlich Haus- und Wildschweine.

Die ASP gilt als anzeigepflichtige Tierseuche. Die rechtliche Grundlage bildet das Tiergesundheitsgesetz und die Schweinepestverordnung und ermöglicht dem Staat einzugreifen, um die Ausbreitung zu bekämpfen. Die Umsetzung wird von den Veterinärbehörden gesteuert.

Der Erreger stammt ursprünglich aus Afrika und wird dort durch Lederzecken verbreitet. In Mitteleuropa spielt diese Übertragungsform keine Rolle. Hier gelten der direkte Kontakt zwischen infizierten und gesunden Tieren, das Fressen von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen sowie andere indirekte Übertragungswege wie Fahrzeuge, kontaminierte Bekleidung und Ausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen als potentielle Verbreitungswege.

Infizierte Tiere entwickeln sehr schwere, aber unspezifische Krankheitssymptome, wie hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Husten, Blutungen, Durchfall und Erbrechen. Sie versterben in der Regel innerhalb weniger Tage.

Die ASP gilt nicht als Zoonose. Das heißt, eine Übertragung zwischen Tier und Mensch ist nicht zu erwarten. Es besteht daher kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher oder Tierhalter.

Seuchenausbrüche und deren Folgen

Zwar fehlen in Deutschland bisher Erfahrungswerte zu Ausbrüchen der afrikanischen Schweinepest, doch beim Seuchenzug der klassischen Schweinepest in den neunziger Jahren, wurden in Deutschland etwa zwei Millionen Schweine getötet. Beide Arten der Schweinepest befallen ausschließlich Wild- und Hausschweine, sind hoch ansteckend und enden in der Regel tödlich. Impfstoffe stehen derzeit nicht zur Verfügung. Die EU baut auf die „Abschottungs- bzw. Ausrottungsmethode“. Dies bedeutet, die Keulung von Hausschweinen und die starke Bejagung von Schwarzwild.  

Die Schweinepestverordnung schreibt im Falle eines Ausbruchs in einem Betrieb vor, dass ausnahmslos alle Tiere getötet werden müssen. Zudem sind die zuständigen Behörden dazu verpflichtet, Beobachtungs-, Kontroll- und Sperrzonen zu errichten, die den Transport von Ferkeln, Mastschweinen und Schlachttieren behindern oder zeitweise ganz verbieten. Dies hätte erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der schweinehaltenden Betriebe, aber auch auf Haltungsbedingungen der Tiere. Überbelegung, Futtermittelknappheit und finanzielle Engpässe könnten zur weiteren Verschlechterung der Lebensqualität konventionell gehaltener Schweine führen. Auch für im Freiland gehaltene Schweine in einer Sperrzone würde eine Stallpflicht von mehreren Monaten bis zu über einem Jahr verhängt werden können.

Bereits 2014 sind innerhalb der EU Fälle von ASP aufgetreten. Dies hatte zur Folge, dass Russland die Schweinefleischimporte aus Deutschland und der EU aussetzte. Es handelte sich dabei um rund 20 Prozent des Exportaufkommens im Schweinefleischsektor. Obwohl Russland selbst weder auf ASP testet, noch Daten erhebt, bleibt dieser Vermarktungsweg für europäisches Schweinefleisch versperrt. Bei einem künftigen Ausbruch der ASP wären weitere Exportabkommen mit Ländern, wie zum Beispiel China, gefährdet, fürchten Vertreter der Schweinefleischbranche und prophezeien „erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen“.

Verbreitungswege

Anhand der vom Friedrich-Löffler-Institut veröffentlichten Karten zur Ausbreitung der ASP lässt sich vermuten, dass Wildschweine zwar die Überträger der Seuche sind, nicht aber die Hauptursache. Wie die Karten zeigen, verläuft eine starke Nord-Süd-Ausbreitung von Estland bis Polen. Wildschweine sind relativ standorttreu, sofern sie genug Nahrung, Ruhe und Schutz finden. Die rasche Ausbreitung ist daher wahrscheinlich durch den Fernverkehr begünstigt. Dies würde nun auch die Ausbreitung von Ost nach West erklären.

Selbst das Friedrich-Löffler-Institut sieht nicht im Wildschwein selbst das höchste Verbreitungspotential, sondern im Transport- und Reiseaufkommen.

Wildschweine sind Allesfresser und bedienen sich auch gerne an Abfällen und Mülleimern, die unter Umständen infizierte Lebensmittel enthalten. Daher setzen sich Behörden bei LKW-Fahrern, Touristen und Jägern für die strikte Einhaltung von Präventivmaßnahmen ein. Hierzu gehört in erster Linie Lebensmittelabfälle nicht in der Umwelt zu entsorgen, keine Lebensmittel oder Jagdtrophäen aus ASP-betroffenen Ländern einzuführen und das sachgerechte Entsorgen von Risikomaterialien bei erlegtem Schwarzwild.

Da Deutschland ein stark frequentiertes Transitland für Fernverkehr ist, scheint die Einschleppung der ASP unausweichlich. Hieran wird auch eine verstärkte Bejagung von Schwarzwild nichts ändern. Denn solange sich nicht alle Länder zu konsequenten und wirksamen Schutzmaßnahmen verpflichten, bleibt der Hauptrisikofaktor bestehen: Wir selbst.

16.01.2018

Angela Dinter

 

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