Afrikanische Schweinepest: Im Fokus steht die verstärkte Bejagung der Wildschweine

Die afrikanische Schweinepest (ASP) hat die Grenzen der EU überschritten. Nun soll die Wildschweinpopulation um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Ein „Schuss ins Blaue“, denn genaue Zahlen über Schwarzwildbestände sind nicht bekannt. Im zurückliegenden Jagdjahr wurden bereits 589.417 Wildschweine erlegt, vier Prozent davon wurden tot aufgefunden.

Es ist unbestreitbar, dass Wildschweine an der ASP erkranken und andere Wildschweine anstecken, aber ist es unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen wahrscheinlich, dass sie Hausschweine infizieren? Wir glauben nicht.

Im Gegensatz zur eher extensiven Schweinehaltung von Ländern, in denen es zur Übertragung der ASP zwischen Wildschwein und Hausschwein gekommen ist, findet in Deutschland über 90 Prozent der Schweinehaltung hinter verschlossenen Stalltüren statt. Ein direkter Kontakt zwischen Haus- und Wildschwein oder aasfressenden Wildtieren ist daher unwahrscheinlich.

Vielmehr muss der Fokus auf den Transportverkehr von lebenden Tieren und Futtermitteln gelegt werden, die unter Umständen mit dem Virus kontaminiert sind. Hierbei ist besonders der rege Handel mit Ferkeln aus Dänemark nach Polen und Deutschland zu nennen sowie der Import von Futtermitteln aus Polen und Tschechien.

Jährlich werden etwa 12 Millionen in Dänemark erzeugte Ferkel exportiert. Das bedeutet rund 20.000 LKWs voller Ferkel, die höchstwahrscheinlich auf ihrem Weg ins Zielland, darunter Deutschland und Polen als größte Importeure, durch Deutschland rollen. 20.000 LKWs, die bei nicht sachgerechter Seuchenprophylaxe das Virus der ASP durch ganz Europa tragen können.

Auch Futtermittelimporte können das Virus der ASP nach Deutschland einschleppen. Bereits im Jahre 2012 wurden fast 700.000 Tonnen Futtermittel aus Polen und Tschechien nach Deutschland importiert. Unter dem Aspekt der Seuchenausbreitung ist das ein unkalkulierbar hohes Risiko für schweinehaltende Betriebe.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist der Berufs- und Urlaubsverkehr. Wildschweine greifen gerne auf Lebensmittelabfälle an Autobahnraststätten zurück. Deshalb gilt: Fernfahrer und Touristen dürfen keine Lebensmittel aus Ländern mitbringen, in denen es zu ASP-Ausbrüchen kam und müssen alle Lebensmittelreste sicher beseitigen.

Statt in unkoordinierter Weise deutsche Wälder zu durchkämmen und sämtliches Wild zu verschrecken oder Rotten zu sprengen, wären intensive und zielgerichtete Maßnahmen an Grenzkontrollstellen in Deutschland essentiell. Ein verschärftes Wildschwein-Monitoring im Grenzgebiet zwischen Polen, Tschechien und Deutschland wäre weit effektiver und könnte das Risiko einer Einschleppung durch Schwarzwild reduzieren. 

Langfristig muss eine Regulation der Schwarzwildbestände durch eine Reduzierung und Begrenzung des Maisanbaus erreicht werden. Riesige Maisfelder bieten Schwarzwildrotten ständige Deckung und ein endloses Nahrungsangebot. Wen wundert es da, wenn sich die Bestände massiv erhöhen? Ein erster Schritt, wenn auch aus anderen Gründen, erfolgt derzeit mit der Beendigung von Fördermaßnahmen für Biogasanlagen.  

 

PROVIEH steht für:

  • eine Verschärfung der Hygienekontrollen an den Grenzen für Transport-Fahrzeuge aus ASP-positiven Staaten
  • ein Einfuhrverbot für Futtermittel aus ASP-positiven Staaten
  • eine Reduktion der Maisanbauflächen
  • intensive Schulungen zu Präventionsmaßnahmen bei ASP
  • Warnschilder an Autobahnraststätten, die auf sichere Lebensmittelentsorgung hinweisen
  • konsequente Müllentsorgung an öffentlichen Plätzen
  • die Instandsetzung und Instanthaltung von Wildzäunen
  • eine Finanzierung und Umsetzung intensiver Forschungsvorhaben für wirksame und sichere ASP-Marker-Impfstoffe, die es erlauben, geimpfte von ungeimpften Tieren zu unterscheiden
  • eine Einhaltung der Schonzeiten
  • eine Stallpflicht von Freilandtieren nur im Sperrgebiet

16.01.2018

Angela Dinter

 

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