Agrarministerkonferenz: Viele Impulse für mehr Tierschutz

25.03.2015: Die Agrarministerkonferenz, die vom 18.-20. März in Bad Homburg stattfand, hat einige Zeichen für mehr Tierschutz gesetzt. Auf der dreitägigen Sitzung kamen die Agrarminister und Senatoren des Bundes und der Länder zusammen. Bereits im Vorfeld war klar, dass diese Konferenz ganz im Zeichen des Tierschutzes stehen würde.

Zwei gute Beschlüsse wurden gefasst:

  1. Enthornung von Kälbern darf bundesweit nur noch mit Betäubung und anschließender Schmerzbehandlung geschehen.
    Bislang sieht das Tierschutzgesetz vor, dass Kälbern bis zu einem Alter von 6 Wochen, die Hörner ohne Betäubung und Schmerzmittel ausgebrannt werden dürfen. Welche Schmerzen die Tiere bei dieser Prozedur und die Tage danach erleiden, kann sich jeder vorstellen, der sich einmal am Küchenherd verbrannt hat. Wird bei der Enthornung nicht sauber gearbeitet und die Wundversorgung nicht gewährleistet, können Infektionen auftreten. Vor dem jetzigen Hintergrund ist die Agrarministerkonferenz für die Kälber ein großer Erfolg. Die Betäubung und die Schmerzmittel können den Kälbern helfen, die Prozedur etwas besser zu überstehen.

Ein Recht auf Hörner

PROVIEH weist jedoch darauf hin, dass die Rinder ein Recht auf ihre Hörner haben, denn Fakt ist:

  • Hörner sind ein lebendiger Bestandteil der Kuh!

  • Hörner spielen bei der Kommunikation zwischen den Tieren und in der Herde eine große Rolle.

  • Enthornen ist ein schmerzhafter Eingriff.

  • Enthornte Rinder bilden eine andere Kopfform aus.

  • Das Wegzüchten vom Horn kann auch immer noch andere Eigenschaften der Tierart verschwinden lassen- hier besteht großer Forschungsbedarf.


Die Tiere werden für die heutige „moderne“ Landwirtschaft zurechtgezüchtet und manipuliert wie es gerade passt. Aber horntragende Tiere zwingen zu einem bewussteren Umgang, artgerechten Haltungssystemen mit mehr Platzangebot. Somit symbolisiert das Horn ein Mehr an Tierwohl und muss unbedingt ein schützenswertes Gut sein/bleiben.

  1. Reserveantibiotika sollen in der Tierhaltung noch weiter eingeschränkt werden.

Es wird eine Liste mit den Mitteln geben, die dem Landwirt zukünftig nicht mehr oder nur noch unter strengen Auflagen zur Verfügung stehen.
PROVIEH bewertet diese Entwicklung als einen Schritt in die richtige Richtung. Der Verzicht auf Antibiotika fordert immer auch ein Umdenken der Haltungsbedingungen. Eine hohe Bestanddichte birgt meist Risiken für die Gesundheit der Tiere. Gerne wird daher prophylaktisch zu Medikamenten gegriffen, mit bislang ungeahnten Folgen für die Gesundheit von Tier und Mensch.

Des Weiteren wurden folgende Themen besprochen:

  1. Bestandsgrößen sollen von der Bundesregierung wissenschaftlich bewertet werden.

Im Sinne des Tierwohls muss über zukünftige Regelungen hinsichtlich der Bestandsgrößen nachgedacht werden. Hierbei sollen wissenschaftliche Untersuchungen hinzugezogen werden.

  1. Qualzuchten in der Nutztierhaltung müssen neu begutachtet werden.

Bisher werden Qualzuchten nur im Zusammenhang mit Haustieren diskutiert. Bestes Beispiel ist die so kurz gezüchtete Mopsnase, die den Hunden das Atmen so erschwert, dass sie zum Teil operiert werden müssen. Zukünftig soll es jedoch auch eine Ausweitung auf die Nutztiere geben. In diesem Sinne muss mit Hilfe der Wissenschaft näher definiert werden, ab wann es sich um Qualzucht handelt.
 

  1. Einrichtung eines elektronischen Bestandsregisters auch für die Schweinehaltung

Die HI-Tier-Datenbank soll auch auf die Schweine ausgeweitet werden, so dass die Nachverfolgung von Geburt, Aufzucht und Abgang eines jeden Betriebs nachverfolgt werden kann. Bisher werden in der HIT-Datenbank nur Rinder eingetragen.

 

Stefanie Pöpken