„Lasst die Sau raus!“ - Erfolgreicher Aktionstag gegen Kastenstände

Am 17. Oktober 2020 fand in vielen deutschen Städten ein Aktionstag gegen Kastenstände statt, an dem neben zahlreichen anderen Tierschutzorganisationen auch PROVIEH teilnahm. Die PROVIEH-Regionalgruppen in München und Berlin organisierten eigene Veranstaltungen, unsere Regionalgruppe in Nürnberg beteiligte sich an der Aktion der Deutschen Tier-Lobby, welche den bundesweiten Aktionstag initiiert hatte. Die Aktionen waren trotz Corona-Einschränkungen ein voller Erfolg mit vielen interessierten Besuchern. Insgesamt erhielt der Aktionstag deutschlandweit eine große mediale Resonanz.

Aktion München

Für den Aktionstag hatten das Organisations-Team, bestehend aus Christine Rauch, Dr. Henning v. Lützow und Stefan Barbarino aus der Regionalgruppe München, den Marienplatz im Zentrum von München reserviert. In einem aus Corona-Sicherheitsgründen abgegrenzten Bereich positionierten sich die Regionalgruppen-Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung zu einer 15-minütigen Mahnwache. In den Händen hielten sie Protestschilder, auf denen Fakten rund um das Leid von Muttersauen im Kastenstand präsentiert wurden.  Eröffnet wurde die Veranstaltung von Versammlungsleiterin und Moderatorin Christine Rauch. Die drei Redner Dr. Henning v. Lützow (Tierarzt, PROVIEH), Stephan Kreppold (Biobauer, AbL) und Dr. Rupert Ebner (Tierarzt, Slow Food) schilderten aus ihrer langjährigen Erfahrung ihre Sicht auf die Problematik der Kastenstandhaltung. 

Alle Mahnwachen-Teilnehmer - inklusive der beiden SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn und Ruth Müller - verlasen jeweils die Texte ihrer Protestschilder auf der Bühne. Weitere Teilnehmer rezitierten über das Mikrofon Fakten zum Thema Kastenstand und Regionalgruppenmitglied Eva Schmitt trug ihr selbstverfasstes emotionales Gedicht „Schweinerei“ vor, das sehr betroffen machte. Im Wechsel zwischen Mahnwache, Reden und Verlesung der Fakten zu dieser rechtswidrigen Tierhaltung sorgten zwei engagierte Techniker für passende Musikeinlagen.

Die vierstündige Mahnwache zog trotz erschwerter Corona-Bedingungen viele interessierte Besucher an. Da eine persönliche Übergabe von Informationsmaterial nicht erlaubt war, konnten sich Interessierte das an drei Infotischen ausgelegte Material zum Thema Kastenstand wie auch das aktuelle PROVIEH-Magazin mitnehmen. Auf einem großen Bildschirm waren zwei Filme zu sehen, die erklärten, wie das Leben einer Muttersau im Kastenstand aussieht. Ein eigens beschaffter Original-Kastenstand mit einer von Regionalgruppen-Mitglied Ines genähten großen Sau darin, inmitten der großen Veranstaltungsfläche, verdeutlichte den Besuchern anschaulich, wie qualvoll und eng der Platz für eine Sau im Kastenstand wirklich ist.

Sehr erfolgreich war auch die von der Deutschen Tier-Lobby vorbereitete Postkarten-Aktion an Bundesministerin Klöckner, Ministerpräsident Söder und Landwirtschaftsministerin Kaniber. Von den 220 am PROVIEH-Infostand unterschriebenen Postkarten werden täglich ein paar Karten an die genannten Personen einzeln versandt, damit sie jeden Tag erneut an das Thema „Kastenstand“ erinnert werden und aufgefordert sind, diese tierquälerische Haltung schnellstmöglich zu beenden.

Aktion Berlin

In Berlin versammelten sich rund 20 Teilnehmer von PROVIEH e.V. und anderen Organisationen an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz. Ein Original-Kastenstand verdeutlichte den Besuchern auch hier, wie eng es in diesem Käfig für Muttersauen ist. Auf diesen Umstand und die generellen Zustände in der Muttersauen sowie in der Schweinehaltung allgemein wurde durch Megafon-Durchsagen von PROVIEH-Hauptstadtreferent Patrick Müller und dem Berliner Regionalgruppenleiter Ulrich Simon aufmerksam gemacht. Außerdem setzte sich eine Teilnehmerin mit einem Schweinekostüm in den Kastenstand und bat die Passanten: „Lasst die Sau raus!“. An einem Infotisch konnten sich Interessenten mit Informationsmaterial versorgen und auf Plakaten erhielten Sie einen Einblick, wie der Lebenszyklus einer Muttersau aussieht. Hier wurde deutlich, wie viel Zeit die Tiere in der konventionellen Haltung im Kastenstand verbringen. Die Freiwilligen von PROVIEH kamen mit Passanten direkt ins Gespräch und zeigten Flagge für den Schutz von Schweinen. Mehrere Passanten und Freiwillige nutzten die Schweinefigur als Bildmotiv für Posts auf Instagram.

Wir danken allen Beteiligten, die den Aktionstag zu einem Erfolg gemacht haben, und vor allem den Organisatoren der Veranstaltungen in Berlin und München, die mit sehr viel Tatendrang, guten Ideen, tollem Krisenmanagement und sehr viel Hingabe für das Thema die Aktionen erst möglich gemacht haben.

Hintergrund

Die Bundesratsentscheidung am 03.07.2020 zur Abschaffung des Kastenstands im Deckbereich war ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn auch mit viel zu langen Übergangsfristen. Das größte Problem des Kompromisses stellt zudem der Kastenstand im Abferkelbereich dar. Hier gibt es bislang keinen echten Ausstiegsplan aus dem sogenannten „Ferkelschutzkorb“ und auch die Verkürzung der Fixierdauer von Muttersauen in diesem Käfig auf fünf Tage um den Geburtszeitraum soll erst nach 15 Jahren verpflichtend sein. Dies bedeutet, dass Sauen für die nächsten 15 bis17 Jahre weiter bis zu fünf Wochen im Abferkelbereich fixiert werden dürfen! Das darf nicht sein - hier muss dringend nachgebessert werden!
Kastenstand in Deck- und Abferkelbereich müssen zusammen gedacht werden und gehören gleichermaßen abgeschafft. Jegliche Fixierung von Sauen ist und bleibt tierschutz- und rechtswidrig! Deshalb haben wir am 17.10.2020 mit unseren Aktionen ein Zeichen gesetzt, damit das Leid der Muttersauen nicht in Vergessenheit gerät!

 

Svenja Taube

Verfolgen Sie auch unsere Kampagne "LASST DIE SAU RAUS!"