Aktiv-Workshop: Gemeinsam für den „Nutz“tierschutz!

Nach dem erfolgreichen Aktiventreffen von 2015 fand auch in diesem Jahr vom 28. – 29. April ein zweitägiger Aktiv-Workshop von PROVIEH statt. Nicht nur Regionalgruppenmitglieder und Aktive, sondern auch Neuzugänge konnten auf dem NABU Gut Sunder in Niedersachsen begrüßt werden. Das Gut bot für die 18 Teilnehmer sowie drei Hauptamtliche und ein Vorstandsmitglied von PROVIEH eine ruhige und naturnahe Atmosphäre für ein lockeres Vernetzungstreffen. Die Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen reisten aus ganz Deutschland an.

Ziel war es, durch die Beiträge der beiden Fachreferentinnen Angela Dinter und Stefanie Pöpken, allen Ehrenamtlichen differenziertes Fachwissen über die verschiedenen „Nutz“tiere und die mit der Intensivtierhaltung verbundenen Problematiken zu vermitteln. Neben den Auswirkungen auf die Umwelt und im besonderen Maße auf das Klima, wurde auch die Problematik der Verwendung des Unkrautvernichters (Herbizid) Glyphosat behandelt. Die Leitragenden sind hier vor allem die Bienen, deren Orientierungssinn durch den Einsatz von Glyphosat beeinträchtigt wird. Als Folge kann ein zunehmendes Bienensterben festgestellt werden. Neben der Insektenpopulation ist auch die Feldvogelpopulation stark zurückgegangen. Durch den Einsatz von Glyphosat werden viele Blühpflanzen vernichtet, die Insekten und Vögeln als Nahrung dienen. Die Verwendung des Herbizids steht außerdem im direkten Zusammenhang mit der Kraftfutterproduktion, vor allem mit dem genveränderten Sojaanbau in Südamerika, um die weltweite intensive Fleischproduktion zu ermöglichen.

Vorgestellt wurde ebenfalls die aktuelle PROVIEH-Kampagne zur verpflichtenden Haltungskennzeichnung. Das Motto „Von 0 bis 3 wie beim Ei“ soll bei allen tierischen Produkten mehr Transparenz über die Haltungsformen der Tiere schaffen. Erst durch solch eine Kennzeichnung hat der Käufer eine echte Wahl und die Chance, tierische Produkte verantwortungsbewusst zu konsumieren.

Sehr begrüßt wurde von den Teilnehmern das Thema „Arbeiten am Infostand“. Trotz großen Interesses am „Nutz“tierschutz, waren bei einigen Aktiven Unsicherheiten zu spüren, wie mit bestimmten Fragen und Situationen am Infostand am besten umgegangen werden kann. Insbesondere das Rollenspiel bot für die Aktiven die Möglichkeit sich auszuprobieren und durch Feedback sowie Tipps der anderen mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein in solchen Situationen zu erlangen. Hilfreich für zukünftige Infostände wird auch die von PROVIEH erstellte und ausgehändigte Argumentationshilfe sein.

Am Freitagabend wurde in gemütlicher Runde der Film „10 Milliarden – wie werden wir alle satt“ von Valentin Thurn geschaut. Erschreckend zeigt der Film das Vorgehen der Agrarindustrievertreter zur Lösung der Ernährungsprobleme auf der Welt. Zugleich wurden aber auch hoffungsvoll die Perspektiven der Pioniere einer neuen Landwirtschaft aufgezeigt. Ihr Widerstand motiviert auch uns Aktive, uns für eine nachhaltige und artgerechte „Nutz“tierhaltung einzusetzen, die Lösungen für etliche weitere Umwelt- und Ernährungsprobleme mit sich bringt.

Es war schön, die Energie und Motivation der hauptamtlichen PROVIEH-Mitarbeiterinnen zu spüren. Besonders ermutigend und wohltuend war es zu sehen, dass es noch andere Menschen gibt, die nicht blind tierische Produkte konsumieren – denen klar ist, was hinter einem Stück Fleisch steckt – die etwas dafür tun wollen, dass Tiere, wenn sie uns als Nahrung dienen, doch wenigstens ein weitgehend artgerechtes Leben führen dürfen.

Mitgenommen wurde neben den vielen interessanten Beiträgen, Diskussionen und Begegnungen vor allem sehr viel Motivation, sich für unsere "Nutz“tiere stark zu machen und die Lebensbedingungen dieser wertvollen Geschöpfe deutlich zu verbessern.

Vielen Dank für diesen wirklich tollen Workshop!

Johanna Hoppe, Regionalgruppe Kassel


„Aufgrund beruflicher und verkehrstechnischer Hindernisse zu spät angereist, hatten wir sofort das Gefühl, willkommen zu sein. Die Gruppenatmosphäre war von Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Da spielte es auch keine Rolle, ob nun jemand Veganer, Vegetarier oder „reduzierter“ Fleischesser war; einfach ein Modell für gegenseitige Fairness und respektvolles Verhalten.“

Bernhard und Silvia Sitzmann