ALDI Süd veröffentlicht Tierschutz-Einkaufspolitik

17.01.2015: Aldi Süd veröffentlichte Anfang Februar 2015 eine neue „Tierwohl-Einkaufspolitik“ für Produkte mit Rohstoffen tierischen Ursprungs. Der Discounter verpflichtet sich und seine Lieferanten künftig zur Einhaltung höherer Standards als gesetzlich vorgeschrieben.

PROVIEH begrüßt diesen weiteren Schritt in Richtung Verbesserung des Tierwohls, nachdem sich ALDI Süd bereits bei der von PROVIEH mitkonzipierten und am 1. Januar 2015 gestarteten Brancheninitiative für Tierwohl engagiert. Das Bonussystem für Tierwohlmaßnahmen im Schweinebereich startet im April, für die Hühnermäster soll es im Herbst losgehen. ALDI Süd möchte – genau wie PROVIEH – dieses Branchenengagement auch auf andere Tierarten ausweiten.  Das Unternehmen fordert auch seine Lieferanten dazu auf, an solchen Branchenvereinbarungen mitzuwirken und hält sie dazu an, sich vermehrt in Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich Tierwohl einzubringen, was aus Sicht von PROVIEH auch ALDI Süd selbst vermehrt tun sollte. Denn der Handel trägt zu einem guten Teil die Verantwortung dafür, wie das produziert wurde, was er in seinen Regalen zum Kauf anbietet; die Verantwortung für die Qualitätskontrolle der Erzeugungskette tragen nicht allein die Lieferanten.

Erfreulich ist aus Sicht von PROVIEH die Tatsache, dass das Unternehmen sich in seiner neuen Einkaufspolitik nicht nur auf die klassischen Lebensmittel, also nicht nur für Lebensmittel wie Milch, Eier und Fleisch konzentriert, sondern künftig auch auf Tierwohl in der Aquakultur hinarbeiten will, sowie in einigen Bereichen in der Rindermast, der Milchkuhhaltung und bei Barbarieenten, für die es keine spezifischen nationalen oder EU-weiten Haltungsvorschriften oder Tierschutzregelungen gibt. Auch die Probleme in der Kälberhaltung will ALDI Süd angehen, was angesichts der unzureichenden Umsetzung der EU-Richtlinie 2008/119/EG zum Schutz der Kälber in Deutschland (wir berichteten, s.u.) ebenfalls sehr wichtig ist. Und ALDI Süd will laut der neuen Einkaufspolitik außerdem Alternativen zur Vermeidung von Tierversuchen unterstützen sowie bei Textilien, Kleinlederwaren, Schuhen, Kosmetik, Körperpflege, Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln auf Tierfreundlichkeit achten.

Natürlich muss die Umsetzung dieser Absichtserklärung beobachtet werden –  insbesondere das für die durchgängige Einhaltung notwendige Kontrollsystem – bevor man dieses angekündigte intensivere Engagement für den Tierschutz wirklich bewerten kann; denn es heißt nicht umsonst: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

PROVIEH ist insgesamt aber zuversichtlich, dass das Unternehmen ernst macht in Sachen Tierwohl; schließlich hat ALDI Süd in der Vergangenheit bereits einige wichtige Signale gesetzt, indem das Unternehmen unter anderem Käfigeier, Kaninchenfleisch, Hummer, Stopfleber sowie mit echtem Pelzbesatz oder aus Lebendrupf-Daunen gefertigte Produkte  auslistete.

Sabine Ohm

Foto: © PROVIEH


Quellen und weiterführende Information