Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration - Brief an den Lebensmitteleinzelhandel

Die Übergangsfrist bis zum gesetzlichen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration läuft Ende des Jahres aus, doch bisher scheinen keine zufriedenstellenden Lösungen für Landwirte und Tiere zur Verfügung zu stehen. Gesetzlich erlaubt sind Verfahren, die eine zufriedenstellende Schmerzausschaltung beim chirurgischen Eingriff der Kastration männlicher Ferkel gewährleisten. Doch am Ende bleibt die Kastration, bei der den Tieren die Hoden vollständig entfernt werden. Die einzige Alternative bildet die Ebermast mit und ohne Immunokastration. 

Bei diesem Verfahren befürchtet der Bauernverband die Ablehnung des Verbrauchers, obwohl das Fleisch immunokastrierter Tiere aus dem benachbarten EU-Ausland bereits seit einiger Zeit überall  im Handel ist und dabei nicht die geringste Aufmerksamkeit erregt hat. 

Somit steht der Ebermast mit und ohne Immunokastration eigentlich nichts mehr im Wege. Doch wo bleibt die Akzeptanz der Lebensmitteleinzelhändler und der Schlachthofbetreiber? In unserem Brief fordern wir von Discountern und Lebensmitteleinzelhandelsketten ein öffentliches Bekenntnis für konsequenten Tierschutz und ein Ende der Verstümmelung von männlichen Ferkeln.

 

Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration                                                                                                                                                                                                20.02.2018

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration steht bevor. Uns bleiben noch wenige Monate, um tierschutzgerechte und praxistaugliche Alternativen in die Praxis zu überführen. Die Basis hierfür bildet eine gesetzlich erlaubte Vielfalt an Verfahren, deren Anwendung von allen Teilnehmern der Lebensmittelkette akzeptiert werden muss.

Wir als Nutztierfachverband sprechen uns für die Ebermast mit und ohne Immunokastration aus, da männliche Ferkel unversehrt bleiben und keinem chirurgischen Eingriff unterzogen werden müssen. Wir gehen davon aus, dass auch Sie diese konsequente Lösung unterstützen, denn eines unserer gemeinsamen Ziele ist doch der Verzicht auf nicht kurative Eingriffe am Tier. 

Ein weiterer Vorteil der Ebermast mit und ohne Immunokastration ist die klare Verbraucherkommunikation, denn auch eine Kastration unter Schmerzausschaltung bleibt eine Kastration. Die Befürchtungen seitens der Lebensmittelbranche bezüglich der Verbraucherakzeptanz von Fleisch, das von „geimpften“ Tieren stammt, haben sich als unbegründet erwiesen. Dies haben Anbieter wie Naturland mit Mut und Überzeugung belegen können. Auf der Nachfrageseite bekennen sich die Edeka Südwest und die REWE zu dieser besonders tierschonenden Methode.

Wir fordern Sie und Ihr Unternehmen auf, sich diesem Weg anzuschließen und sich öffentlich zum Einsatz der Immunokastration zu bekennen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Angela Dinter 

 

Fachreferentin für Schlachtung und Tiertransporte

Tel. 0431. 248 28-19

dinter@provieh.de