Appell an die Mitglieder des Bundesrats

Ferkelkastration: Keine Fristverlängerung für Tierleid

Sehr geehrte Mitglieder des Bundesrats,

wie Ihnen bekannt ist, wurde im Rahmen der Änderung des Tierschutzgesetzes im Juli 2013 die Kastration von unter acht Tage alten männlichen Schweinen neu geregelt. In der Folge ist die bislang übliche Praxis der Kastration ohne Betäubung ab dem 1. Januar 2019 verboten.

Zur Begründung für die Neuregelung wurde vom Bundestag im August 2012 seinerzeit ausgeführt, dass mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration und der Jungebermast Alternativen zur Verfügung stehen, die die Belastung der Tiere reduzieren und auch die Praktikabilität und den Verbraucherschutz berücksichtigen. Ein vernünftiger Grund, Ferkeln durch den Verzicht auf eine Betäubung bei der chirurgischen Ferkelkastration Schmerzen zuzufügen, besteht daher nicht mehr. Festzuhalten ist, dass der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zunächst eine Frist bis zum 1. Januar 2017 vorsah. Diese wurde im Gesetzesverfahren verlängert, „weil die Zeit erforderlich ist, um die dem Landwirt zur Verfügung stehenden Alternativen zu entwickeln und optimieren.“

Die Bundesregierung hat in einem Bericht von 2016 die vorhandenen o.g. Alternativen aus der Sicht des Tierschutzes, der Arzneimittelsicherheit und des Verbraucherschutzes erneut als geeignet bewertet, die Praxis der betäubungslosen Ferkelkastration abzulösen. Darüber hinaus hatte die Wirtschaft mehr als fünf Jahre Zeit, noch offen stehende Fragen zur Praxistauglichkeit zu klären. Vor diesem Hintergrund ist es völlig inakzeptabel, wenn einzelne Bundesländer nun eine weitere Fristverlängerung der betäubungslosen Kastration männlicher Kastration männlicher Ferkel um weitere fünf Jahre fordern.

Auch der Wunsch einiger Bundesländer, die Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration zu legalisieren, um in internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben, rechtfertigt keinesfalls eine Fristverlängerung von Schmerzen und Tierleid. Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass die Injektion von Lokalanästhetika mit den geltenden Bestimmungen des Tierschutzrechtes unvereinbar sind, da ein solcher Eingriff einen zusätzlichen Stress- und Schmerzfaktor vor der Kastration darstellt und die Betäubung ungenügend ist, um den Kastrationsschmerz vollständig auszuschalten.

Damit politische Entscheidungen glaubwürdig und nachvollziehbar sind, appellieren wir an Sie, sich für eine tierschutzkonforme Lösung einzusetzen und hoffen deshalb auf Ihre Gegenstimme bei der Abstimmung zur Bundesratsinitiative zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration. Denn eines unserer gemeinsamen Ziele sollte das Wohlergehen unserer Nutztiere und der möglichst rasche Verzicht auf nicht kurative Eingriffe am Tier sein.

In Erwartung einer Antwort verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen

Dipl. biol. Torsten Schmidt
Bund gegen den Missbrauch der Tiere e.V.

Angela Dinter
PROVIEH e.V.

20.08.2018