Architekturwettbewerb „Bauernhöfe artgerecht beleben“

BauernhofWer einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb besucht, bekommt nur in den seltensten Fällen noch einen klassischen „Bauernhof“ zu sehen. Funktionalität und Kosteneffizienz stehen bei der Architektur im Vordergrund. Die angeborenen Lebensbedürfnisse von Schweinen, Rindern oder Nutzvögeln werden den Produktionsbedingungen untergeordnet, oft mit fatalen Auswirkungen auf das Wohlergehen der Tiere. Und wer als Besucher einen Blick in die Tierställe werfen will, steht allzu häufig vor verschlossener Tür.

Doch viele bäuerliche Familien stehen heute vor einer existentiellen Frage: Wie können sie dem wachsenden Konkurrenzdruck durch agrarindustrielle Anlagen begegnen? Erlebnishöfe, Schulbauernhöfe, Hofkindergärten, touristische, gastronomische oder sozialtherapeutische Angebote können überlebenswichtige Nebeneinkünfte bieten. Die funktionalen Höfe beleben sich mit Menschen, die Nutztiere erleben, Landluft schnuppern, gut essen und sich erholen wollen.
Ferienhofbesucher bei der SauenfütterungDie Bauernhofbesucher möchten nicht vor verschlossenen Stalltüren stehen, sondern in Kontakt mit den Tieren treten. Intensivschweinemast auf Vollspaltenböden oder industrielle Hühnerställe stoßen bei ihnen meist auf Widerwillen und Ablehnung. Gefragt sind artgerechte Tierhaltungsformen, die Lebensbedürfnisse der Tiere angemessen berücksichtigen und ein gutes Bild vermitteln. Das stellt neue Anforderungen an die Architektur von Bauernhöfen. Sie zu berücksichtigen kann helfen, vielen bäuerlichen Familien ihre Existenz zu sichern.

Gemeinsam mit der jungen Fachzeitschrift „AFA – Architekturmagazin für Architekten“ ruft der Fachverband für Nutztierschutz PROVIEH zu einem Ideenwettbewerb auf.

Ein ausgewählter bäuerlicher Schweinemastbetrieb im schleswig-holsteinischen Behlendorf soll beispielhaft neugeplant werden. Bei der Gestaltung sollen auch die Balance zwischen dem Schutz vor der Verbreitung von Tierseuchen und dem Kontaktbedürfnis der Hofbesucher, sowie eine mögliche wirtschaftliche Neuorientierung des Hofes (Hühnerhaltung, Tourismus, Direktvermarktung o. a.) in die Ideen einfließen.

Unterlagen zum Start des Ideenwettbewerbs können hier ab dem 20. Februar 2011 heruntergeladen werden. Ein Preisgeld von 5.000,- € ist ausgelobt. Die eingereichten Entwürfe werden durch eine Jury aus Landwirtschaft, Architektur, Tourismus und Nutztierschutz bewertet. Die Preisverleihung soll öffentlich im Rahmen einer Fachmesse im Verlauf des Jahres 2011 stattfinden.

Die entwickelten Ideen werden einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, um Anregungen für Bauern und ihre Familien zu bieten. Eine Auswahl der eingereichten Entwürfe soll in Form einer Wanderausstellung in Freilichtmuseen, auf landwirtschaftlichen Messen oder im Rahmen von großen Bauernmärkten öffentlich ausgestellt werden.