Besuch beim Ziegenhof im Wiesengrund

Im August 2016 besuchten wir mit der Kieler Regionalgruppe den Ziegenhof im Wiesengrund bei Malente im Osten Schleswig-Holsteins. Bärbel Lorenzen gab uns eine umfangreiche und interessante Hofführung.

Den inmitten der hügeligen Landschaft der Holsteinischen Schweiz gelegenen Hof hat Familie Lorenzen 2006 von den Eltern übernommen und direkt auf Bio umgestellt. Angefangen mit einer Ziegenzucht, wurde 2008 eine Käserei angebaut und ein Jahr später der erste Ziegenkäse produziert. Als zweites Standbein sollte eine Schweinezucht aufgebaut werden. Doch beim Versuch, eine eigene Sau der Hochleistungsrasse Pietrain mit einem Angler Sattelschwein zu kreuzen, erlitt die Sau einen Herzinfarkt. „Diese Schweine sind nicht stressstabil und können nichts ab“, so Frau Lorenzen. Also folgte die Familie dem Rat, sich doch mal bei der Arche Warder nach einer robusteren Schweinerasse umzusehen. Dort stieß sie auf die Bunten Bentheimer Schweine und nahm direkt einige Ferkel mit. Der Unterschied fiel sofort auf: „Da kann man mit einem Trecker an denen vorbeifahren oder es knallt mal irgendwo, das interessiert die gar nicht. Bei denen fällt keiner tot um und kriegt einen Herzinfarkt.“

Diese positive Erfahrung mit einer alten Haustierrasse inspirierte die Lorenzens schließlich dazu, eine Nutztierarche aufzubauen. Der Gedanke hinter der Nutztierarche, welche durch den Verein VIEH (Vielfältige Initiative zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen) ins Leben gerufen wurde, ist es, alte gefährdete Rassen durch Züchtung und Nutzung sowie durch den bewussten Konsum ihrer Produkte wieder bekannt zu machen und somit zu erhalten. Höfe, die sich Nutztierarche nennen und das Logo verwenden dürfen, müssen neben der reinen Züchtung dieser Tiere auch weitere Richtlinien einhalten: Massentierhaltung, Spaltenboden und Hochleistungsfutter sind tabu, stattdessen leben die Tiere in Freiland- beziehungsweise Auslaufhaltung, schlafen auf Einstreu und Wassergeflügel hat Zugang zu Bademöglichkeiten. Somit wird versucht, die alten „Nutz“tierrassen so natürlich und ursprünglich wie möglich zu halten.

Neben den Bentheimer Schweinen leben auf dem Ziegenhof mittlerweile auch Diepholzer Gänse, Sundheimer Hühner, Pommernenten, Hinterwälder Rinder und Rauhwollige Pommersche Landschafe - allesamt gefährdete Haustierrassen. Frau Lorenzen schwärmt von der guten Qualität und dem Geschmack der Produkte und hebt vor allem die vielfältige Nutzbarkeit hervor. So können beispielsweise von den Sundheimer Hühnern Fleisch und Eier konsumiert werden.

Ihre Produkte vermarktet Familie Lorenzen überwiegend direkt. Nur etwas Wurst und Käse geht an umliegende Biomärkte und alle zwei Wochen fährt Frau Lorenzen zum Wochenmarkt nach Eutin. Ein Großteil der Produkte wird von Stammkunden abgenommen, beispielsweise über das so genannte Schweine-Leasing.

Den Ziegenhof im Wiesengrund haben wir als herausragendes Beispiel für eine tierfreundliche „Nutz“tierhaltung wahrgenommen. Alle Tiere leben ganzjährig in Weidehaltung – auch die Schweine. „Klar pflügen die Schweine alles um, aber wenn man sie rechtzeitig umweidet, fressen sie eigentlich mehr das Gras“, sagt Frau Lorenzen, die überzeugt davon ist, dass sich auch Schweine problemlos auf der Weide halten lassen. Was uns besonders positiv auffiel, ist der äußerst liebevolle Umgang mit den Tieren, den wir vor allem bei den Ziegen und Schweinen live miterleben konnten und wir ließen es uns natürlich nicht nehmen, die Tiere selbst mit ein paar Streicheleinheiten zu verwöhnen. „Wir versuchen, es mit allen Tieren so zu handhaben, dass sie die bestmöglichen Lebensumstände haben. Wenn sie schon geschlachtet werden, sollen sie es wenigstens gut haben,“ so Frau Lorenzen.

Catriona Lenk, Regionalgruppe Kiel

www.ziegenhof-im-wiesengrund.de

Fotos: Catriona Lenk

Was ist eigentlich Schweine-Leasing?

Sowohl der Ziegenhof im Wiesengrund als auch der Hausberghof, wie zahlreiche andere Höfe, bieten das sogenannte Schweine-Leasing an. Bei dem Schweine- oder Tier-Leasing handelt es sich um eine Form der Lohnhaltung für jemanden, der selbst nicht in der Lage ist, ein Tier zu halten. So erkauft sich der Verbraucher zum Beispiel Rechte an einem Schwein, einem Rind oder einem Huhn und bekommt dafür vom Landwirt Fleisch, Milch oder Eier.

Auch wenn das Wort Leasing auf den ersten Blick befremden mag, ist diese Art der Vermarktung für den Landwirt eine gute Möglichkeit, das Ideal einer wirklich artgerechten Tierhaltung zu realisieren und wirtschaftlich auf sicheren Beinen zu stehen. Oft ist die Rentabilität im Bio-Bereich gering und der ökonomische Druck auf die Landwirte sehr hoch. So mancher Bio-Bauer gibt desillusioniert auf oder geht einen Weg, der mit den Idealen der biologischen Bewirtschaftung, vor allem der Tierhaltung, nicht mehr viel gemein hat. Beispiele hierfür gibt es leider zuhauf. Die Leasing-Idee schafft eine Möglichkeit weitgehend unabhängig vom Markt zu sein, denn durch feste Abnahmen kann der Landwirt besser planen und sich absichern.
 

Wie läuft das Schweine-Leasing ab?

Der Kunde meldet sich auf dem Hof an, entweder persönlich oder online. Wenn das Tier, zum Beispiel ein Ferkel, auf der Welt ist, wird er benachrichtigt. Auf den Höfen, die Tier-Leasing anbieten, darf sich der Kunde meist gerne vor Ort ein Ferkel aussuchen oder bekommt eines zugeteilt. Der Kunde leistet einmalig eine Anzahlung auf „sein“ Ferkel und je nach Vertrag außerdem monatlich einen festen Betrag als Verpflegungsgeld. Wenn das Schwein geschlachtet werden soll, spricht der Kunde mit dem Metzger über die Möglichkeiten der Verarbeitung und es wird noch einmal ein Betrag für dessen Arbeit fällig. Nach der Schlachtung wird dem Kunden das Fleisch truhenfertig für einen festen Kilopreis übergeben.

Die Möglichkeit, das „eigene“ Schwein jederzeit besuchen zu können und das Wissen, am Ende ein bestimmtes Schwein zu essen, kann zwar auf der einen Seite einen schmerzhaften Beigeschmack haben, aber so weiß man ganz genau, wo das Fleisch herkommt. Zudem erhöht das Schweine-Leasing auf der anderen Seite das Bewusstsein dafür, tatsächlich ein Tier vor sich auf dem Teller zu haben und nicht nur ein anonymes Stück Fleisch – etwas, das sich jeder Fleischesser bewusst machen sollte.