BIO-Branche trotzt der Krise, feiert Geburtstag und wächst zweistellig

20 Jahre BIOFACH, ein Grund zum Feiern! Die diesjährige BIOFACH, internationales Messe-Highlight der Bio-Welt vom 19. – 22.02.2009 in Nürnberg, zeigte, dass nachhaltiges Wirtschaften auch in Zeiten der Krise kräftige Zuwachsraten verzeichnen kann.

Über 2700 Aussteller, über die Hälfte davon aus dem Ausland angereist, feierten zusammen mit den über 46000 Besuchern die Erfolgsstory der Bio-Pioniere, die 1990 in der Stadthalle Ludwigshafen mit 240 Ausstellern und 1457 Besuchern begann.

„Die Welt kann vom Nachhaltigkeitsgedanken der Biobranche lernen“, lobte der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Dr. Ulrich Maly auf seiner Eröffnungsrede die Biobranche. „Die Ursache der Finanzkrise seien grundlegende Verstöße gegen den Nachhaltigkeitsgedanken. „Das hat uns in den Mist geritten, den wir jetzt weltweit mit vielen Milliarden wieder versuchen in Ordnung zu bringen. Ignoranz einer Zukunft künftiger Generationen gegenüber hat diese Missstände hervorgerufen“, so Dr. Maly. Die Finanzwelt könne von der Biobranche viel lernen. Er begrüßte die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner herzlich mit den Worten: „Ihren Vorgänger haben wir lange verfolgt, jedoch nie erwischt“. Ihren ersten positiven Signalen in Bezug auf Gentechnik solle sie weitere gute Schritte folgen zu lassen. Die Welt habe keinerlei Zukunft mit der Gentechnik, die Stadt Nürnberg habe daher gerade am Vortag das Stadtgebiet als Gentechnikfreie Zone ausgewiesen, mit diesen Worten erntete er tosenden Applaus der geladenen Gäste auf der Eröffnungsveranstaltung am 19. Februar.

EU Landwirtschaftskommissarin Frau Dr. Marianne Fischer Boel, IFOAM Präsidentin Katherin DiMatteo, Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner gratulierten neben der Dänischen Landwirtschaftsministerin Eva Kjer Hansen ebenfalls zur Erfolgsgeschichte des Ökolandbaus, der viel älter sei als 20 Jahre. Das diesjährige Gastland der BIOFACH 2009, Dänemark, ist der EU Spitzenreiter im Pro-Kopf-Verbrauch von Bioprodukten. Rund 80 EUR gibt jeder Däne im Jahr für Bio Lebensmittel aus. Deutschland liegt mit 56,- € pro Jahr an dritter Stelle im europäischen Vergleich.

Branchenkenner gehen davon aus, dass Bio-Kunden aus Überzeugung ihr Einkaufsverhalten auch in Zeiten der Finanzkrise nicht verändern und nicht an qualitativ hochwertigem Essen sparen werden. Allerdings gehe der Trend weg von kleinen Hofläden oder Bioläden hin zu Discountern. In Dänemark werden schon 90% des Umsatzes in konventionellen Lebensmittel-Discountern gemacht. Fehlende Transparenz und damit Einkauf nach dem billigsten Angebot sind jedoch die Wehrmutstropfen und Gefahren dieser Entwicklung.

Jüngst durch den BIO-Putenskandal aufgeschreckt wird deutlich, dass die Entwicklung des Biomarktes aus der Nische auch ihre Schattenseiten haben kann. Unübersichtliche Erzeugungs- und Marktstrukturen können dazu beitragen, dass kriminelle Energien einen Nährboden finden. Berthold Franzsander, einer der größten Biogeflügelhändler der Republik, hatte seine Tiere mit konventionellem Futter gefüttert. Ökofutter reichte den Masthybridtieren nach seinen Worten nicht. Tierschützer machten denn auch auf der BIOFACH mit einer Demonstration auf weitere tief greifende Probleme in der Tierzucht auch im Biobereich aufmerksam. Immerhin gehen zwei Millionen jährlich getöteter männlicher „Geschwisterküken“ der Legehennenhybriden auf das Konto der Bioproduktion, so Katharina Reuter vom Tierzuchtfonds. Anders als bei den Gemüsebauern, die schon spezielle Ökosorten ziehen, gibt es bisher kaum eine Bionutztierzucht.

Die drei Gründungsväter der BIOFACH gaben ihrem nun groß gewordenen Sprössling mit auf den Weg, „sauber zu bleiben, faule Kompromisse zu meiden und qualitativ weiter zu wachsen“.

Weitere Informationen zur BIOFACH 2009 unter: www.biofach.de.

24.02.2009 - Iris Weiland, Fachreferat Witzenhausen

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