Bioanbau als dauerhafter Anker der Welternährung?

„Nicht durchsetzbar!“, sagen die Einen, „DIE Lösung!“, sagen die Anderen. Wenn man den Kritikern glauben möchte, ist das Ziel der Welternährung durch biologischen Anbau unerreichbar. Der Landverbrauch würde in die Höhe schnellen und noch mehr Flächen als ohnehin schon würden durch die Landwirtschaft vereinnahmt.

Befürworter sehen jedoch die Stärken der Bio-Produktion und vor allem den schonenden Umgang mit Umwelt und Ressourcen. Schon bei einem Anteil von 60 Prozent an der Landwirtschaft würden signifikant geringere Umweltschäden und Treibhausgasreduzierungen auftreten. Große Vorteile ergäben sich auch bei Dauerproblemkindern wie dem Stickstoffeintrag oder den umweltschädlichen Pestiziden. Bis zu minus 100 Prozent negativer Auswirkungen in Bezug auf Pestizide prognostiziert eine Studie des FiBL² aus dem November 2017.

Ganz unrecht haben auch die Kritiker allerdings nicht. Wenn wir von den jetzigen Konsumgewohnheiten der Menschheit ausgehen, mit vielen Fleisch- und Tierprodukten auf unseren Tellern, würde eine rein biologische Produktion einiges mehr an Anbauflächen fordern.

Um dem entgegenzuwirken stehen aber einige Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Der Verzicht auf Kraftfutter in der Tiermast (besonders energiereiches Futter, wie Getreide) gibt Flächen frei, die für den Nahrungsmittelanbau zur Verfügung stünden. Gleichzeitig müssten die Zuchtziele in der Tierzucht verändert werden. Hierfür würden sich Rinderrassen eignen, die weniger Milch geben, dafür aber hauptsächlich durch die Weidehaltung ernährt werden.
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Reduktion des Konsums tierischer Produkte. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden etwa 15.000 Liter Wasser und bis zu 49 Quadratmeter Fläche verbraucht. Im Vergleich: Ein Kilogramm Kartoffeln verbraucht nur rund 100 Liter Wasser und 0,25 Quadratmeter Fläche4.
  • Eine weitere nicht zu unterschätzende Lösung besteht in der Reduzierung des Abfalls. Wenn die Nahrungsmittelmenge, die Tag für Tag im Abfall landet, reduziert würde, würde die zu produzierende Lebensmittelmasse erheblich schrumpfen. In Deutschland sind es ganze 82 Kilogramm pro Person und Jahr³, die in die Tonne wandern. Das entspricht etwa einem Drittel dessen was insgesamt im Einkaufswagen landet.

In dieser Kombination würde eine biologische Landwirtschaft mit derselben Flächengröße auskommen, die jetzt die konventionelle Landwirtschaft einnimmt. Zudem werden die Böden mit der Zeit kaum mehr geschädigt, blieben fruchtbar und die Biodiversität ist auf solchen Feldern um 30 Prozent artenreicher als in der konventionellen Landwirtschaft5.

Worauf warten wir dann noch?

Der Konsument hat es in der Hand. Was auf dem Markt gut ankommt, wird auch mehr produziert. Jedes Produkt, das in den Einkaufswagen wandert, ist wie ein Stimmzettel für das, was auch in Zukunft produziert werden soll. Gehen wir also verantwortungsvoll wählen!

 

Navina Johannsen, Praktikantin bei PROVIEH

 

²   Studie: „Strategies for feeding the world more sustainably with organic agriculture“ des Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Nov. 2017 Fig. 4

³ Studie der Universität Stuttgart 2012

4  “Vegetarier sind die besseren Umweltschützer” DIE ZEIT Marlies Uken, 6. August 2013

5 FiBL „Biolandbau fördert die Biodiversität“ 03.2016