Coronavirus (SARS-CoV-2)

Die wichtigsten FAQs zu CORONA

 

Was bedeuten “SARS-CoV-2” und “COVID-19”?

Coronaviren gehören zu einer sehr große Virusfamilie. Je nach Virusform werden bei Menschen, verschiedensten Säugetieren, Vögeln und auch Fischen Krankheiten verursacht.

Bei der aktuellen Pandemie handelt es sich um ein neu entdecktes Coronavirus. Dieses wurde aufgrund seiner Form und Eigenschaft SARS-CoV-2 genannt (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2, „Schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus 2“).

Die Erkrankung, die dieses spezifische SARS-CoV-2 auslöst, trägt die Abkürzung COVID-19 (Coronavirus disease 2019, „Coronavirus Krankheit 2019“). Die Krankheitsverläufe von COVID-19 variieren stark. Neben symptomlosen Infektionen wurden überwiegend milde bis moderate Verläufe beobachtet. Bekanntermaßen gibt es jedoch auch schwere Krankheitssymptome, die mit beidseitigen Lungenentzündungen bis hin zu Lungenversagen und Tod einhergehen.

 

Woher kommt das Coronavirus (SARS-CoV-2)?

Grundsätzlich gehört SARS-CoV-2 zu den Zoonosen. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von tierischen Wirten, insbesondere von uns verwandten Säugetieren auf Menschen übertragen werden können und ebenfalls in die andere Richtung vom Menschen auf das Tier übertragbar sind. Laut Weltgesundheitsorganisation sind etwa 60 Prozent derInfektionskrankheiten Zoonosen.

Eine enge Verwandtschaft des SARS-CoV-2 zu anderen Coronaviren, die bei Fledermäusen nachgewiesen wurden, lassen hier den Ursprung vermuten. Außerdem wird angenommen, dass es einen weiteren tierischen Zwischenwirt gegeben haben könnte, bevor das Virus leicht abgewandelt von der Fledermaus auf den Menschen übergegangen ist. Hierzu bedarf es noch weiterer Forschung. Aktuell werden Schuppentiere und Schlangen auf ihre mögliche Rolle als Zwischenwirt untersucht.

 

Welche Ursachen hat die Corona-Pandemie?

Mehr als zwei Drittel der Erreger, die Epidemien wie Ebola, Zika oder die Vogelgrippe auslösten, stammen ursprünglich von Wildtieren, die in tropischen Regionen heimisch sind. Insbesondere in China gibt es Wildtiermärkte, auf denen gefangengenommene Tiere zum Verzehr oder für andere Zwecke verkauft werden. Die Übertragung des Sars-Virus aus dem Jahre 2003 auf uns Menschen geschah beispielsweise auf solchen Wildtiermärkten. Auch bei dem Corona-Virus deutet alles darauf hin, dass der Wildtierhandel als Ursache fungiert.

Studien haben gezeigt, dass schrumpfende Lebensräume und damit einhergehende Verhaltensänderungen von Tieren zum Risiko der Übertragung von Krankheiten von Tieren auf Menschen beitragen. Hier spielt der bereits genannte Wildtierhandel eine große Rolle als Übertragungsszenario. Aber auch das engere Zusammenleben von Mensch und Wildtier, aufgrund der Zerstörung des tierischen Lebensraums durch uns Menschen, kann zu einem „Überspringen“ von Infektionserregern auf den Menschen führen.

Neben der konkreten Suche der Übertragungswege des SARS-CoV-2 auf den Menschen, muss man auch die indirekten Ursachen von Pandemien bzw. Epidemien erforschen. So weist zum Beispiel Prof. Oliver Razum, Leiter der Arbeitsgruppe „Epidemiologie und International Public Health" der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld darauf hin, dass „Epidemien durch den weltweit steigenden Fleischkonsum, die steigende Zahl der Tiere in der industriellen Massentierhaltung und die Tierzucht begünstigt werden, die nicht auf genetische Vielfalt, sondern auf möglichst leistungsstarke Tiere abzielt."

 

Können sich „Nutz“tiere am Coronavirus (SARS-CoV-2) infizieren oder das Virus übertragen?

Momentan gibt es keine Hinweise darauf, dass „Nutz“tiere als Überträger des Virus eine Rolle spielen. Bei der derzeitigen Corona-Pandemie ist die Übertragung von Mensch zu Mensch ausschlaggebend für die Verbreitung.

Dennoch ist auch im Kontakt mit Tieren die Einhaltung von grundlegenden Hygieneregeln (in die Armbeuge niesen und husten, Hände waschen, Oberflächen reinigen) wichtig. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut rechnet Ende April mit ersten Ergebnissen zur möglichen Infizierung von Tieren. Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass sich weder Schweine noch Hühner mit SARS-CoV-2 infizieren lassen.

 

Können sich Haustiere am Coronavirus (SARS-CoV-2) infizieren oder das Virus übertragen?

Katzen wurden bereits in mehreren Ländern SARS-CoV-2 positiv getestet. Einige Tiere hatten Antikörper gegen das SARS-CoV-2 gebildet, was auf eine durchgemachte Infektion hinweist. Auch aktuelle Studien zeigen, dass sich Katzen und Frettchen experimentell mit SARS-CoV-2 infizieren lassen und das Virus unter den besonderen Versuchsbedingungen auch auf Artgenossen übertragen können. Dies erlaubt allerdings keine Rückschlüsse darauf, ob Katzen und Frettchen Virusmengen ausscheiden, die für eine Infektion des Menschen ausreichen. Ob solche Infektionen tatsächlich stattfinden können, muss weiter untersucht werden.

Es liegen ebenfalls einzelne Berichte von Hunden vor, die SARS-CoV-2 positiv getestet wurden. Eine erste tierexperimentelle Studie weist jedoch auf eine geringe Empfänglichkeit von Hunden für SARS-CoV-2 hin.

 

Wie sind Berichte über infizierte Haustiere einzuordnen?

Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass Haustiere eine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen. Bei der Covid-19-Pandemie ist die Übertragung von Mensch zu Mensch ausschlaggebend für die Verbreitung.

Die Haltung von Katzen und Frettchen wurde nicht als Risikofaktor identifiziert. Auch bei der SARS-CoV-Epidemie im Jahr 2003 kam es zu Infektionen bei Katzen, ohne dass dies für eine Weiterverbreitung relevant war.

Es gilt momentan weiterhin die Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts: Haustiere spielen nach dem jetzigen Kenntnisstand keine Rolle bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 / Covid-19.

 

Was muss ich im Umgang mit meinem Tier beachten?

Bislang wird davon ausgegangen, dass Haus- und „Nutz“tiere keine Rolle für die Verbreitung von SARS-CoV-2 unter den Menschen spielen. Der Kontakt gesunder Personen zu Haustieren muss nach den derzeitig verfügbaren Informationen nicht eingeschränkt werden. Allerdings ist es als allgemeine Vorsichtsmaßnahme immer ratsam, grundlegende Prinzipien der Hygiene zu beachten, wenn man mit Tieren in Kontakt kommt (zum Beispiel Hände gründlich mit Seife waschen).

Das regelmäßige Waschen von Tieren oder die Behandlung von Tieren mit Desinfektionsmittel sind nicht notwendig und nicht sinnvoll! Auch gibt es keine Empfehlungen für das Tragen von Atemmasken für Tiere. Im Gegenteil bedeuten diese Maßnahmen sehr viel Stress für die Tiere und können die Haut und Schleimhäute schädigen!

Personen, die an COVID-19 erkrankt sind oder SARS-CoV-2 positiv getestet sind, sollten vorsichtshalber engen Körperkontakt zu ihren Tieren vermeiden. 

Katzen, die in einem positiv getesteten Haushalt leben, sollten möglichst während der Quarantäne nicht rausgelassen werden. Im Einzelfall und bei Auftreten von Symptomen kann bei Haustieren wie Katzen und Frettchen eine Beprobung und Testung auf SARS-CoV-2 ratsam sein, um weitere Informationen zu Ansteckungsszenarien zu gewinnen. In diesem Fall sollte sich das zuständige Gesundheitsamt mit dem Veterinäramt in Verbindung setzen.

Weitere Maßnahmen wie eine strikte Trennung oder Quarantäne von Haus- und „Nutz“tieren werden derzeit nicht empfohlen.

Die Pflichten der Tierhalter ihrem Tier gegenüber bleiben bestehen.

 

Darf man noch mit Pferden ausreiten?

Ja. Regelmäßige Bewegung der Pferde zählt zu den pflegerischen Pflichten von Pferdebesitzern. Allein oder mit wenigen Reitern und unter Einhaltung des Mindestabstands ist das Ausreiten erlaubt. In der Halle sollte die Anzahl der Reiter auf ein Minimum beschränkt werden. Viele Höfe haben hierfür Pläne erstellt, um die Hallenzeiten einzuteilen. Gleiches sollte für Stallungen gelten, sodass auch bei der Pflege und Stallarbeit der Mindestabstand gewährleistet werden kann. Die Versorgung und Bewegung der Pferde sollte für den Fall, dass der Besitzer sich in Quarantäne befindet, vorsorglich geplant werden.

Reitställe sind jedoch für Reitschule und Reitunterricht geschlossen. Auch Aufenthaltsräume/ Sozialräume („Reiterstübli“) dürfen nicht geöffnet werden. 

 

Was passiert mit meinem Tier, wenn ich mich in häuslicher Quarantäne befinde?

Für Tiere werden keine Maßnahmen wie die Absonderung oder Quarantäne empfohlen. Personen, die sich in Quarantäne befinden, sollten eine geeignete Personen außerhalb ihres Haushaltes um Unterstützung bei der Pflege der Tiere bitten. 

Pferdebesitzerinnen/-besitzer müssen auch im Quarantäne-Fall dafür Sorge tragen, dass ihre Pferde versorgt und regelmäßig bewegt werden. Sollte der Stall unter Quarantäne stehen, muss der Stallbesitzer die Pflege und Bewegung der Pferde sicherstellen.

Hunde müssen von einer geeigneten Person ausgeführt werden. Helfende Personen dürfen nicht der Risikogruppe angehören und sollten selbst auf die Hygieneregeln achten. Auch professionelle Hundesitter können nach Absprache das Gassigehen übernehmen. Bitte beachten Sie bei der Übergabe den Mindestabstand zum Tiersitter und waschen Sie sich gründlich die Hände vor und nach der Übergabe. Der Tiersitter sollte das Haus nicht betreten und eine eigene Leine verwenden. Das Risiko geht nicht von dem Hund aus, sondern von den möglicherweise infizierten Besitzerinnen /Besitzern.

Katzen von Besitzerinnen/Besitzern in häuslicher Isolation, die die Wohnung oder das Haus normalerweise verlassen („Freigänger“), sollten nach Möglichkeit für die Dauer der Quarantäne im Haus gehalten werden. Katzen sollten zudem nicht zusammen mit anderen fremden Katzen (zum Beispiel in einer Katzenpension) untergebracht werden.

Sollten Sie keine geeigneten Personen für die Pflege Ihrer Tiere finden, gibt es verschiedene Hilfsangebote zum Beispiel für das Gassigehen.

www.nebenan.dewww.wirgegencorona.com , www.quarantaenehelden.org

Es besteht kein Grund dafür, Haustiere vorsorglich in Tierheimen abzugeben. Sollte ein Haustier positiv auf SARS-CoV-2 getestet werden, stellt dies keinen Grund dar, das Tier einzuschläfern! 

 

Gibt es andere Coronaviren bei Tieren?

Ja. Es gibt verschiedene Coronaviren bei unseren Haus- und Nutztieren. Dennoch besteht kein Grund zur Beunruhigung. Es kann momentan kein Zusammenhang dieser Virusgattungen zum derzeit pandemisch verbreiteten SARS-CoV-2 hergestellt werden.

Bekannte Corona-Infektionen bei Tieren sind beispielsweise die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) der Katze oder die epizootische Virusdiarrhoe (engl. porcine epidemic diarrhea; PED) des Schweins. Auch bei Kälbern führen Coronaviren sowohl zu Atemwegserkrankungen als auch zu Kälberdurchfall. Diese Erreger stellen für den Menschen keine Gefahr dar und sind klar von SARS-CoV-2 zu unterscheiden. 

 

Gibt es besondere Tierschutzthemen durch die Corona-Krise?

Die Geschichte hat gezeigt, dass Tierschutz in Krisenzeiten leidet. Die Menschen sind mit eigenen gesundheitlichen und existenziellen Ängsten befasst und haben weniger Zeit, Geld und Ohr für Tier- und Umweltschutz. Dennoch haben wir besonders unseren „Nutz“tieren gegenüber eine Verantwortung, die man nicht einfach auf einen späteren Zeitpunkt verschieben kann.

Besonders kritisch ist die momentane Situation der Tiere bei Tiertransporten über Ländergrenzen. Viele EU-Mitgliedsländer haben ihre Grenzen wegen des Corona-Virus weitestgehend geschlossen. Der Güterverkehr bleibt jedoch aufrechterhalten. So sind auch Tiertransporte weiterhin möglich. Zur Eindämmung des Virus wurden in mehreren Mitgliedsstaaten Grenzkontrollen eingeführt. Dies führte zu stunden- oder sogar tagelangen Wartezeiten für die Tiere. Die langen Wartezeiten gehen mit enormem Stress und Leid für die Tiere auf den Transporten einher. Wir haben die EU-Kommission und die Bundesregierung aufgefordert, die Tiertransporte auszusetzen. 

„Gemeinsamer offener Brief - (Kein) Tierschutz in Zeiten weltweiter Corona-Krise“

„Gemeinsamer offener Brief an die EU-Kommission“

 

Wie kann man helfen?

Die Corona-Krise stellt jeden Einzelnen vor große Herausforderungen. Überall starten Bürgerinnen und Bürger Hilfsaktionen für Mitmenschen in ihrer Nachbarschaft. Diese Solidarität ist großartig. Um schnell den Kontakt zwischen Freiwilligen und Menschen herzustellen, die Hilfe brauchen, haben sich bereits einige Plattformen etabliert.

www.nebenan.dewww.wirgegencorona.comwww.quarantaenehelden.orgwww.helpunity.eu

Auch die Landwirtschaftsbranche ist in besonderem Maße von der Corona-Krise betroffen. Viele Betriebe stehen vor Existenzproblemen, da sie keine Erntehelfer für die Obst- und Gemüseernte finden. 

Daher haben sich verschiedene Initiativen und Plattformen gegründet, die dabei unterstützen Bäuerinnen und Bauern mit Leuten zusammen zu bringen, die Lust und Zeit haben in der Landwirtschaft zu unterstützen und dort kurzzeitig zu arbeiten. 

www.daslandhilft.dewww.erntehelfer-gesucht.de, www.cleverackern.dewww.land-arbeit.com

Natürlich können Sie auch PROVIEH e.V. unterstützen und so dafür sorgen, dass die wichtigen Themen des „Nutz“tierschutzes nicht unter der Corona-Krise leiden.

„Was kann ich in Corona-Zeiten für den Tierschutz tun?“ 

 

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