Das Deutsche Karakulschaf

Jedes Jahr wird von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V., kurz GEH, eine „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“ bestimmt. 2015 ist dies – passend zum chinesischen Jahr des Schafs – das Deutsche Karakulschaf.
Der Rassename Karakul leitet sich vom assyrischen „Kara-gjull“ ab. Das bedeutet „Schwarze Rose“ und bezieht sich auf die Lockenbildung beim frischgeborenen schwarzen Lamm. Karakulschafe sind mittelgroße schlanke Steppenschafe mit einem dichten lockigen Fell, welches schwarz (arabi), weiß, grau (schiras), braun (kombar) oder braungeschimmelt sein  kann. In Deutschland beschränkt sich die Zucht überwiegend auf Tiere mit einem schwarzen Fell, das sich mit zunehmendem Alter aber zu grauschwarz, grau oder graubraun verändert. 

Herkunft & Zuchtgeschichte

Das Karakulschaf gehört zu den ältesten Nutztierrassen der Welt. Archäologische Funde am Euphrat belegen eine Haltung der Lockenschafe vor mehr als 4500 Jahren. Die Tiere werden überwiegend zur Pelzgewinnung gehalten, aber auch zur Wolle-, Milch-  und Fleischerzeugung. Auch das Schwanzfett ist in einigen arabischen Ländern sehr gefragt.

Anfang des 20. Jahrhunderts importierte die Universität Halle um die 60 Karakulschafe zu Zuchtzwecken aus Usbekistan und bis zum Jahr 1936 stieg der Bestand in Deutschland auf etwa 10.000 Karakuls. Der Grund dafür war vor allem das Interesse an den Fellen der frischgeborenen Lämmer, den sogenannten Persianern, die lange in Mode waren und deren Nachfrage in den 70er Jahren glücklicherweise zurückging. Mit sinkender Pelznachfrage kam es in den 1970er Jahren zur Auflösung des Verbandes deutscher Karakulzüchter, wodurch sich leider auch der Tierbestand so immens reduzierte, dass das Deutsche Karakul fast ausgestorben wäre. Heute gehört es zu den gefährdeten Nutztierrassen und dass es noch bei uns zu finden ist, haben wir einigen privaten Züchtern zu verdanken. Momentan gibt es in Deutschland  knapp 300 Tiere, die laut Herrn Dr. Rainer Süß von der GEH  auf „6 Karakulzuchten mit 250 Herdbuchmutterschafen und 30 Böcken“ verteilt sind.

Aus der deutschen Karakulzucht gelangten Anfang des 20. Jahrhunderts einige Tiere in die ehemalige deutsche Kolonie „Deutsch-Südwestafrika – das jetzige Namibia – wo die Karakulzucht bis heute ein wichtiger Zweig der sonst wenig hervorbringenden Landwirtschaft ist. Die Nutzung dieser Rasse hat sich an die Umweltbedingungen angepasst. So werden in sehr trockenen Jahren vor allem die Lämmer zur Pelzgewinnung geschlachtet, während sie (hauptsächlich die weiblichen Tiere) in regenreichen Jahren zur Lammfleischerzeugung und zur Herdenvergrößerung aufgezogen werden. Nur sehr wenige Schafrassen können in solchen Regionen überhaupt gehalten werden.
Die Pelze aus Namibia heißen Swakara-Persianer und auch die Schafe in Namibia tragen seit dem Jahr 2012 die offizielle Bezeichnung Swakara.
 

Robuste Überlebenskünstler

Karakuls bestechen durch ihre Robustheit, Genügsamkeit und Langlebigkeit sowie ihre hervorragende Anpassungsfähigkeit an karge Gegenden wie trockene Steppen oder Halbwüstengebiete. Sie ernähren sich im Frühjahr und Sommer von Gräsern und Kräutern und im Herbst und Winter von bodenständigen Sträuchern und dem Laub bestimmter Bäume. Das Karakulschaf gehört zu den Fettschwanzschafen. Längere Perioden ohne Futter übersteht das Karakulschaf durch die Fettdepots im „Fettschwanz“. Hier lagert das meiste Körperfett lagert bei den Karakuls, so dass ihr Fleisch ansonsten eher mager und zart ist. Das  macht sie auch für Fleischliebhaber attraktiv.

 


Steckbrief

Karakulschafe sind ramsnasig (leicht gewölbter Nasenrücken) und schlappohrig. Die weiblichen Tiere sind hornlos, aber die meisten Böcke besitzen wunderschön gedrehte Hörner, das sogenannte Schneckengehörn.

Der Körper ist schmal und lang mit einem erhöhten Widerrist und einem abfallenden Rücken. Die Widerristhöhe der Tiere beträgt 65 bis 70 Zentimeter. Sie pflanzen sich unter natürlichen Bedingungen einmal jährlich fort und die Muttertiere gebären normalerweise nur ein Lamm. Mutterschafe werden zwischen 40 und 60 Kilogramm schwer, während die ausgewachsenen Böcke bis zu 80 Kilogramm wiegen können. Davon entfallen bis zu fünf Kilogramm alleine auf den Fettschwanz.

Schafe können bis zu 20 Jahre alt werden, wenn man sie lässt. Da aber die meisten Karakuls vor allem in Namibia und Afghanistan für die Pelzindustrie gezüchtet werden, die es auf die gelockten Felle der Lämmer abgesehen haben, werden diese meist nur wenige Stunden bis Tage alt.


Sandra Lemmerz                                                                                                                   

Fotos: © Bromberg/g-e-h