Das Original Braunvieh

 

Seit 1992 ist das Original Braunvieh als eigenständige Rasse anerkannt und wurde in diesem Jahr durch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen e.V. (GEH) zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2016 ernannt. Auf der roten Liste der GEH ist das Original Braunvieh als stark gefährdet (Kategorie II) eingestuft. Seit den 1980er Jahren existieren Bemühungen einzelner Züchter zur Erhaltung der Rasse, dessen Population durch Einkreuzungen stark dezimiert war. Anfang der 90er Jahre gab es lediglich noch 80 Tiere, und das Braunvieh war stark vom Aussterben bedroht.

 

Herkunft

 

Die Wurzeln des Original Braunviehs liegen in einer Rinderart, die 2000 bis 800 Jahre v. Chr. im östlichen Teil des zentraleuropäischen Gebirges als Torf- oder Pfahlbaurind gehalten wurde. Mit der gezielten Zucht wurde in der Schweiz des 15. Jahrhunderts begonnen. Von dort aus verbreitete sich das Original Braunvieh in die angrenzenden Regionen Österreichs und Deutschlands, wo es vor allem im Allgäu und im südlichen Oberbayern zu finden war.

Ab dem 2. Weltkrieg wurde die Rasse zum sogenannten „Wirtschaftstyp“ weitergezüchtet. Es entstanden kleinere Rinder mit geringerem Futterverbrauch und hoher Milch- und Fleischleistung. Diese Zweinutzungsrinder waren langlebig und genügsam und deshalb sehr begehrt. In den 1960er Jahren wurde in die deutsche Population das amerikanische Braunvieh Brown Swiss eingekreuzt, um den veränderten Leistungsbedingungen gerecht zu werden. In den USA wurde diese Rasse als reines Milchvieh gehalten und durch die Einkreuzung entwickelte sich das deutsche Braunvieh ebenfalls als milchbetonte Rasse. Auch in Österreich und der Schweiz fanden Einkreuzungen mit Brown Swiss statt, wodurch die eigentliche Braunviehrasse verdrängt wurde und der Anteil der mit Brown Swiss gekreuzten Tiere bis heute über 60 Prozent beträgt. Allerdings gibt es in der Schweiz noch eine Population, die davon unberührt ist und als Reinzucht weitergezüchtet wird – das Schweizer Original Braunvieh. Tiere ohne Brown-Swiss Anteil werden heute als Original Braunvieh bezeichnet, um die Reinrassigkeit zu garantieren.  

 

Eigenschaften

 

Das Original Braunvieh ist ein Zweinutzungsrind für Milch und Fleisch mit gleicher Betonung. Es ist langlebig und sehr robust, weshalb es sich für eine sehr extensive Haltung eignet. Es ist genügsam und wird deshalb vor allem auf Biohöfen und extensiv wirtschaftenden Betrieben gehalten. Die Fütterung kann ausschließlich mit Grundfutter erfolgen. Im Sommer erhalten die Tiere Weidegang und Grünfutter im Stall, im Winter wird Heu gefüttert.

Im Stall und auf der Weide zeigt das Original Braunvieh ein ruhiges Verhalten. Die Kühe haben gute Muttereigenschaften, sind anspruchslos, regelmäßig fruchtbar, gut melkbar und haben eine gute Aufzuchtsleistung. Geschätzt wird das Original Braunvieh vor allem wegen seiner guten Milchqualität. Da es mit seiner – im Vergleich zu heutigen Hochleistungskühen –geringen Milchleistung nicht mithalten kann, gerät inzwischen die gute Qualität des Fleisches zunehmend in den Mittelpunkt. Als Zuchtziel wird deshalb auf einen guten Muskelbesatz Wert gelegt.

 

 

 

 

Steckbrief

 

Das Original Braunvieh ist ein muskulöses, tiefrumpfiges Rind mit einem kräftigen Knochenbau, dessen Farbe von dunkelbraun bis graubraun variiert. Die Bullen weisen eine dunklere Färbung auf als die Kühe. Das Original Braunvieh ist eine kleinere bis mittlere Rasse. Kühe erreichen eine Widerristhöhe von 130-140 Zentimetern und ein Gewicht von 550-700 Kilogramm. Bullen werden zwischen 145 und  155 Zentimeter groß und wiegen 900 bis 1200 Kilogramm. Die Rinderrasse ist robust, widerstandsfähig und anpassungsfähig, wodurch sie sich für die Weidehaltung im Flachland und Gebirge eignet. Die jährliche Milchleistung des Original Braunviehs liegt bei 6000 Kilogramm mit einem Fettgehalt von 3,8 Prozent.

2013 verzeichnete die GEH einen Bestand von 23 Bullen und 569 Kühen, womit der Bestand zu den Vorjahren deutlich angestiegen ist. Heutzutage ist die Rasse vor allem im baden-württembergischen Allgäu und im westlichen Oberbayern verbreitet.

 

Svenja Taube

Foto: © GEH