Der Bergische Schlotterkamm

Der Bergische Schlotterkamm (Gallus gallus domesticus) zählt zu den ältesten deutschen Hühnerrassen. Der Name Schlotterkamm entstand durch den ungewöhnlichen Kamm der Henne. Ihr mittelgroßer, tiefroter Kamm steht im vorderen Teil aufrecht und der Rest fällt „schotternd“ mal zur einen mal zur anderen Seite des Kopfes herunter. Beim Hahn liegt der Kamm nicht am Kopf an, sondern steht vollständig aufrecht.

Die alte bergische Rasse entstand im 18. Jahrhundert vermutlich durch die Vermischung von Bergischen Krähern und aus Spanien eingeführten Landhühnern. In den 1920er Jahren fast verschwunden, stehen sie heute auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen in Deutschland ganz oben. Das heißt, sie befinden sich in der Kategorie I (extrem gefährdet) und sind somit stark vom Aussterben bedroht. Der Bestand an Schlotterkämmen belief sich im Jahr 2016 auf 66 Hähne und 232 Hennen, verteilt auf 38 Züchter.

 

Robuste alte Rasse

 

Bergische Schlotterkämme sind robuste, relativ anspruchslose und wetterunempfindliche Hühner. Ihr Körperbau und ihr Federkleid sind bestens an die raue Witterung des bergischen Landes angepasst. Sie sind nicht für die Haltung auf kleinem Raum geeignet, sondern haben gerne einen großen Auslauf  und eignen sich nur für die Freilandhaltung. Schlotterkämme sind sehr verträglich und neigen nicht zum Kämpfen, was ihre Haltung verhältnismäßig einfach macht. Die Tiere eignen sich daher auch hervorragend für private Hühnerhalter. Sie verfügen zudem über gute Instinkte und sie können sich zum Beispiel im Falle eines Raubvogelangriffs leichter in Sicherheit bringen. Diese Instinkte wurden den Legehybriden in den großen Massenbetrieben weggezüchtet, denn sie werden in der Massenhaltung nicht benötigt. Schlotterkämme verfügen über eine gute Legeleistung. Sie legen jährlich 150-180 mittelgroße schneeweiße Eier.

 

Erscheinungsbild

 

Bergische Schlotterkämme sind typische Landhühner. Sie sind schlanker und leichter als die asiatischen und amerikanischen Rassen und von mittelgroßer Statur mit langem Rücken und tiefer Brust. Die Brust ist in etwa so voll und breit wie der Bauch. Ihr Körperbau wird oft als kastenförmig beschrieben. Die hochangesetzten Flügel liegen, genau wie das schöne dichte Federkleid, fest am Körper an. Zum Schutz vor dem Wind haben viele Schlotterkämme kleine haarförmige Federchen im Gesicht. Im Jahr 1896 zählte man vier Farbeinschläge, die bis heute erhalten sind: schwarz, schwarz-gelb gedobbelt (gefleckt), schwarz-weiß gedobbelt und gesperbert. Der schwarz-weiß gedobbelte Farbenschlag  war auch unter dem Namen Holthauser Schimmel bekannt, die schwarz-gelb gedobbelten nannte man Kuchhauser Gelbe. Am bekanntesten waren aber die schwarzen Schlotterkämme, die als typisch bergisch galten. Bergische Schlotterkämme haben rote Gesichter mit weißen Ohrscheiben und die zu ihren schneeweißen Eiern passen.  Die Hähne erreichen ein Gewicht von 2 bis 2,75 Kilogramm und die Hennen ein Gewicht von 1,75 bis 2,25 Kilogramm.

Sandra Lemmerz

 

Foto oben: © Jean Bungartz, Foto unten: © JürnC / wikipedia