Der kritische Agrarbericht 2014

Der Schwerpunkt„Tiere in der Landwirtschaft“ des diesjährigen kritischen Agrarberichts trifft das Arbeitsfeld von PROVIEH. Dringend wird vor den Gefahren des geplanten Transatlantischen Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA gewarnt. Es würde „Zukunftschancen und Demokratie untergraben“, so Martin Häusling aus dem EU-Parlament. Aber, so Francisco Mari vom Evangelischen Entwicklungsdienst, die deutschen Massenexporte von Billigfleisch haben sich verheerend auf die Landwirtschaft diverser afrikanischer Länder ausgewirkt, so dass „jede verhinderte Mastanlage in Deutschland auch ein Beitrag gegen Armut und Hunger“ sei. Das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ kann nur zustimmen, es hat in seiner fünfjährigen Geschichte bemerkenswerte Erfolge erzielt, so Eckehard Niemann, und habe viele Antragsteller von Mastanlagen zur Vernunft gebracht. Doch auf den oberen Etagen werde mit Unvernunft die „unsinnige Überproduktion“ von Fleisch noch immer vorangetrieben. Dafür werden allein im Ausland Futtermittel auf 18 Millionen Hektar Land angebaut, wie Tobias Reichert von Germanwatch berichtet, und die Gülle verdirbt hinterher unsere Böden. Gewerkschaftler Matthias Brümmer prangert das „Sozialdumping in der deutschen Fleischindustrie“ an, von dem ein „moderner Sklavenhandel“ profitiere. Wegen der Überproduktion von Fleisch wirft Greenpeace der Politik Versagen vor und schlägt Steuerabgaben und fiskalisch Anreize für ein Umsteuern vor, sehr beherzigenswert.

Auf Erfolgsspur ist der weltweite Kampf für „Die Rechte der Hirten und Kleinbauern“ und damit für die Erhaltung der tiergenetischen Ressourcen und der natürlichen Biodiversität. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin von PROVIEH nimmt Irene Wiegand das kurze und qualvolle Leben der Milchrind-Kälber aufs Korn – den „Abfall“ der Milchindustrie. Optimal sei die „bäuerliche Freilauf- oder Weidehaltung mit gesunden Zweinutzungsrassen“, aber noch herrsche in der Kälberhaltung „viel Schatten – wenig Licht“. Ja, das könnte auch das Fazit des sehr lesenswerten kritischen Agrarberichts sein.

Sievert Lorenzen