Kritisch: Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist nicht die Lösung

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat einen Gesetzesentwurf zum Schutz der männlichen Legeküken vorgestellt. Ab 2022 soll die heute noch gängige Praxis, die männlichen Küken der Legelinien nach dem Schlupf zu töten, verboten werden. In diesem Gesetz heißt es auch, dass Geschlechtsbestimmungsmethoden nach dem 7. Bruttag ab 2024 nicht mehr angewandt werden dürfen. Agrarheute kommentiert, dass niemand sagen kann, ob 2024 eine andere Methode verfügbar sein wird. Falls nicht, müssten dann alle männlichen Küken aufgezogen werden.

PROVIEH kritisiert: Laut des Berichts Sachstand zum Schmerzempfinden von Hühnerembryonen des Deutschen Bundestages ist es schon seit 2017 bekannt, dass das Schmerzempfinden von Hühnerembryonen nach dem 7. Bruttag nicht ausgeschlossen werden kann. Aus wirtschaftlichen Gründen trotzdem eine Geschlechtsbestimmungsmethode wie das Seleggt Verfahren (ca. 9. Bruttag) anzuwenden, ist aus Tierschutzsicht daher nicht tragbar.

Die Problematik des Kükentötens wurde durch die Aufteilung der Hühnerrassen in spezielle Lege- und Masthybride ausgelöst. Darüber hinaus bringt die zumeist nicht tiergerechte Haltung zucht- und haltungsbedingte Erkrankungen der Hühner mit sich. PROVIEH fordert daher statt der Geschlechtsbestimmung im Ei das Zweinutzungshuhn und als Übergangslösung die Bruderhahnaufzucht. Hühner verdienen eine artgemäße Haltung in kleinen Gruppen mit Sitzstangen, Beschäftigungsmaterial, Sandbädern und Auslauf. Dazu braucht es eine grundlegende Neuausrichtung der Geflügelwirtschaft.

 

Mareike Petersen

28.09.2020