Eier-Initiativen gegen Kükentötung

Bislang ist es in Deutschland üblich, die männlichen Geschwister der Legehennen, die „Eintagsküken“, durch Schreddern oder durch Kohlendioxid zu töten. Sie gelten als „unwirtschaftlich“, weil sie keine Eier legen und für die Mast zu wenig und zu langsam Muskelfleisch ansetzen. Jährlich werden also bis zu 45 Millionen männliche Küken getötet.

PROVIEH bekommt immer wieder Anfragen von interessierten Verbrauchern, die nach Alternativen zu dieser Praxis suchen. Heute stellen wir Ihnen vier Alternativen aus der Biohaltung vor, bei denen auf die Kükentötung soweit wie möglich verzichtet wird.

 

1. haehnlein Eier:
Besuch bei den Legehennen und ihren Brüdern

 

PROVIEH war zu Besuch auf dem Fürstenhof in Mecklenburg-Vorpommern. Der aus 14 Betrieben bestehende Erzeugerzusammenschluss wirtschaftet nach Biopark-Richtlinien.

 

Das Konzept

In den Brütereien der Legehennenzüchter schlüpfen zur Hälfte männliche und weibliche Tiere. Neben den Legehennen werden auf dem Fürstenhof auch rund 20 Prozent der Bruder-Hähne aufgezogen. Brüder und Schwestern wachsen ungefähr 15 Wochen zusammen auf, dann werden sie getrennt. Ein Teil der Hähne zieht als Leithähne in die Legeställe mit um. Die restlichen Hähne werden als sogenannte „haehnlein“ drei weitere Wochen auf ein Gewicht von 2,5 Kilogramm gemästet, bevor sie mit 18 Wochen (statt nur  5 Wochen wie im konventionellen Fall)  in einer Schlachterei in der Region geschlachtet  und vermarktet werden, entweder als Biohähnchenkeulen oder ganze Suppenhühner.

Höhere Kosten durch längere Mastzeit

Die verlängerte Mast der Legehennen-Brüder verursacht zusätzliche Kosten, die auf den Verkaufspreis der Eier umgelegt werden. Somit finanzieren die Legehennen die Aufzucht ihrer Brüder mit.  Im Sechserpack kosten diese Eier zwischen 2,79 Euro und 2,99 Euro statt nur ca. 1,29 Euro wie konventionell erzeugte Eier im Zehnerpack.

Mehr Platz für die Tiere

Für den erhöhten Preis der „haehnlein-Eier“ gibt es noch einen zweiten Grund. „Unsere Legehennen der Rasse Lohmann Brown haben mehr Platz als in den Biorichtlinien vorgeschrieben. Wir halten vier bis fünf Hennen pro Quadratmeter und nicht, wie von den Richtlinien erlaubt, bis zu sechs Tiere“, sagt Annalina Behrens, Produktmanagerin beim Fürstenhof. „Den Hähnen müssen wir sogar noch mehr Platz gewähren, es sollten nicht mehr als vier Tiere auf einem Quadratmeter stehen.“ Frau Behrens nimmt sich viel Zeit für die Führung über den Fürstenhof. Die Ställe bestehen aus zwei Stalleinheiten und einem Wintergarten mit anschließender Wiese, die je nach Alter der Hühner mehr und mehr erweitert werden kann. Am Anfang wachsen die Küken in einem beheizten Stall auf. Nach ein paar Wochen kommt der unbeheizte Stallteil hinzu. Den Wintergarten und den großzügigen, artgemäß angelegten Auslauf können die Tiere ab der zehnten Woche nutzen, wenn der Kükenflaum durch Gefieder ersetzt wurde.

Eigenes Futter

Das verwendete Futter wird auf den dazugehörenden 3000 Hektar des Fürstenhofs erwirtschaftet, nur ein geringer Teil muss dazugekauft werden. Die siebenjährige Fruchtfolge erhält die Bodengesundheit. Angebaut werden Getreide, Leguminosen, Soja und andere Öl- und Eiweißpflanzen. Der Anteil an Soja im Futter wurde durch die Verwendung anderer Eiweißpflanzen halbiert. „Für jeden Betrieb mischen wir das Futter in unserer eigenen Futtermühle an“, so Frau Behrens, “ dadurch können wir auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Partner eingehen.“

Mehr Infos über den Fürstenhof erhalten Sie unter www.ez-fuerstenhof.de, Tel: 039971-317220.

Der Fürstenhof arbeitet daran, in Zukunft noch mehr Hähne aufziehen zu können. Drei weiteren Initiativen, die wir Ihnen hier vorstellen möchten, ist es bereits jetzt möglich, gänzlich auf die Kükentötung zu verzichten.

 

2. Aktion ei care

Die Aktion ei care verwendet Zweinutzungsrassen, die sich gleichermaßen für die Vermarktung von Eiern wie auch von Fleisch eignen. Das ist eine Seltenheit, da auch Biobetriebe bei der Zucht und Vermehrung stark abhängig von konventionellen Marktstrukturen sind und deshalb ebenfalls häufig sehr spezialisierte Legehennen- und Masthuhnrassen einsetzen. Ei care aber ist unabhängig von der marktbeherrschenden Geflügelwirtschaft. Beide Geschlechter werden in kleinen Herden auf Naturland-Höfen aufgezogen. Während die Hennen Eier legen, werden die Hähne gemästet. Das Fleisch und die Eier werden in Bioläden im Berliner und Brandenburger Umland mit angrenzenden Regionen vermarktet. 

Mehr Infos erhalten Sie unter www.aktion-ei-care.de, Tel: 030-34806660.

 

3. Das Herrmannsdorfer Landhuhn

In den Herrmannsdorfer Landwerkstätten werden ebenfalls Hahn und Henne einer Zweinutzungsrasse genutzt. Hier findet die Hühnerhaltung nach dem Prinzip „Alles-unter-einem-Dach“ statt: Die Elterntiere werden selbst gehalten und nicht von spezialisierten Betrieben bezogen. Die Eier werden abgesammelt, die Küken ausgebrütet und die Junghennen aufgezogen. Die Hähne werden gemästet und geschlachtet – alles auf einem Hof. Die Hühner leben in kleinen Verbänden. Die Herrmannsdorfer Waren werden im Raum München und bundesweit unter dem Biokreis-Siegel verkauft.

Mehr Infos erhalten Sie unter http://www.herrmannsdorfer.de/die-landwerkstaetten/das-herrmannsdorfer-landhuhn/, Tel: 08093-90940.

 

4. Bruderhahn-Initiative Deutschland

Bei dieser Initiative werden auch alle  „Brüder“ der Legehennen aufgezogen. Der finanzielle Mehraufwand wird hierbei auf die Eier umgelegt. Der Zuschlag von vier Cent pro Ei sorgt also dafür, dass auch die Brudertiere aufgezogen und vermarktet werden können. Die Hähne wachsen auf Demeter- und Bioland-Höfen auf und werden bis zur fünften Woche mit den Hennen zusammen aufgezogen. Im Anschluss werden sie zwischen 18 und 22 Wochen gemästet. Eier und Fleisch sind vorwiegend im Naturkosthandel bundesweit erhältlich.

Mehr Infos erhalten Sie unter www.bruderhahn.de, Tel: 04105-58040192.

 

Sie haben die Macht

Seit 2004 müssen Eier einen Code tragen, der Auskunft gibt über die Art ihrer Erzeugung, also über die Haltung der Legehennen (0 = ökologische Haltung, 1 = Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung, 3= Käfighaltung), über ihre Herkunft (aus welchem Land) und über den Betrieb und dessen Stallnummer. Seit damals hat der Verbraucher also die Möglichkeit, mit seinem Kauf Einfluss auf die Haltungsbedingungen der Legehennen zu nehmen. Tatsächlich änderte sich in den letzten Jahren das Angebot von Eiern zugunsten solcher aus ökologischen Haltungsformen, während die Käfighaltung als schlechteste  Haltungsform stark zurückgegangen ist (siehe beigefügte Tabelle). Die beobachteten Trends sind ganz im Sinne von PROVIEH.

Das Konzept der Initiativen vereint Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Auch wenn die Eier und das Fleisch teurer als üblich sind, zahlt der Verbraucher gerne für die artgemäße Haltung von Bruderhahn und Schwesterhenne. PROVIEH hofft auf viele Nachahmer, so dass das Töten der männlichen Küken in baldiger Zukunft der Vergangenheit angehört.

Kennen Sie weitere größere Initiativen, die eine artgerechte Hühnerhaltung gewährleisten und die Kükentötung verhindern? Über die Einsendung Ihrer Hinweise wären wir dankbar.

Eine andere Alternative gegen Kükentötung sind die heutzutage gut geeigneten Ei-Ersatzprodukte, die Sie in Bioläden oder im Internet kaufen können.

Setzen Sie ein Zeichen und helfen Sie, die Kükentötung zu verhindern! Diese grausame Praxis kann gestoppt werden. Wir sind auf dem Weg dorthin.

Weitere Informationen zum Thema Kükentötung finden Sie unter provieh.de/beitraege_ueber_gefluegel.

 

Verena Stampe und Stefanie Pöpken

Foto: PROVIEH