„Eigentlich wollte ich Hühner halten“ - Besuch bei einer Hobby-Imkerin

Seit zwei Wochen bin ich bei PROVIEH aktiv und schon hatte ich das Glück, an einem spannenden Ausflug teilzunehmen: zu einer Imkerin, die ihre Bienen artgerecht hält.

Dörte Peters, PROVIEH-Mitglied und ehemaliges Mitglied der Kieler Regionalgruppe, empfängt uns in ihrem idyllischen Garten in einem Vorort von Kiel und fängt an zu erzählen, wie alles begann: „Eigentlich wollte ich Hühner halten, aber dann wurden es doch Bienen“. Um Hühner zu halten hätte sie viel von ihrem himmlischen Garten umgestalten müssen, so dass am Ende die Entscheidung auf die fleißigen Insekten fiel – eine Entscheidung, die sie noch keinen Tag bereut hat. Mit Begeisterung erklärt sie uns viel Spannendes über ihre neuen Gartenbewohnerinnen und ich staune, wie wenig ich eigentlich über Bienen weiß.

Wir lernen unter anderem: Das Leben in einem Bienenschwarm ist gut strukturiert. Jede Biene erhält eine Aufgabe im Laufe ihres kurzen Lebens und für jede Tätigkeit gibt es den passenden Raum. Zu den Aufgaben gehören unter anderem  den Wohnort (Bienenstock) zu schützen und sauber zu halten, sich um die anderen frisch geschlüpften Bienen zu kümmern oder Honig und Wachs zu produzieren. Die Königin hat als einzige die Sonderaufgabe, im Brutraum „Eier“ zu legen und ist somit allein für die „Produktion“ von Nachwuchs verantwortlich. Deshalb ist ihre Rolle so wichtig und alles dreht sich um sie. Über dem Brutraum befinden sich die Honigräume. In diesen lagern die Bienen Honig als Nahrungsvorrat und zum Füttern ihrer Nachkommen. Etwa 20 Prozent des Honigs werden auch für den Winter eingelagert. Im Sommer ernähren sie sich überwiegend von den Pollen, die sie von Blumen und Bäumen nehmen. In der Bienen-„Nutz“tierhaltung wird der Honigraum absichtlich groß gestaltet, damit die Bienen besonders viele Vorräte anlegen, die ihnen dann genommen werden. Anstelle ihres Honigs bekommen die Bienen im Winter Zuckerwasser – in der Demeter-Haltung angereichert mit einem Teil ihres Honigs – als Ersatz.

Einen weiteren spannenden Aspekt nehme ich auch noch mit: Man sollte die Bienen nicht als viele Individuen wahrnehmen, sondern vielmehr als einen einzigen Organismus betrachten. Unter Imkern spricht man daher auch von „der Bien“ und meint damit Schwarm und Bienenstock als Einheit. So verbreiten die Bienen beispielsweise durch das Wachs, das sie ausschwitzen, wichtige Informationen an die nächsten Generationen. Auch wird die Temperatur im Stock durch gemeinsame Flügelbewegungen konstant reguliert. Die männlichen Drohnen werden nicht mehr in den Stock gelassen, sobald sie ihren Zweck zur Fortpflanzung erfüllt haben.

Unsere Gastgeberin erzählt uns mit Begeisterung noch viel mehr über das Leben der Bienen und ermutigt uns, selbst Bienen zu halten. Dennoch geht das nicht ohne Vorwissen. Sie selbst hat eine Ausbildung als Imkerin gemacht und ist aktiv im Verein „De Immen - Verein für wesensgemäße Bienenhaltung“, der ihr mit Rat und Tat zu Seite steht.

Seit knapp zwei Jahren hält sie zwei Völker im Garten. Mittlerweile sind sie ein Teil ihres Lebens geworden. Am Ende unseres Besuchs gibt unsere Gastgeberin zu: Wenn sie nach Hause kommt, horcht sie als allererstes am Bienenstock. Allein am Klang des Summens, erfährt sie, wie es den Bienen geht. Der sommerliche Duft, der nach Honig schmeckt, ist für sie ein schönes Gefühl von Zuhause geworden.


Ein Leben als Königin

Die Königin entsteht, indem sie ein spezielles Futter bekommt: das Gelée royale. Sie verlässt nur einmal in ihrem Leben den Stock, und zwar für die Begattung. Sie lebt bis zu fünf Jahre.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ein Stock zu einer neuen Königin kommen kann:
1. Wenn eine Königin zu alt wird, wird sie von einer jungen, „effizienteren“ Königin ersetzt. Die Bienen „machen“ sich dann eine neue Königin und die alte stirbt.
2.Wenn die alte Königin im Juni mit einem Teil des Volkes ausfliegt und sich einen neuen Stock sucht (schwärmen), bezeichnet man das als Vermehrung des Biens. Das tut die Königin nur, wenn bereits eine neue Königin im Wachstum ist.


Wusstest du schon, dass…

  • ein Volk rund 50.000 Bienen umfasst?
  • Bienen im Sommer nur sechs Wochen alt werden, während die Bienen im Winter aufgrund von geringerer Aktivität von Oktober bis März leben?
  • Monokulturen das Leben der Bienen bedrohen? Deswegen ist es einfacher, Bienen in der Stadt zu halten als auf dem Land.
  • Propolis ein antibakterielles Mittel ist, das die Bienen verwenden, um ihren Stock zu versiegeln, damit keine Keime und Bakterien hineinkommen?
  • Bäume vielmehr als Blumen die Hauptnahrung der Bienen darstellen?
  • artgerecht bedeutet, dass die Bienen selbst die Möglichkeit haben, ihren Wohnraum zu gestalten?
  • die Sommerwende der Höhepunkt des Bienenjahres ist? Danach bereiten sich die Bienen auf den Winter vor.
  • von einem Volk rund zehn Kilogramm Honig geholt werden können (Demeter-Wirtschaftsweise)?

Marta Chiarinotti