Ein einfacher Schritt im Kampf gegen den Klimawandel – ein fleischfreier Tag!

Mit Blick auf die Klimakonferenz in Kopenhagen forderten Sir Paul McCartney und Dr. Rajendra Kumar Pauchari mehr individuellen Einsatz im Kampf gegen den Klimawandel.

Im Rahmen einer Anhörung des Europaparlaments am 3. Dezember sprachen sowohl Ex-Beatle Sir Paul McCartney als auch Klimaexperte Dr. Rajendra Kumar Pauchari vor den Abgeordneten über den Einfluss von Fleischproduktion und -konsum auf das weltweite Klima.

Schon zu Beginn der Aussprache wies der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, auf die Bedeutung des Themas so kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen hin. Dabei gelte es zu erkennen, dass schon einfache Dinge einen großen Einfluss haben können. So könne etwa eine kleine Veränderung der alltäglichen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten einen großen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

Auch der deutsche Abgeordnete der sozialdemokratischen Fraktion und Vorsitzende des Umweltausschusses, Jo Leinen, machte deutlich, dass eine fleischarme Ernährung eine bedeutende Rolle bei der Reduzierung der Treibhausgasemmissionen spielen könne.

Ähnlich argumentierte auch Alan Dangour von der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Er wies allerdings auch auf den persönlichen gesundheitlichen Nutzen hin. Im Laufe einer Untersuchung im Vereinigten Königreich habe man zum Beispiel erkannt, dass ein verminderter Fleischkonsum einen großen Beitrag zur Volksgesundheit leisten könne: Die Zahl der früh an Herzkrankheiten Sterbenden ließe sich bei einer Reduzierung des Fleischkonsums um 30 % möglicherweise um 17 % senken. In England sind dies rund 18.000 Todesfälle (3 % aller Todesfälle pro Jahr), die damit vermeidbar wären. So könne man 20 Millionen Pfund an Gesundheitskosten (ca. 22 Millionen Euro) jährlich einsparen.

Aber auch Umwelt und Klima würden profitieren. Darauf wies auch Dr. Rajendra Kumar Pauchari, Vorsitzender der UN Klimaorganisation (Intergovernmental Panel on Climate Change), hin. Mit der Fleischproduktion gehe ein immenser Wasserverbrauch einher. Für die Herstellung eines Kilos Fleisch bräuchte man laut Pauchari unglaubliche 15.500 Liter Wasser. Paul McCartney erklärte, dass für die Herstellung jedes Burgers sogar die Menge Wasser einer vierstündige Dusche verbraucht wird!

Darüber hinaus hob Pauchari hervor, dass man mit der industriellen Fleischproduktion indirekt den Hunger auf der Welt fördere. Denn, um die großen Futtermengen für die absolut ineffiziente Herstellung von Fleisch (10 kg Futtermittel pro 1 kg Rindfleisch) zu erzeugen, werden zwei Drittel der Getreideproduktion und 90 % der Sojavorkommen verbraucht, die man stattdessen zur Lebensmittelversorgung nutzen könnte. Zudem sei der Verzicht auf Fleisch eine einfache effiziente Maßnahme, die kurzfristig Wirkung zeige und jedem einzelnen eine Möglichkeit biete, den Klimawandel aktiv zu bekämpfen.

Der abschließend sprechende Sir Paul McCartney machte noch einmal auf den riesigen Einfluss der Landwirtschaft auf das Klima aufmerksam. In dem UN-Bericht "Livestock’s long Shadow" wurde bereits im Jahr 2006 darauf hingewiesen, dass etwa 18 % der globalen Treibhausgasemmissionen aus der Landwirtschaft stammen, so McCartney. Auch er habe diesen Bericht gelesen und engagiere sich deshalb für eine fleischarme Ernährung. Aus diesem Grund rief McCartney in Großbritannien die Aktion "Meat free Monday" zusammen mit anderen berühmten Persönlichkeiten ins Leben. Er tritt außerdem bei zahlreichen Veranstaltungen weltweit für die Reduktion des Fleischkonsums auf. Man habe schließlich auch mit dem Rauchen aufgehört, als es allgemein anerkannt wurde, dass es schädlich sei. Gleiches müsse man für den Fleischkonsum erreichen, so der frühere Beatle. "Nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch im Interesse unserer Kinder und des Planteten" ermutigte er deshalb zu einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten.

Auch auf die Rolle der nachhaltigen Landwirtschaftsformen wurde hingewiesen. Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Ernährung, Olivier de Schutter, erklärte, dass weitere Investitionen in die Landwirtschaft nötig seien um gegen den Klimawandel zu wirken. Dabei dürfe man allerdings nicht den ökologischen Aspekt vergessen und solle besonders nachhaltige und klimaverträgliche Produktionsformen unterstützen.

Die Abgeordneten des Europaparlaments hatten bereits in einer Entschließung vom 25. November die Umsetzung der Empfehlungen des Weltagrarberichts sowie die Förderung klimafreundlicher Landwirtschaftsformen gefordert.

Wer dem Aufruf von Sir Paul McCartney und Dr. Rajendra Kumar Pauchari folgen möchte, findet Rezepte und Anregungen für einen fleischfreien Tag im "Wegweiser zur klimagerechten Küche" bei Utopia.

07.12.2009 - Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel