Eine Frage der Haltung - Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch


Vor fünfzehn Jahren ging die Ära der Legebatterien zu Ende. Damals schaffte Deutschland den Ausstieg aus der konventionellen Käfighaltung – zwei Jahre früher als die EU-Gesetzgebung forderte.

Mit der Haltungskennzeichnung, die Aufschluss über die Haltungsbedingungen der Legehühner gab, verschwand „das Ei mit der Drei“ aus den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels.

Gerd Lindemann, damaliger Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, sprach von einem großen Fortschritt für den Tierschutz. Fünfzehn Jahre nach diesem großartigen Erfolg kämpfen wir nun um Haltungskennzeichnungen für Nutztiere, die der Fleischgewinnung dienen.

Wie hat das Tier gelebt?

Seit April 2015 muss auf unverarbeitetem und vorverpacktem Fleisch die Herkunft angegeben sein. Das heißt, auf allen Fleischverpackungen stehen unter anderem die Länder, in denen das Tier gemästet und geschlachtet wurde. Es wäre nur ein kleiner Schritt, auch die Haltungskennzeichnung für Frischfleisch von Tieren aus Deutschland mitanzugeben.

Deshalb hat Baden-Württemberg auf der Agrarministerkonferenz im September 2014 in Potsdam einen einfachen und unbürokratischen Vorschlag zur Tierhaltungskennzeichnung bei Frischfleisch in die Diskussion eingebracht, der sich an der gut verständlichen Haltungskennzeichnung von Legehennen auf Konsumeiern orientiert und beim Verbraucher längst etabliert ist.

Eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz Baden-Württembergs prüft derzeit konkrete Umsetzungsmöglichkeiten einer solchen Tierhaltungskennzeichnung.

Christian Meyer, Landwirtschaftsminister von Niedersachsen, schlägt eine „0“ für Ökologische Landwirtschaft vor, eine „1“ für Zugang zum Freien, eine „2“ für 30 Prozent mehr Platz und eine Strukturierung der Haltungseinrichtung sowie eine „3“ für die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards. Verbraucher würden sich so bewusster für Fleisch aus artgerechter Haltung entscheiden, erhofft sich der Minister.

Für uns Verbraucher entstünde durch die Angaben zur Herkunft und die Aussicht auf eine gesetzliche Tierhaltungskennzeichnung endlich ein transparenterer Fleischmarkt. Wir würden zukünftig in den Fleischtheken aller Supermärkte erkennen können, woher unser Fleisch stammt und wie artgerecht das Leben des Tieres war, dessen Fleisch wir kaufen.

Allerdings müssten wir auch Farbe bekennen. Denn dann zählt mehr als der gute Wille zu mehr Tierwohl. Verantwortungsbewusstsein und Konsequenz sind ausschlaggebend, wenn die Tierhaltungskennzeichnung ihren Zweck erfüllen soll.

Der „große Erfolg im Tierschutz“, wie Herr Lindemann die Eierkennzeichnung nannte, könnte sich wiederholen. Deutsches Fleisch aus artgerechter Haltung könnte sich zudem klar von Import-Fleisch abgrenzen, denn es stünde für mehr Tierschutz, Lebensmittelsicherheit, Innovation und kürzere Wege zum Verbraucher.

Angela Dinter

© Fotos: PROVIEH