Enttäuschendes aus Kopenhagen – Die Landwirtschaft blieb wieder ausgeklammert

Am 7. Dezember 2009 begann die größte und bisher wahrscheinlich wichtigste UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Bis zum 18. Dezember rangen Diplomaten aus 192 Staaten um ein verbindliches Klimaabkommen. 110 Staatschefs wurden für die finalen Tage der Konferenz erwartet. Selbst Barack Obama hatte sein Kommen angekündigt und der Verhandlung damit politisches Gewicht verliehen. Begleitet wurde die Konferenz von einem nie da gewesenen Engagement der Zivilgesellschaft und immensem Interesse der Bevölkerung auf der ganzen Welt. Insgesamt schienen damit die Rahmenbedingungen für ein historisches Klimaabkommen in Kopenhagen gegeben.

Am Ende der Verhandlungen stand allerdings kein umfassendes, völkerrechtlich verbindliches Abkommen, sondern lediglich das „Copenhagen Accord“. Dabei handelt es sich um eine Vereinbarung, die von 25 Staats- und Regierungschefs ausgehandelt wurde. Dieser Mi-nimalkonsens wurde vom Plenum der teilnehmenden Staaten allerdings nur „zur Kenntnis“ genommen.

Inhaltlich bleibt das Dokument enttäuschend. Nur das Zwei-Grad-Ziel schaffte es als einzig nennenswerte Abmachung in den Abschlusstext. Wie genau dieses Ziel erreicht werden soll wird nicht erklärt. Zumindest als Ausgangspunkt eines neuen, verbindlichen Klimaabkommen solle das Papier aber zukünftig dienen.

Ähnlich enttäuschend, wie das Ergebnis der Klimakonferenz erscheint die Tatsache, dass der schädliche Einfluss der industriellen Landwirtschaft und Massentierhaltung auf das Klima wieder einmal kein relevanter Punkt der Diskussion um das Klima war. Dabei ist die immense Wirkung der Landwirtschaft auf die Veränderung des Klimas spätestens seit der Veröffentlichung des Berichtes der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) mit dem Titel „Livestock’s long Shadow“ im Jahr 2006 bekannt. Dieser Bericht machte deutlich, dass 18% der globalen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft stammen. In einer am 20. Oktober 2009 veröffentlichten Analyse des World Watch Institute wird der Anteil der Landwirtschaft an den Emissionen sogar auf 51% geschätzt.

Diese Studien machen deutlich, dass der Verzicht auf tierische Erzeugnisse eine einfache, aber effiziente Maßnahme ist, die jedem die Möglichkeit gibt, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Um auf diese Fakten zu reagieren und einen Beitrag im Kampf gegen die Erderwärmung zu leisten, haben bereits einige Städte wie Gent, Antwerpen und Sao Paulo einen fleischfreien Tag in ihren öffentlichen Kantinen und Schulen eingeführt. Auch die Zahl der Vegetarier in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. Selbst Ex-Beatle Sir Paul McCartney setzt sich für eine fleischarme Ernährung zu Gunsten des Klimas ein.

Trotzdem gibt es auch abseits von Kopenhagen weiterhin die ewig Unbelehrbaren. So behauptet etwa der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV), dass der Verzicht auf landwirtschaftliche Erzeugnisse zum Schutz des Klimas sinnlos sei. Laut RLV binden die landwirtschaftlich genutzten Flächen mehr CO2, als durch die Produktion verursacht wird. Die von der Landwirtschaft verursachten Treibhausgasemissionen beziffert der RLV nur auf 5,5%! Selbst die Rinderhaltung zur Milchproduktion leiste durch die Beweidung von Grünland und die so geleistete Landschaftspflege einen Beitrag zum Naturschutz, so der RLV.

Dabei fristen etwa ein Drittel der deutschen Kühe ein Leben in ganzjähriger Anbindehaltung und haben nicht das Glück, jemals auf einer Weide zu stehen. Darüber hinaus wurde schon in der bereits genannten Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation klar, dass mit der Viehhaltung einige der schlimmsten Umweltprobleme unserer Zeit einhergehen: Verlust von Waldflächen und der biologischen Vielfalt, Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung, Klimawandel, Überfischung, Sedimentierung der Küstengebiete und Einführung von Neozoen. Außerdem ignoriert die moderne industrielle Massentierhaltung nicht nur die Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch das Wohl der Tiere sowie Qualität, Geschmack und die gesundheitliche Unbedenklichkeit der produzierten Lebensmittel.

Gerade mit Blick auf das enttäuschende Ergebnis von Kopenhagen und die geringe Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gilt es weiterhin, über die Folgen der industriellen Massentierhaltung für Mensch, Tier und Umwelt aufzuklären. Nur mit einer Veränderung der landwirtschaftlichen Nutzung und Tierhaltung hin zu nachhaltigen und ökologischen Modellen kann die Landwirtschaft zur Lösung des Klimaproblems beitragen. Deshalb wird sich PROVIEH auch künftig für artgemäße, ökologische und nachhaltige Tierhaltung und Landwirtschaft einsetzen und über die Folgen des wachsenden Fleischkonsums aufklären.

Umfassende Informationen zum Verhältnis von Massentierhaltung, Landwirtschaft und Klimawandel finden Sie hier.

07.01.2010 - Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel