Erfolgreiche Verbrauchertäuschung durch das Kuh Mobil

14.07.2015: Seit einiger Zeit gibt es jetzt schon das vom „Forum moderne Landwirtschaft“ entwickelte Kuh Mobil: Damit sollen sich Groß und Klein einen Überblick über das Leben einer Milchkuh verschaffen können. Ein echtes Fang-/Fressgitter vermittelt rustikales Flair, die Kuhbürste dreht sich lustig und der saubere gummierte Laufgang vermittelt weiches und sicheres Laufen. Wenn man das Kuh Mobil sieht, entsteht der Eindruck, als hätte es eine Milchkuh total gut. Sie bekommt genug zu fressen, kann sich frei im Laufstall bewegen und wenn ihr nach einer Runde Fellschubbern ist, dann steht die Kuhbürste bereit. Und der Melkroboter kann bei Bedarf aufgesucht werden, wenn das Euter drückt.

Die hässlichen Seiten werden jedoch verschwiegen:

  • Eine Kuh wird künstlich besamt und bringt somit jedes Jahr ein Kalb zur Welt. Ohne Kalb gibt es keine Milch.
  • Das Kalb wird direkt oder kurze Zeit nach der Geburt von der Mutter getrennt. Es wächst als Vollwaise auf.
  • Schwarzbunte Bullenkälber sind regelrechte Ladenhüter. Der Verkaufspreis beträgt in einigen Regionen nur rund 30 Euro. Wehe das Kalb wird in den ersten Wochen krank, denn der Tierarzt kostet im schlimmsten Falle das Acht-fache. Ein reines Minusgeschäft für den Landwirt.
  • Nicht jede Kuh kommt in den Genuss eines Laufstalls. 20 Prozent der Kühe in Deutschland leben bis heute in Anbindehaltung.
  • Weniger als die Hälfte aller Milchkühe kommt in Deutschland noch auf die Weide, Tendenz fallend. Kühe sind Weidetiere. Diese Tatsache wird bei der modernen als artgerecht beschriebenen Laufstallhaltung  gerne übersehen.
  • Selbst in hochmodernen Ställen werden die Kühe nicht älter als fünf Jahre.
  • 30 Prozent der Milchkühe einer Herde landen jedes Jahr beim Schlachter, weil sie nicht mehr tragend werden oder aufgrund einer schweren Euterentzündung nicht mehr rentabel sind.
  • Und das Schlimmste zum Schluss: der Landwirt bekommt für einen Liter Milch zum Teil gerade einmal 27 Cent. Dieses ganze kurze Leben zu einem regelrechten Mindestlohn.

Würde der Verbraucher mit diesen Tatsachen konfrontiert, wäre er womöglich verstört und nachdenklich. Vielleicht würde er sogar eine alternative tiergerechtere Haltungsform für Milchkühe einfordern. Zudem wäre das Image des „weißen Goldes“, das über Jahrzehnte so sorgfältig aufgebaut wurde, deutlich angekratzt. Dann doch besser eine neue Realität schaffen, die dem Verbraucher ganz viele Wahrheiten verschweigt und ihm sein gutes Gewissen lässt. Dem Kuh Mobil sei Dank.

Wir empfehlen jedem Verbraucher daher selbst einmal zu einem Landwirt in seiner Nähe zu fahren und sich ein eigenes Bild von der Milchviehhaltung zu machen.
 

Stefanie Pöpken

 

Weiterführender Link zum Kuh Mobil: http://www.moderne-landwirtschaft.de/kuh-mobil.html