EU lässt Impfstoff für Immunokastration zu

Die Kastration per Impfstoff bekommt - nach der Zulassung in der Schweiz im Jahr 2007 - nun auch in der EU grünes Licht.

Derzeit werden in Deutschland jährlich ca. 25 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert, um den eventuell (bei ca. 5 % der Tiere) auftretenden „Ebergeruch“ von vornherein zu vermeiden. In der EU insgesamt sind es über 100 Millionen Ferkel pro Jahr.

Durch den Einsatz des nun zugelassenen Impfstoffs „Improvac“ des Pharmariesen Pfizer würde zwar die gängige operative Ferkelkastration zur Vermeidung des Ebergeruchs überflüssig. Allerdings wird der Eingriff in den Hormonhaushalt der Tiere von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie seitens der Erzeuger und der Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels eher kritisch gesehen. Die den schweizer Markt dominierenden Supermarktketten Migros und COOP lehnen es zum Beispiel weiterhin vehement ab, Fleisch von immunokastrierten Schweinen in ihr Sortiment aufzunehmen.

Zudem wirft diese Methode noch eine Reihe von Fragen auf, die der Klärung bedürfen. Wie kann der Schweinemäster die zweite Impfung, die erst wenige Wochen vor der Schlachtung am schon groß gewachsenen Tier vorgenommen wird, sicher und wirksam applizieren, ohne die Gefahr einer Selbstimpfung? Und wie sollen die Tiere, bei denen die Impfung nicht gewirkt hat, erkannt und im Schlachthof zur gesonderten Verarbeitung herausgefiltert werden?

Sobald es aber ein automatisches Verfahren zur Erkennung von Geruchsabweichlern (Schweine mit Ebergeruch) am Schlachtband gibt – was nach derzeitigem Forschungsstand für Ende 2010 erwartet wird – kann die Ferkelkastration ganz und gar abgeschafft werden. Hierfür setzt sich PROVIEH seit Juli 2008 in einer erfolgreichen Kampagne ein, die Fortschritte sind unübersehbar. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie in unserem Merkblatt.

Die Pressemitteilung über die Zulassung können Sie hier abrufen.