PROVIEH ruft zu einer Beendigung aller EU-Lebendtierexporte in den Nahen Osten auf

30.04.2014: PROVIEH ruft zu einer Beendigung aller EU-Lebendtierexporte in den Nahen Osten auf. Die Tiere werden dort vor und während der Schlachtung sehr häufig auf das Grausamste misshandelt, wie umfangreiches Bildmaterial belegt.

Dass in der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika jedes Jahr Millionen Wiederkäuer unter Qualen betäubungslos nach religiösem Ritual geschächtet werden, kann PROVIEH nicht verhindern. Auch in der Europäischen Union bleibt dies bisher in den meisten Mitgliedsstaaten (darunter in Deutschland) erlaubt; denn die Religionsfreiheit wird zumeist als höheres Rechtsgut als der Tierschutz eingestuft.

Aber Deutschland und die Europäische Union (EU) können und müssen sicherstellen, dass Länder, in die lebende Tiere aus der EU geliefert werden, zumindest die internationalen Mindeststandards der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) einhalten. Dies ist in diesen Regionen derzeit nicht gegeben, da nur Israel und die Türkei überhaupt der OIE angehören und nicht einmal dort die Grundregeln eingehalten werden, wie umfangreiches Videomaterial aus der Türkei, Israel, Gaza, dem Westjordanland, Jordanien und dem Libanon sowie einigen nordafrikanischen Ländern wie Algerien belegt.

Das Bildmaterial stammt unter anderem von einer australischen Tierschutzorganisation und seine Veröffentlichung führte zu einem sofortigen Stopp der Lebendtierexporte aus Australien nach Gaza. Außerdem fordert Australien von Exporteuren nun den Nachweis, dass im Zielland die OIE-Kriterien eingehalten werden.

Gemeinsam mit unserer britischen Partnerorganisation Compassion in World Farming (CIWF) und anderen europäischen Tierschutzorganisationen setzt sich PROVIEH für ein Ende der Tiertransporte in jene Länder ein, zumindest bis sichergestellt werden kann, dass die grobe Missachtung elementarster Grundregeln im Umgang mit den Tieren eingestellt und die dortigen Haltungs- und Schlachtbedingungen den OIE-Mindestanforderungen entsprechen. Besser wäre aber den Export von lebenden Tieren aus der EU gänzlich durch Fleischexporte zu ersetzen.

Zu diesem Zweck stehen wir seit Jahresbeginn in regem Briefverkehr mit der EU-Kommission, die sich bisher nicht einmischen will, da die Exporte „Privatsache“ der Exporteure seien. Wir forderten die EU-Kommission wiederholt dazu auf, ihrer in Artikel 13 der Verträge von Lissabon festgelegten Verantwortung für die Tiere gerecht zu werden.

Sie könnte beispielsweise die Mitgliedsstaaten und die Viehhandelsorganisationen sowie Fleischproduzenten zu einer Konferenz einberufen, um Auswege zu diskutieren, damit künftig statt lebender Tiere Fleisch in diese Länder exportiert wird, und die Transportzeit für lebende Tiere grundsätzlich auf acht Stunden begrenzen. Dies haben schon einzelne Mitgliedsstaaten getan, wie zum Beispiel Dänemark denn die EU-Kommission tut sich mit der Begrenzung der Langstreckentransporte auf acht Stunden seit Jahren schwer (wir berichteten). Auf eine EU-weite Begrenzung der Tiertransportzeit können wir erst nach den Europaparlamentswahlen am 25. Mai 2014 beziehungsweise nach der Wahl der neuen EU-Kommission durch die neuen Europaparlamentarier im Herbst 2014 wieder drängen.

Inzwischen könnte Deutschland es aber Dänemark gleichtun und damit nicht nur der im Koalitionsvertrag verkündeten „Tierschutzoffensive“ endlich konkrete Taten folgen lassen, sondern auch für die kommende EU-Legislaturperiode ein deutliches Zeichen setzen. Immerhin wurden zwischen 2010 und 2013 alleine aus Deutschland über 140.000 lebende Rinder, Schafe und Ziegen in die Türkei, den Nahen Osten und nach Nordafrika exportiert. Welches Schicksal ihnen dort mit hoher Wahrscheinlichkeit blühte, können Sie im unten aufgeführten Bildmaterial sehen, wenn Sie es ertragen können.

Schreiben Sie deshalb bitte an Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der dringenden Bitte um eine Tiertransportzeitbegrenzung auf maximal acht Stunden innerhalb Deutschlands und insbesondere auch für Exporte unter http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BKin/DE/Service/Kontakt/kontakt_node.html.

 

Sabine Ohm, Europareferentin

 


Links auf Berichte und weiterführende Informationen:

ACHTUNG: Bevor Sie auf einen der Links klicken, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass diese Bilder äußerste Grausamkeit gegenüber Tieren zeigen und für normal fühlende Menschen eigentlich nicht zu ertragen sind. Falls Sie sie dennoch ansehen möchten, bereiten Sie sich innerlich darauf vor.