EU-Parlament unternimmt ersten Schritt gegen qualvolle Tiertransporte

Tiertransporte in Drittstaaten sollen verboten werden, wenn EU-Standards nicht eingehalten werden

Berlin/Straßburg, 14.02.2019: Das Europäische Parlament stimmte heute für eine Verbesserung der Bedingungen von Tiertransporten innerhalb und außerhalb der EU. Mitglieder des EU-Agrarausschusses forderten das Parlament in einem Bericht dazu auf, die Transportbedingungen für Tiere zu verbessern, Kontrollen zu verschärfen und Transporte in Drittstaaten außerhalb der EU zu unterbinden, wo Transporte zu EU-Bestimmungen nicht möglich sind. Den Mitgliedstaaten sollen härtere Sanktionen drohen, wenn sie sich nicht an geltendes EU-Recht halten. Zukünftig sollen Alternativen wie mobiles Schlachten und der Direktverkauf gefördert werden.

Die Zustimmung des Europäischen Parlaments ist ein erster wichtiger Schritt, um Verbesserungen bei den qualvollen Tiertransporten einzuläuten. Dazu Jasmin Zöllmer, Referentin für Agrarpolitik bei PROVIEH e.V.: “Zwar hat die Zustimmung des EU-Parlaments erst mal keine rechtlichen Auswirkungen und ist damit noch ein zahnloser Tiger. Aber sie zeugt vom Veränderungswillen auf EU-Ebene, während die große Koalition in Deutschland nicht einmal die extrem strapaziösen und langen Tiertransporte in Drittstaaten beenden will, bei denen Tiere regelmäßig verenden. Jetzt benötigen wir dringend eine rechtlich verbindliche Umsetzung des Berichts auf EU-Ebene und ein nationales Verbot der Tiertransporte in Drittländer, um mit gutem Beispiel voranzugehen .”

Große Koalition verweigert Tierschutz

Der Deutsche Bundestag hatte im letzten Jahr die Möglichkeit diese Transporte zu stoppen. Sowohl die Grünen als auch die FDP wollten in einem Antrag ein Aussetzen aller Tiertransporte in Drittstaaten erwirken. PROVIEH forderte in einem gemeinsamen offen Brief an den Bundestag mit acht weiteren Verbänden einen sofortigen Stopp der Lebendtiertransporte in Drittstaaten. Doch die große Koalition konnte sich nicht einmal zu einem Verbot der Schlachttierexporte durchringen, die unter besonders grausamen Bedingungen in Drittstaaten getötet werden. Ein Armutszeugnis für die große Koalition, die in Punkto Tierschutz endlich mal ein Zeichen setzen sollte.

Veterinärämter verweigern Transportgenehmigungen

Auch auf lokaler Ebene bewegt sich etwas: Einige Veterinärämter in Bayern stellen sich offen gegen Langstreckentransporte von Lebendtieren in Nicht-EU-Länder. Den Anfang machte das Veterinäramt Landshut, das diese Praktiken und Tierschutzverstöße nicht mehr mittragen möchte. Auslöser war der geplante Transport einer trächtigen Kuh, die rund 5.000 Kilometer weit nach Usbekistan transportiert werden sollte. Diesen Viehtransport stoppte das Veterinäramt Landshut. Das Veterinäramt will in Zukunft keinem dieser Transporte mehr zustimmen, es verweigert sein "Vorzeugnis". Kurz danach folgten zwei weitere bayerische Landkreise: Nach Landshut verweigern nun auch die Landräte von Passau und Freyung-Grafenau ihre Zustimmung.

Wir unterstützen die mutige Entscheidung der Veterinärämter und hoffen, dass noch viele weitere folgen: Offener Brief an die Veterinärämter.

PROVIEH fordert den sofortigen Stopp von Lebendtierexporten in außereuropäische Länder und setzt sich seit langem durch Aufklärungsarbeit, gemeinsame Aktionen und politische Arbeit für ein solches Verbot ein.

Weitere Informationen finden Sie unter www.provieh.de/tiertransporte

 

Ansprechpartnerin
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