EU-Tierschutzlogo – Diskussion um eine informierte Wahl im Supermarkt

Am 22.01.10. beriet der EU-Agrarrat über eine EU-Tierschutzetikettierung.

Bereits im Mai 2007 forderte der Ministerrat die Kommission dazu auf, einen umfassenden Bericht zum Thema Tierschutzkennzeichnung zu erarbeiten. Dieser sollte eine eingehende Beschäftigung mit den unterschiedlichen Optionen einer Kennzeichnung ermöglichen. Im Dezember 2007 begann die Kommission dann mit einer Studie zur Durchführbarkeit einer Tierschutzkennzeichnung. Diese Studie wurde im Januar 2009 abgeschlossen und bildet die Basis für den am 28. Oktober 2009 veröffentlichten Bericht der Kommission. Mit diesem wurde die Diskussion um die Tierschutzkennzeichnung auf europäischer Ebene eingeleitet.

Im Rahmen der Tagung am 22.02.10 beriet der Rat für Landwirtschaft und Fischerei nun über die verschiedenen Möglichkeiten einer Tierschutzkennzeichnung.

Demnach soll eine Kennzeichnung dieser Art vor allem dem Verbraucher dienen. Denn laut Kommissionsbericht bemängeln die Verbraucher die fehlenden Tierschutzinformationen bei Lebensmitteln. Mit einem neu eingeführten Label soll dem Konsumenten in Zukunft eine informierte Wahl zwischen konventionellen und tierfreundlichen Erzeugnissen ermöglicht werden.

Aber auch den Erzeugern sollen Vorteile entstehen. Denn die tierfreundlich erzeugten Lebensmittel können so gegenüber konventionellen Produkten aufgewertet werden. Entstehen bei artgerechter Produktion mehr Kosten als bei konventioneller, könnten die höheren Preise für tierfreundliche Produkte besser begründet werden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner machte bei der Ratstagung deutlich, dass eine Tierschutzkennzeichnung wichtige Informationen für den Verbraucher liefern würde und dass auch der Tierschutz ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Produktes sei. Deshalb trat sie für eine Kennzeichnung für Erzeugnisse ein, bei denen deutlich über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgegangen wird. Auch die Vertreter Großbritanniens, Schwedens, Luxemburgs, Maltas und der Niederlande vertraten diese Meinung. Favorisiert wird von der deutschen Ministerin ein europaweit einheitliches Logo. Allerdings sollte es nur freiwillig statt verpflichtend sein, wie von PROVIEH und anderen Tierschutzorganisationen gefordert wird.

Ergänzt werden könnte das Logo durch Informationskampagnen, die die Verbraucherinnen und Verbraucher stärker über das Thema Tierschutz informieren und sensibilisieren.

Neben der Tierschutzkennzeichnung soll außerdem ein Netzwerk europäischer Referenzzentren eingerichtet werden. Dieses Netz soll zwischen bereits bestehenden Forschungseinrichtungen geknüpft werden und dazu dienen, die Umsetzung von Tierschutzmaßnahmen wissenschaftlich zu unterstützen und besser zu koordinieren.

Gerade nach Ereignissen wie dem Wiesenhof-Skandal ist klar, dass die Einführung einer Tierschutzkennzeichnung dringend nötig ist. Denn ein Großteil der Verbraucher wünscht sich tierfreundlich produzierte Lebensmittel, hat aber das Vertrauen in die Erzeuger verloren. Diesem Vertrauensverslust könnte mit einem einheitlichen, europäischen Label entgegen gewirkt werden.

Ein weiteres Label, das dem Verbraucher eine Wahl ermöglichen soll, empfahl am 23.02.10 der Agrarausschuss des Europaparlaments. Die Mitglieder des Ausschusses plädierten für die Einführung eines europäischen Qualitätssiegels. Dieses soll Lebensmittel kennzeichnen, die vollständig in der EU produziert wurden und den im internationalen Vergleich recht hohen europäischen Standards entsprechen. Das Vereinigte Königreich hat bereits eine solche Ursprungslandetikettierung (COOL) für sein heimisch produziertes Schweinefleisch eingeführt.

Darüber hinaus sprach sich der Ausschuss gegen die Zusammenlegung der so genannten Ursprungsbezeichnung und der geschützten geographischen Angabe aus. Mit der Ursprungskennzeichnung werden Erzeugnisse versehen, die in ihrer traditionellen Ursprungsregion und mit traditionellen Verfahren hergestellt werden (z. B. Parmaschinken).

Für die Kennzeichnung mit der geschützten geographischen Angabe dagegen reicht es bereits aus, wenn ein Produkt in der betreffenden Region verarbeitet wird. Die Zutaten zur Herstellung müssen dann nicht aus der entsprechenden Region stammen, sondern können von überall bezogen werden. Käme es zur Zusammenlegung beider Bezeichnungen würde die Wahlmöglichkeit beim Kauf eingeschränkt. Man könnte nicht mehr zwischen 100 % europäischen Qualitätsprodukten und Erzeugnissen mit Zutaten aus Drittländern unterscheiden, deren Produktion oft wesentlich geringeren Standards unterliegt.

Sowohl das Beispiel der Tierschutzkennzeichnung, als auch das der Ursprungskennzeichnung machen deutlich, dass die Wahl zwischen hochwertigen, umwelt- oder tierfreundlichen Produkten letztendlich beim Verbraucher liegt. Mit bewusstem und strategischem Konsum kann jeder sein Votum für umwelt-, tierfreundliche und sozial verträgliche Produkte abgeben.

PROVIEH wird sich auch in Zukunft für eine europaweite Kennzeichnung von Lebensmitteln nach überprüfbaren Tierschutzkriterien einsetzen und über die Zustände in der Tierhaltung informieren, um allen eine bewusste, tierfreundliche Wahl zu ermöglichen. Schon jetzt hilft Ihnen dabei unser aktueller Einkaufsratgeber.

08.03.2010, Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel