Falsche Weichen in der Milchpolitik

24.07.2009: Die Probleme der Milchbauern haben lange Wurzeln. Seit Jahrzehnten werden Milchkühe auf immer mehr Milchleistung hin gezüchtet, doch die besten genetischen Anlagen reichen nicht aus, diese Leistung durch Weidehaltung zu erbringen. Zusätzlich brauchen diese Kühe viel Kraftfutter, und das ist teuer und trägt überdies zur Vernichtung riesiger Urwälder bei, weil Ackerfläche für den Anbau von Kraftfutterpflanzen gebraucht wird.

Zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit nahmen viele Milchbauern Kredite auf, so dass auch die Kreditgeber von der Arbeit der Milchbauern profitieren. Die Milchbauern erhalten schon seit Jahren Subventionen, was die Molkereien sehr wohl bedenken, wenn sie die Rohmilch aufkaufen. Wenn jetzt so etwas wie eine „Abwrackprämie“ für Milchkühe gefordert wird, so wird dadurch die Lage der Milchbauern bestenfalls kurzfristig verbessert. Prämien für den Export von Milchprodukten zu zahlen, würde bedeuten, dass die Bürger über ihre Steuern abermals zur finanziellen Unterstützung der Milchbauern aufgerufen werden. (Mehr Informationen zum Bericht der EU-Kommission finden Sie hier und hier).

Es ist höchste Zeit, die Weichen für die Milchpolitik richtig zu stellen. Hierzu gehört die Zucht von Milchkühen, die auch bei Weidehaltung eine gute Milchleistung bringen, so dass der Zukauf von teurem Kraftfutter vermieden werden kann. Die produzierte Milchmenge würde reduziert und der Raubbau an Urwäldern würde zumindest eingeschränkt werden. Wenn wir ernsthaft etwas gegen die Klimaerwärmung tun wollen, dann wäre die neue Weichenstellung ein wichtiger Schritt in eine richtige Richtung, die auch das Wohlergehen der Kühe fördern würde.

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Sievert Lorenzen, lorenzen@provieh.de

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