Freihandelsabkommen TTIP – ein Freibeuterabkommen im Dienste der Gentech-Konzerne?

Befremdliche Agrarlügen aus Deutschland und der EU

03.03.2014: Was wollen große deutsche Geflügelmäster mit der Lüge erreichen, es gebe nicht mehr genug konventionelle Soja, so dass deutsches Geflügel wieder mit gentechnisch veränderter (GV) gemästet werden müsse? Was wollen die EU-Kommissare mit ihrer Lüge erreichen, der GV-Mais 1507 sei gesundheitlich unbedenklich und müsse deshalb zum Anbau in der EU freigegeben werden? Was wollen die Mächtigen mit ihrer Lüge erreichen, ohne Gentechnik und industrielle Höchstleistungen in der Agrarwirtschaft sei die Menschheit nicht zu retten? Wozu wird die EU-Bevölkerung mit einer Agrarlüge nach der anderen bombardiert? Alles nur, um den Boden für das umstrittene Freihandels- und Investitionsabkommen zwischen EU und USA (TTIP) zu bereiten?

EU-Bürger empören sich immer mehr ob dieser Lügen und werden bereiter, für ihre demokratische Freiheit zu kämpfen, um nicht Opfer von mächtigen Syndikaten (Verkaufskartellen) zu werden, zu denen sich Verantwortliche aus Konzernen und Politik allem Anschein nach zusammengeschlossen haben.

In Brasilien gibt es genug konventionelle Soja zu kaufen. Die südamerikanischen Bauern lieben die GV-Soja nicht, sie hassen sie; denn Monsanto hat alle Versprechen über den Segen von GV-Soja gebrochen: Die GV-Soja bringt - wie alle GV-Pflanzen - erfahrungsgemäß nach ca. drei Jahren nicht höhere, sondern niedrigere Erträge als konventionelle Soja. Für GV-Soja wie RoundUp Ready, die gegen das Totalherbizid Glyphosat resistent gemacht wurde, damit man sie Jahr für Jahr ohne Fruchtfolge in riesigen Monokulturen anbauen kann, werden nicht weniger, sondern immer mehr und noch giftigere Herbizide gebraucht als für konventionelle Soja; denn das Unkraut entwickelt gegen Herbizide wie Glyphosat Resistenzen und ist dann kaum noch von den Äckern zu verbannen.

Und alle diese Nachteile müssen sich die Bauern mit teurem GV-Saatgut einkaufen. Die südamerikanischen Bauern fühlen sich als Opfer von Syndikaten. Sie sind heilfroh über jede Nachfrage nach konventioneller Soja und können diese Nachfrage von Jahr zu Jahr besser bedienen, dank der erfolgreichen Arbeit des staatlich geförderten „Programa Soja Livre“ (Programm GV-freie Soja), das in Brasilien 2009 aufgelegt wurde. Und dann kommt die deutsche Geflügelwirtschaft, lügt und versetzt dem brasilianischen Programm einen empfindlichen Schlag.

Während GV-Soja von Anfang an gentechnisch resistent gegen das Totalherbizid Glyphosat  (enthalten in Roundup) gemacht wurde, startete die gentechnische Veränderung von Mais mit dem Einbau von Genen des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt), damit der Mais mit allen seinen Zellen das Bt-Gift gegen Schadinsekten produziert. Aber die Schadinsekten wurden resistent gegen dieses Gift. Deshalb wurden neue GV Maissorten erzeugt (unter ihnen GV-Mais 1507), die mehr Bt-Gift als vorher bilden und außerdem resistent gegen bestimmte Totalherbizide gemacht wurden. Diese Maispflanzen werden also von innen und von außen vergiftet. Und deren Körner sollen wir essen?

Nein und wieder nein, sagen die meisten EU-Bürger. Ja, und wehe wenn nicht, droht die EU-Kommission und ist zufrieden, dass der Ministerrat der EU am 11. Februar 2014 keine qualifizierte Mehrheit gegen den Anbau von GV-Mais 1507 in der EU zustande brachte, auch Deutschlands wegen. GV-Mais 1507 sei unbedenklich für Umwelt und Gesundheit, sagen die EU-Lebensmittelaufsichtsbehörde (EFSA) und die Kommission in Brüssel – und lügen. Brasilianische Bauern wissen es besser, sie haben schon miserable Erfahrungen mit dieser Maissorte, die vom Hersteller auch „Herkulex“ genannt wird, gesammelt. Und die sollen wir in der EU in den Wind schlagen? Sind wir noch zu retten? Auch das deutsche Bundesamt für Naturschutz (BfN) schlägt Alarm: Schon allein der Pollen vom GV-Mais 1507 enthalte 350mal mehr Bt-Gift als der Pollen des mittlerweile veralteten GV-Mais MON810. Und trotzdem sind die Schädlinge bereits resistent gegen „Herkulex“ geworden.

Wenn ein Staatenbund wie die EU wohlbegründeten Bürgerwillen hartnäckig zurückweist und Tür und Tor öffnet für schädliche Agrarprogramme, dann ist unsere Demokratie in Gefahr. Ist diese Gefahr noch friedlich zu bannen? Hoffen wir es, PROVIEH gehört jedenfalls zu den Kämpfern hierfür.

Wir fordern die Geflügelindustrie dazu auf, ihre Entscheidung rückgängig zu machen und weiterhin auf gentechnikfreie Fütterung zu setzen. Und wir fordern den Lebensmitteleinzelhandel dazu auf, beim Verbraucher den dazu notwendigen Preisaufschlag durchzusetzen. Gentechnikfreiheit ist nicht zum Nulltarif zu haben, solange die Politik nicht eine umfassende Kennzeichnungspflicht gesetzlich vorschreibt.

Schreiben Sie deshalb bitte an die Bundeskanzlerin, die von der verbraucherpolitischen Sprecherin der Koalitionspartei SPD, Elvira Drobinski-Weiß, im deutschen Fernsehen als wahre Fürsprecherin und Vorantreiberin der Gentechnik hinter den Kulissen bezeichnet wurde. Wichtiger als der Wille ihrer Wählerinnen und Wähler sind ihr offensichtlich die Interessen deutscher Großkonzerne wie Bayer, die kräftig am Geschäft mit Gentechnik und Herbiziden wie Glyphosat mitverdienen.Auf die Frage, ob sich die Politik den multinationalen Konzernen beugt, antwortet Drobinski-Weiß: “Im ersten Impuls würde ich sagen: Ja.“ Weiterhin sagt sie, dass die Bundesregierung die Bedenken der Bevölkerung - die in der Mehrheit gegen den Genmais sind - nicht ernst nimmt. Frau Drobinski-Weiß hat den Eindruck, dass die Bundesregierung sogar unentschlossene Mitgliedsländer auf ihre Seite zu ziehen versucht, um den Genmais in Europa durchzusetzen. Bei dieser Ehrlichkeit ist es fraglich, wie lange Frau Drobinski-Weiß ihr Mandat behält.

Und obwohl sich Wirtschaftsminister Gabriel noch auf dem SPD-Parteitag zur Europawahl explizit gegen Genmais in Futter- und Lebensmitteln ausgesprochen hat, hat Deutschland durch seine Enthaltung maßgeblich dazu beigetragen, die Zulassung des Genmais 1507 in Europa voranzutreiben.

Fordern Sie Frau Merkel dazu auf, sich an die Koalitionsvereinbarung zu halten, in der ausdrücklich steht, dass die Regierung die Bedenken der Bevölkerung gegen die Gentechnik auf dem Acker ernst nehmen werde. Sie soll ein Anbauverbot für GV-Mais Herkulex in Deutschland erlassen und eine Etikettierungspflicht für alle Erzeugnisse aus Tieren, die mit Gentech-Futter gefüttert wurden, einführen, statt wie bisher die teure Beweispflicht auf die Schultern der gentechnikfreien Erzeuger zu laden. Denn neben den oben beschriebenen Umweltschäden sind die Langzeitfolgen der Gentech-Fütterung für Menschen und Tiere bisher nicht ausreichend erforscht. Die Verbraucher müssen wenigstens eine informierte Wahl treffen können.

 

Sievert Lorenzen

Foto: © PublicDomainPictures / Pixabay

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