Geflügeltod durch das Vogelgrippe-Virus H5N8: Spielen Lüftungsanlagen eine Rolle?

Das Vogelgrippe-Virus H5N8 ist in Deutschland wieder da. Es erzeugt Geflügelpest, eine aggressive Form der minder schweren Vogelgrippe. Jetzt, im November, ist es kalt genug, dass die Viren auch in der Luft überleben können. In Schleswig-Holstein wurde H5N8 erst in verendeten Reiherenten und wenigen anderen Wasservögeln am Plöner See gefunden, dann in anderen Gewässern im östlichen Teil von Schleswig-Holstein, und jetzt auch in einem geschlossenen Legehennen-Zuchtbetrieb in Grumby (Angeln, nordöstlich von Schleswig gelegen). Bemerkenswert ist dort ein Ereignis, mit dem die Geflügelpest begann: Die Lüftungsanlage war für eine Weile ausgefallen. Derartige Pannen stellen für Tiere aller geschlossenen Massenhaltungen ein ernstes, viel zu wenig beachtetes Problem dar.

Warum? Weil die ausgeatmete Luft der Tiere und die Ausdünstungen aus deren Gülle nicht mehr von außen durch Frischluft ersetzt werden können, sondern stundenlang immer wieder eingeatmet werden müssen. Und sollte das Virus H5N8 in Grumby vor der Lüftungspanne schon wenige Hennen infiziert haben, so hätte es in der schlechten Luft ideale Bedingungen gehabt, sich in den Hennen zu vermehren und sich im Betrieb auszubreiten mit der Folge, dass die Geflügelpest ihren Lauf nahm.

Doch woher könnten die ersten H5N8-Viren in den Stall gelangt sein? Durch Wildvögel jedenfalls nicht, denn die Zuchthennen lebten wie im Hochsicherheitstrakt, abgeschirmt von der Außenwelt, wie Landwirtschaftsminister Robert Habeck betonte. Also bleiben nur zwei andere Möglichkeiten: Entweder sind die Viren durch virenhaltige Frischluft von außen in den Stall geraten oder, oder durch Futter oder andere Produkte, die zum Betrieb per LKW geliefert wurden (verschmutzte Gummistiefel von Mitarbeitern sollten keine Rolle gespielt haben).

2014 war das Virus H5N8 schon einmal in Europa, hergekommen aus Südkorea und gelangt nach England, in die Niederlande und nach Deutschland. Damals hieß  es, Wildvögel hätten das Virus von Südkorea hierher transportiert. Doch diese Meinung widerspricht dem Verlauf der Zugvogelrouten. Handfeste Hinweise gibt es vielmehr, dass das Virus durch die global vernetzte Entenindustrie von Südkorea nach England, Holland und Deutschland verschleppt worden war. Nach einer britischen Studie von 2007 wohnt der vernetzten Entenindustrie sogar ein besonders hohes Risiko für die Verbreitung aggressiver Vogelgrippe-Viren inne, denn industriell gehaltene Enten können wie Wildenten nach einer Infektion noch wochenlang einen gesunden Eindruck machen, so dass bei Transporten solcher Farm-Enten die Viren durch die Lüftungsschlitze der LKWs oder auf andere Weise ins Freie gelangen und Wildvögel anstecken könnten.

Die früheren Erklärungen können das aktuelle Geflügelpestgeschehen natürlich nicht erklären, wohl aber Hinweise liefern, auf was alles unbedingt geachtet werden sollte.

Sievert Lorenzen

15.11.2016

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