Gesetzesentwurf zum Verbot des Kükentötens: PROVIEH setzt auf robuste Zweinutzungsrassen

Pressemitteilung

Berlin, 09.09.2020 – Die Uhr tickt für die Geflügelbranche. Denn Ende 2021 wird das Töten der männlichen Küken der Legelinien nach dem Schlupf per Gesetz verboten werden. Dies kündigte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner im Juli 2020 an. Heute stellt sie einen entsprechenden Gesetzesentwurf dazu vor. Statt der Geschlechtsbestimmung im Ei fordert PROVIEH die Rückkehr zum Zweinutzungshuhn.

Um die Küken nicht mehr zu töten, will die Branche alle zugelassenen Methoden nutzen. Ob Bruderhahnaufzucht oder jegliche auf dem Markt verfügbare Geschlechtsbestimmung, nur so könne die Masse an männlichen Küken bewältigt werden. 

PROVIEH mahnt: „Die Geschlechtsbestimmung im Ei zementiert nur ein aus dem Ruder gelaufenes Geflügelwirtschaftssystem, löst aber nicht die zuchtbedingten Probleme der Hochleistungsrassen. Anstatt die Embryonen in den Eiern zu töten, muss sich die Branche darauf konzentrieren allen Tieren eine gute Haltung durch strukturierte, ausgestaltete Ställe mit Beschäftigungsmaterial und Auslauf zu bieten“.

Laut PROVIEH ist der Ausweg aus dem Dilemma seit Jahrhundertern erprobt: mit dem robusteren Zweinutzungshuhn, welches sowohl ausreichend Eier legen kann als auch genügend Fleisch ansetzt. Zusammen mit einer Reduktion von tierischen Produkten und einem bewussten Konsum des Verbrauchers könne dem Kükentöten so ein tierschutzgerechtes Ende bereitet werden. Das von der Bundesministerin gepriesene technische Verfahren hingegen bestehe lediglich in Symptombekämpfung.

„Es ist Zeit, eine tierschutzgerechte Lösung für das Geflügel in Deutschland einzuführen und der Geflügelwirtschaft einen Weg der Nachhaltigkeit und Planungssicherheit zu weisen“sagt Mareike Petersen, Fachreferentin für Geflügel bei PROVIEH. „Die Tierschutzbedenken unserer Gesellschaft und die Missstände in den einzelnen Zuchtrichtungen sind bekannt. Wir fordern die artgemäße Haltung eines gesunden robusten Zweinutzungshuhns. Damit der Verbraucher die tierschutzkonforme Lösung auch wirklich wählen kann, ist außerdem eine verpflichtende Deklaration der Herkunft von Eiern in verarbeiteten Produkten dringend notwendig.“ 

 

Hintergrund:

Vereinbart wurde das Ende des Kükentötens bereits für 2019 im Koalitionsvertrag. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied zudem am 13.06.2019, dass das Leben der männlichen Küken schwerer wiegt als wirtschaftliche Interessen. Damit besteht bereits seit Jahren Handlungsbedarf.

Männliche Küken der Legelinien legen keine Eier wie ihre Schwestern und setzen weniger und langsamer Fleisch an als die dafür gezüchteten Masthybriden. Im Zuge der Hochleistungszucht dieser beiden Hühnerlinien können zuchtbedingte Probleme auftreten. Masthühner leiden aufgrund ihres enormen Gewichts an Herz-Kreislauf-Problemen, Beinschwächen und schmerzhaften Fußballenentzündungen. Legehennen erkranken oft an Osteoporose, Brustbeinveränderungen und Entzündungen der Legeorgane.

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Ansprechpartnerin

Mareike Petersen, Fachreferentin für Geflügel

Telefon: 0431. 24828-19

E-Mail: m.petersen@provieh.de