Glyphosat – das Thema schreit zum Himmel, noch nicht laut genug?

Die EU-Kommission will Glyphosat für weitere zehn Jahre zulassen, scheiterte mit dem Vorhaben aber am 25. Oktober 2017 am Widerstand der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten. Als Kompromiss bot die Kommission eine Zulassung von Glyphosat für weitere fünf bis sieben Jahre an, wohl in der Hoffnung, ihren Willen dann doch noch durchsetzen zu können. Aber Vorsicht! Der Kompromiss ist faul bis ins Mark.

Jahrelang war das Thema „Glyphosat“ von Lug und Trug durchsetzt, alles gesteuert von Agrarriesen wie Monsanto. Glyphosat sei unschädlich für Mensch und Tier, und sollte es mit der Nahrung aufgenommen werden, werde es schnell und unverändert  wieder ausgeschieden. Glyphosat schade nur den Pflanzen, nicht uns Menschen und den Tieren. Zur Begründung verweist Monsanto gern auf eigene Studien und solche, die der Konzern in Auftrag gegeben hat. Kritische Studien werden in Bausch und Bogen vom Tisch gewischt mit dem Argument, sie würden der wissenschaftlichen Kritik nicht standhalten. Die eigenen Studien hält Monsanto lieber unter Verschluss, damit keiner sie wissenschaftlich nachprüfen kann. Wer das Geld hat, hat die Macht, das scheint seit Jahrzehnten die Devise von Monsanto zu sein.

Mittlerweile bröckelt die Macht von Monsanto. Aus allen Ländern mit intensiver Landwirtschaft gibt es weltweit schon Studien, die auf schwere gesundheitliche Schäden hinweisen, die Mensch und Tier nach der schleichenden Vergiftung mit Glyphosat erleiden. Zu den Schäden zählen verschiedene Formen von Krebs, auch Brustkrebs, sowie Fruchtbarkeitsstörungen, Tot- und Missgeburten. Viele Bauern kennen solche Schäden schon aus eigener Anschauung von ihrem Vieh, das durch die Verfütterung von importiertem Kraftfutter schleichend mit Glyphosat belastet wurde.

Der Grund für diese vielen Schäden dürfte immer derselbe sein: Wegen seiner elektrischen Polarität kann Glyphosat nicht nur ein lebenswichtiges Pflanzenenzym dauerhaft blockieren, sondern auch wichtige Enzyme und Hormone, die Mensch und Tier für ihre gesunde Entwicklung brauchen.

Selbst nach einem Verbot in der EU wird Glyphosat für uns gefährlich bleiben.

Gesetzt den Fall, die Anwendung von Glyphosat wird in der EU verboten, sind wir dann vor seinen Gefahren geschützt? Nein. Zu den Verantwortlichen dafür gehören vor allem die Agrarindustrie in Übersee und der internationale Handel, für den es kaum noch nennenswerte Zollschranken gibt. Die EU importiert die von Glyphosat ausgehende Gefahr schon jetzt durch den massenhaften Import von Kraftfutter aus Übersee für unser Vieh. Das Kraftfutter stammt vor allem von Soja, die gentechnisch resistent gegen Glyphosat und verwandte Agrargifte gemacht wurde, damit die Felder auch in der Vegetationszeit mit den Herbiziden besprüht werden können. Diese Gifte dringen natürlich auch in die gentechnisch veränderten Pflanzen ein und verteilen sich auch in ihnen bis in die Fruchtanlagen und Wurzelspitzen, schaden dem Pflanzenkörper aber nicht, sondern schwächen ihn höchstens. Die Ernte von diesen Pflanzen ist also mit Glyphosat belastet. Und sollte die Ernte von gentechnisch nicht veränderten Pflanzen stammen, kann sie auch mit Glyphosat belastet sein, weil die Pflanzenkörper zur Vorbereitung und Erleichterung der Ernte mit Glyphosat-basierten Pestiziden abgetötet werden. Diese Agrarpraktiken sind für Nord- und Lateinamerika mittlerweile dominant. Deshalb sind die Menschen dort viel stärker mit Glyphosat belastet als wir Europäer. Darauf weist vor allem die Vereinigung Moms Across America aus den USA immer wieder warnend hin. Und wer bei uns eine Vorliebe für Sojamilch und andere Sojaprodukte hat, möge immer bedenken, dass sie aus Glyphosat-haltiger Soja hergestellt sein könnten.

Das Glyphosat-Problem schreit also nicht nur in Deutschland und der EU, sondern mittlerweile weltweit zum Himmel. Wann endlich erreicht dieser Schrei die internationale Politik und deren Verantwortlichen, auch die EU-Kommission? Den Schrei nicht verstummen zu lassen ist eine wichtige Aufgabe von Nichtregierungsorganisationen, zu denen auch von PROVIEH zählt.

Sievert Lorenzen

Grafik: Wikimedia Commons