H5N8 – Das FLI muss aufrichtig werden

04.12.2014: Hat Prof. Dr. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Abschied von seiner Schnapsidee genommen, dass Wildvögel das Virus H5N8 von Südkorea quer durch Asien nach Deutschland und Holland und über Island nach England verschleppt haben könnten? In einem Interview mit dem Nordkurier (dort erschienen am 01.12.2014) war davon jedenfalls nicht mehr die Rede. Vielmehr antwortete er auf die Frage, wie der Erreger „in den Bestand in Vorpommern eingetragen wurde“:

„Das ist bislang unklar. Potenziell kann er über kontaminierte Waren eingetragen werden, Lebensmittel, Personen oder auch Wildvögel. Vier Epidemiologen des Bundesforschungsinstituts sind vor Ort, um Waren- oder Tierverkehre und einen möglichen Eintrag durch Wildvögel zu untersuchen. Das wird dauern. Alle Szenarien müssen gleichberechtigt betrachtet und bewertet werden.“

Aha, die Untersuchungen „werden dauern“. Die Erfahrung lehrt, was das für das FLI im Klartext heißt: Die Untersuchungen werden so lange dauern, bis sich kaum noch jemand für das Ergebnis interessiert, die dann unpubliziert in der Schublade verschwinden oder gleich im Reißwolf entsorgt werden können. Bis dahin können alle „Schutz“-Maßnahmen gegen Wildvögel und freilebendes Nutzgeflügel beibehalten bleiben, und die „legale“ Geflügelindustrie kann sich weiterhin über das Siegel „biosicher“ freuen.

Nichtregierungsorganisationen haben schon bei H5N1 und jetzt wieder bei H5N8 ermittelt, dass keine Hypothese zur Ausbreitung von Vogelgrippe-Viren schwächer ist als die Wildvogelhypothese. Sie ist praktisch null und nichtig. Die robusteste Hypothese lautet, dass die Geflügelindustrie selbst für die Evolution und Ausbreitung von Vogelgrippe-Viren verantwortlich ist, selbst über Kontinente hinweg mit Luftfracht. Die „vier Epidemiologen“ sollten sich einmal anschauen, was das WAI (Wissenschaftsforum Aviäre Influenza) herausgefunden hat: Eine Entenfarm in England pflegt geschäftliche Beziehungen nach Südkorea und unterhält eine Tochterfarm in Brandenburg. Die H5N8-Ausbrüche in Europa ereigneten sich entlang der Straßenroute von der englischen zur deutschen Farm.

Weiß das FLI überhaupt, wieviel Leid und Ungemach es mit seiner unhaltbaren Wildvogelhypothese anrichtet? Über seine Erfahrung berichtete Dr. Jürgen Günterschulze vom Haustierpark Lelkendorf in Mecklenburg gegenüber dem Nordkurier Mecklenburgische Schweiz am 2. Dezember 2014. Er musste zum Beispiel einen Ziegenstall ausräumen, um Platz für seine seltenen Gletschertauben zu schaffen, und das übrige Geflügel muss Tag und Nacht im Nachtstall verbringen. „Mit Stallpflicht ist der Seuche nicht beizukommen“, erklärte er. Endlich müsse „mit dem Märchen aufgeräumt werden, als ob sterile Tierhaltung etwas mit Gesundheit zu tun hat.“ Das Gegenteil sei der Fall, wie der massenhafte Verbrauch von Antibiotika und anderen Medikamenten zeige, die den Erwerb eines robusten Immunsystems geradezu verhindern.

Es ist höchste Zeit, dass sich das FLI endlich zur Aufrichtigkeit bekennt und bei den Landwirtschaftsministern nicht mehr der allerschwächsten aller Hypothesen zur Evolution und Ausbreitung von Vogelgrippe-Viren hausieren geht. Oder möchte das FLI das Risiko eingehen, als Forschungs-Lügen-Institut (FLI) verspottet zu werden?

Sievert Lorenzen

Foto: © Farkas