Herkunftskennzeichnung ist nur die halbe Miete: Politik muss sich auch die „Tierhaltungskennzeichnung“ zutrauen.

Die SPD hat sich für die gesetzliche Umsetzung zur Kennzeichnung der Herkunft tierischer Produkte ausgesprochen. Was Sie dabei übersieht ist die Tatsache, dass die Herkunft allein nicht auf die Haltungsbedingungen verweist.

PROVIEH hat die SPD daher in einem Brief gebeten, sich auch für eine Kennzeichnung der Tierhaltung stark zu machen. Nur so ist Transparenz im Lebensmittelhandel garantiert.
 

Die Kennzeichnung der Herkunft geht nicht weit genug, es muss zukünftig auch eine Nutztierhaltungskennzeichnung geben

Sehr geehrter Herr Dr. Priesmeier,

mit Ihrer Forderung einer gesetzlichen Verankerung zur Herkunftskennzeichnung tierischer Lebensmittel treffen Sie den Nerv der Zeit!

PROVIEH VgtM e.V. begrüßt Ihren Vorstoß. Dennoch stellt sich hier die Frage, ob es tatsächlich um die geografische Herkunft oder um die Haltung der Nutztiere geht. Denn: Verbraucher/Innen haben ein Interesse an artgerechter „Nutz“tierhaltung. Mit Einführung einer Tierhaltungskennzeichnung bei Fleischprodukten können Kaufentscheidungen zugunsten artgerechter Haltungssysteme ausfallen.

Die Kennzeichnung von Eiern hat beispielsweise verdeutlicht, wie zusätzliche Informationen das Kaufverhalten des Verbrauchers verändern. Dies könnte genauso bei allen anderen tierischen Produkten eintreten und auch hier in Zukunft schrittweise Verbesserungen der Haltungssysteme herbeiführen.

PROVIEH fordert seit Jahren eine verbindliche Kennzeichnung der Tierhaltungsform auf Fleisch- und Milchprodukte. Das baden-württembergische Landesministerium hat hierzu bereits am 26.02.2015 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Tierhaltungskennzeichnung beim Fleisch“ in Berlin veranstaltet.

PROVIEH sieht durch die Einführung der Tierhaltungskennzeichnung die Möglichkeit, dem Preisverfall bei Fleischprodukten nachhaltig entgegenzuwirken. Für Landwirte, die ihren Tieren bereits heute mehr bieten als den gesetzlichen Mindeststandard, würde sich der Aufwand lohnen: Sie bekommen mehr Geld und Wertschätzung für ihre Produkte.

Der Lebensmitteleinzelhandel hätte durch die geänderten Kaufgewohnheiten einen Anreiz, artgerechtere Haltung zu fairen Preisen bevorzugt zu handeln und seinen Kunden das zu bieten, was er bereits bewirbt: qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel von Tieren aus artgerechter Haltung.

PROVIEH bittet Sie deshalb:

Setzen Sie sich für die Kennzeichnung der Haltung ein. Die Deklaration der Herkunft allein garantiert nicht zwangsläufig eine artgerechtere Haltung. Die Verbraucher UND die Tiere werden es Ihnen danken!

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag
Dipl. Ing. Agrar
Stefanie Pöpken
Fachreferentin für Geflügel und Rinder
 


Quellen und weiterführende Links:
Pressemitteilungen der SPD: http://www.wilhelm-priesmeier.de/cms/images/dokumente/05032015_PM_Herkunft_Fleischkennzeichung.pdf
https://www.spd-europa.de/pressemitteilungen/seelenloses-fleisch-macht-bisher-nur-den-handel-gluecklich-1999
Artikel der topagrar: http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-SPD-verlangt-Gesetz-zur-Herkunftskennzeichnung-von-Fleisch-1722593.html