Hessen zieht nach beim Erlass gegen Ferkeltötungen

17.07.2014: Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hat zu der schockierenden ARD-Dokumentation „Gequält, totgeschlagen, weggeworfen“ Stellung genommen und fordert Konsequenzen. In der Dokumentation waren grausame Bilder zu sehen, die das routinemäßige und nicht tierschutzgerechte Töten von überzähligen Ferkeln zeigten. Die schwerwiegenden Missstände in der Schweinehaltung müssten ein Ende haben, so Martin.

PROVIEH begrüßt, dass nach Niedersachsen und Nordrheinwestfalen nun auch das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einem Erlass vom 08.07.2014 die Amtstierärzteschaft dazu auffordert, die Betäubung und Tötung von Ferkeln stichprobenartig im Rahmen von Vor-Ort-Kontrollen in Sauen haltenden Betrieben zu überprüfen. Denn die offenbar gängige Methode, Ferkel gegen die Wand, über eine Buchtenwandkante oder auf den Boden zu schlagen, ist rechtlich keinesfalls zulässig. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hatte im Juni 2014 eine Stellungnahme zur Nottötung von Saugferkeln (bis 5 Kilogramm Körpergewicht) durch den Tierhalter verfasst, der sich das hessische Ministerium inhaltlich vollumfänglich anschließt.

Die Tierschutzbeauftragte forderte in einer Presseerklärung Lösungsansätze auf verschiedenen Ebenen: Der Verbraucher „müsste verstehen, dass der Kauf von Billigfleisch schlechte Haltungsbedingungen für Tiere in der Landwirtschaft nach sich zieht“. Aber auch den Handel sieht sie in der Pflicht, denn Preiskriege im Sektor tierischer Lebensmittel müssen endlich beendet werden. Daneben fordert sie die Einführung des eigenen Lehrfaches „Tierschutz“ in landwirtschaftlichen Ausbildungs- und Studiengängen, da das Thema hier noch keinen ausreichenden Stellenwert besäße. Dadurch solle eine „verstärkte Sensibilität für Tiere in der landwirtschaftlichen Erzeugung geschaffen sowie mehr Wissen über Tierverhalten und Tierschutzgesetzgebung vermittelt werden“ könne.

Frau Martin fordert außerdem alle politisch Verantwortlichen dazu auf, Amtstierärztinnen und Amtstierärzte zu unterstützen, die gesetzliche Vorgaben zum Schutz der Tiere konsequent umsetzen und „ihnen nicht in den Rücken zu fallen.“ Weiter schreibt sie: „Es verblüfft einen schon, wie groß der Einfluss von landwirtschaftlichen Lobbyverbänden insbesondere auf kommunalisierte Veterinärämter sein kann. Engagierte Amtstierärzteinnen und Amtstierärzte müssen sich immer wieder für ihren Einsatz im Tierschutz rechtfertigen, werden sogar von Tierschutzfällen abgezogen. Amtstierärztinnen und Amtstierärzte, die nicht vollziehen und Missstände bagatellisieren, bleiben unbehelligt. Das muss ein Ende haben! Dort, wo kein Vollzug ist, entstehen die Bilder, die wir gestern sahen. Wer den Vollzug des Tierschutzgesetzes zum „Schutze der Landwirtschaft“ aufzuweichen versucht, macht sich mit verantwortlich!“

Von den landwirtschaftlichen Verbänden verlangt sie zudem, sich klar und deutlich zum Tierschutz zu positionieren und weder Verstöße gegen das Tierschutzgesetz kleinzureden, noch schwarze Schafe zu schützen.

PROVIEH begrüßt diese Stellungnahme und den Erlass sehr und hofft auf weitere ähnliche Schritte in anderen Bundesländern.


Quellen und weiterführende Informationen