Hinter verschlossenen Türen: Auch 2018 werden wieder 50 Millionen Eintagsküken getötet

Die konventionelle Geflügelzucht kennt nur zwei Schwerpunkte – Eier oder Fleisch. Eine Hochleistungslegehenne kann 320 Eier im Jahr legen, Fleisch hat sie dabei kaum auf den Rippen. Die Masthühner wiederum sind schlechte Eierleger.

Bei den Masthühnern werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere gemästet. Für die Bruderhähne der Hochleistungslegehennen gibt es hingegen keine Verwendung, da sie als Masttiere nicht infrage kommen. Ihre täglichen Zunahmen seien zu schlecht, ergo die Aufzucht zu teuer. Diese sei dann nicht wie üblich nach 35 Tagen, sondern erst nach 80 bis 100 Tagen abgeschlossen. Daher müssen die männlichen Geschwisterküken direkt nach dem Schlupf sterben. Circa 50 Millionen sogenannte Eintagsküken werden jährlich vergast. Auch 2018 geht das Sterben weiter, mit Genehmigung des Gesetzgebers, obwohl das Tierschutzgesetz das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund untersagt. Im Falle der Küken ist der wirtschaftliche Grund offenbar Argument genug. Mit der Aufzucht der Brüderhähne würde das gut geölte System der Geflügelindustrie ins Stocken geraten – die bisherigen Gewinne wären in Zukunft gefährdet.

Alle sprechen von der Lösung: Früherkennung im Ei. Wann kommt sie endlich?

Seit 2015 spricht Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von einem Verfahren, welches das Geschlecht des Kükens bereits im Ei ermitteln soll. Millionen Euro an Forschungsgeldern sind in die Entwicklung dieser neuen Methode geflossen. 2016 sollten die ersten Geräte zum Einsatz kommen. Bislang ist das nicht geschehen, aber die Ankündigung einer Lösung scheint auszureichen, um die Wogen der Entrüstung zu glätten und das Töten der Küken hinzunehmen. Würde Christian Schmidt jetzt ein komplettes Verbot des Kükentötens umsetzen, würden ihn viele für die Abwanderung der Geflügelindustrie ins Ausland verantwortlich machen. Da ist es für ihn einfacher, in der Komplizenschaft zu verweilen.

Raus aus der Falle

Die einzige und nachhaltige Lösung ist die Verwendung von Zweinutzungshühnern: Tiere, die sowohl Eier als auch Fleisch liefern; Tiere, die die Landwirte außerdem unabhängig von der Geflügelindustrie machen können, denn mit Zweinutzungshühnern lässt sich tatsächlich eine Nachzucht aufbauen. Davor fürchtet sich die Industrie, die momentan durch geschickte Kreuzungen und Hybridtiere die Nachzüchtung verhindert und so den Landwirt an sich bindet. Diese Macht möchte sie ungern aufgeben.

Der Weg in die Zweinutzzungshaltung ist nur mit Hilfe des Verbrauchers und des Lebensmitteleinzelhandels möglich. Als Verbraucher hat jeder die Aufgabe, seinen Konsum von Eiern und Geflügelfleisch zu überdenken und zu reduzieren. Die Lebensmittelhändler sind dazu angehalten, vermehrt Produkte von Zweinutzungstieren zu für den Landwirt fairen Preisen anzubieten. Und die Politik muss dafür sorgen, dass das Tierschutzgesetz endlich umgesetzt wird, ohne zahlreiche Ausnahmeregelungen zu genemigen.

Stefanie Pöpken

29.01.2018


 

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