Hofnahe Schlachtung statt Lebendtiertransporte

PROVIEH VgtM e.V. spricht sich ausdrücklich für eine hofnahe, tiergerechte und stressfreie Schlachtung aus.

Begründung:

Der Trend großer Schlachthofbetreiber mit wenigen, spezialisierten Standorten und hohen Schlachtzahlen die Effizienz und Produktivität zu erhöhen, ist aus Tierschutzsicht kontraproduktiv und führt zu einer Verschlechterung der bestehenden Tierschutzstandards. Nachweislich löst der Transportprozess inklusive Be- und Entladen bei Tieren großen Stress aus. (Vgl. Schmeiduch, 2002)

Durch mehrere Studien wurde bereits belegt, dass ein Großteil der Schlachttiere beim Transport unter erheblichem Stress leidet. Sogar bei Kurzstreckentransporten konnte dies nachgewiesen werden. (Vgl. Henke, 2003)

Auch die Aufstallung im Wartebereich des Schlachthofes führt durch etliche neue Eindrücke, wie fremde Umgebung, Rangkämpfe, Geräusche und Gerüche zu physischer und psychischer Belastung der Tiere. (Vgl. Ferguson and Warner, 2008)

Allgemeingültige Stress-Indikatoren sind hierbei Messwerte zu Cortisol, Creatininkinase, Glucose, Lactatwerte, sowie der pH-Wert. (Vgl. Henke, 2003) Die Folgen spiegeln sich in der mangelhaften Fleischqualität wider, bekannt als PSE-Fleisch (Pale-White-Soft beim Schwein) und DFD-Fleisch (Dark- Firm-Dry beim Rind) und tragen erheblich zu Preisverfall am Fleischmarkt bei.

In einer Zeit, in der sich die Nutztierhaltung im Umbruch befindet, da sie in ihrer derzeitigen Form gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert wird, darf die Wertschöpfungskette nicht beim Abtransport vom Betrieb zum Schlachthof enden.

PROVIEH e. V. setzt sich daher für eine angstfreie, schonende Schlachtung in Hof nahem Umfeld ein und unterstützt daher das Projektvorhaben „Hofnahe Schlachtung“ in Brandenburg.

Kiel, den 09. Mai 2016

 

Ansprechpartner:

Angela Dinter
Fachreferentin für Schlachtung und Transporte Tel.: 0431. 24 82 8-19
E-Mail: dinter@provieh.de


page1image26672
Literaturverzeichnis:

Schmeiduch, S. (2002): Belastungsreaktionen von Zucht- und Schlachtrindern im Straßenferntransport. Dissertation der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Henke, S. (2003): Einfluss von Kurzzeittransporten (<8h) auf biochemische und physiologische Reaktionen von Rindern sowie deren Schlachtkörperqualität und Fleischbeschaffenheit. Dissertation der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Ferguson, DM and Warner, RD (2008): Have we underestimated the impact of pre-slaughter on meat quality in ruminants?