Ilse Aigner stellt neues Siegel für gentechnikfreie Lebensmittel vor

17.08.09: Das von der Bundesregierung eingeführte neue Siegel ist freiwillig - ein richtiger erster Schritt, der aber zu kurz greift. Bisher müssen nur Lebensmittel mit GVO-Zutaten über 0,9 % als „Mit Gentechnik“ gekennzeichnet werden. Erzeugnisse von mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefütterten Tieren wie Eier, Milch und Fleisch brauchen dagegen kein Etikett.

Aus Verbrauchersicht wäre ein EU-weites, verpflichtendes Siegel auch für tierische Erzeugnisse daher viel besser. So hatte es auch PROVIEH anlässlich des runden Tisches mit Tierschutzorganisationen von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im Mai 2009 gefordert. Sie verwies jedoch nur auf die Möglichkeit der „Ohne Gentechnik“ Etikettierung. Wenn ein tierisches Erzeugnis dieses Siegel bekommt heißt das, es wurden keine transgenen Futtermittel eingesetzt. Zur Produktion von Futterzusatzstoffen (z. B. Enzyme, Aromen und Vitamine) dürfen aber gentechnisch veränderte Mikroorganismen wie Bakterien genutzt werden. Im Futter selbst dürfen dann allerdings keinerlei GVO mehr enthalten sein.

Einige Unternehmen im Lebensmittelsektor wie Tegut reagierten schon auf die Ablehnung der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber GVO in der Nahrung. Sie bieten ein GVO- freies, entsprechend etikettiertes Sortiment an. Andere zieren sich noch, vor allem die Branchenriesen – angeblich, weil es immer mal wieder zu Verunreinigungen mit zugelassenen oder illegalen GVO kommt und man dadurch nicht ins Kreuzfeuer der Kritik geraten wolle. Ein anderer Grund könnte allerdings auch sein, dass sie ihre mit GVO produzierte Billigware nicht mehr los würden, wenn daneben Produkte mit der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ im Regal stünden. Laut einer im April 2009 vom BUND veröffentlichten Umfrage würden sich 73 Prozent der Befragten bei ihrer Kaufentscheidung daran orientieren und eher zu als „gentechnikfrei“ gekennzeichneten Produkten greifen. Der Lebensmitteleinzelhandel und die Lebensmittelindustrie brauchen deshalb auch deutliche Botschaften der Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission, dass es keine Aufweichung der Vorschriften gibt und Verbraucherinteressen durch eindeutige Kennzeichnungspflichten künftig besser gewahrt werden sollen.

Die Verbreitung von GVO nützt nämlich weiterhin allein den Genriesen, die sich selbst in Krisenzeiten eine goldene Nase verdienen: Monsanto machte in 2008 über 2 Mrd. US-Dollar Gewinn - einen groβen Teil davon mit gentechnisch veränderter Soja. Etwa 80 Prozent der weltweit angebauten Soja wird als Tierfutter genutzt, meist Gensoja. Doch sauberes Tierfutter ohne transgenen Mais und Soja muss weiter nachgefragt werden. Das hilft, den weltweiten Anbau von Genpflanzen zu stoppen. Derzeit wird das Tierfutter nämlich dazu missbraucht, die Gentechnik durch die Hintertür in die Nahrungskette einzuschleusen (mehr dazu bei Greenpeace hier und hier).

Die Risiken für Menschen, Tiere und Umwelt bleiben dabei nach wie vor weitgehend unerforscht, während drängende Probleme wie Hunger, Armut oder die Anpassung an extreme Bedingungen (Dürre, Hitze, etc.) ungelöste Heilsversprechen der Gentech-Industrie bleiben.

Eine Liste von Produkten, die mit dem Siegel „Ohne Gentechnik“ gekennzeichnet sind, wurde von der Verbraucherzentrale Hamburg und Slow Food zusammengestellt und kann hier abgerufen werden.

Sabine Ohm, Europareferentin