JA! zur Haltungskennzeichnung

Sagt uns die Wahrheit! Wie leben unsere "Nutz"tiere?

PROVIEH und viele andere Natur- und Tierschutzorganisationen fordern seit langem eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle Tiere, deren Fleisch- und Milchprodukte wir konsumieren. Immer wieder wurden wir mit Aussagen, wie „es ist nicht möglich, alle Stallsysteme zu klassifizieren“  oder “ die Bewertung der Tiergerechtheit ist zu schwierig“ konfrontiert. Diese Einwände hat PROVIEH ernst genommen und ist ihnen auf den Grund gegangen. Bei der Lösungssuche sind wir auf den „Nationalen Bewertungsrahmen“ gestoßen.

Der Nationale Bewertungsrahmen

Das Kuratorium für Technik und Stallbau in der Landwirtschaft hat zusammen mit einem Gremium aus hochrangigen Fachleuten der Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft alle Stallsysteme erfasst und unter anderem nach Tiergerechtheit und –gesundheit bewertet. Aus diesem Bundesprojekt entstand der Nationale Bewertungsrahmen.

Das Werk erfasste alle in Deutschland befindlichen Stallsysteme und stufte die Haltungsformen je nach Tierart als „tiergerecht, als „bedingt tiergerecht“ oder als „nicht tiergerecht“ ein. Eine Einschätzung zu gesundheitlichen Risiken für die jeweilige Haltungsform wurde ebenfalls abgegeben. So konnte PROVIEH drei Klassifikationen, die auf eine Haltungskennzeichnung von 1 bis 3 umsetzbar waren, ausarbeiten. Die 0 blieb – wie beim Ei- der ökologischen Tierhaltung vorbehalten.

Von 0 bis 3 – wie beim Ei

Bei Fleisch-und Milchprodukten können Verbraucher unter vier Kategorien wählen.

-  0: ökologische Erzeugung
-  1: die Freilandhaltung
-  2: deutlich mehr Auslauf und Platzangebot 

-  3: Tierhaltung nach gesetzlichem Mindeststandard

Widerstand in Politik und Wirtschaft

Natürlich wehren sich die Profiteure der industriellen Tierhaltung gegen eine verpflichtende Kennzeichnung, denn sie kommt einer Demaskierung gleich. Alleine in Deutschland würden bei der Schweinhaltung mehr als 95 Prozent der Betriebe in der Kategorie 3 landen. Das bedeutet, sie halten ihre Tiere  nach dem gesetzlichen Mindeststandard, der keinesfalls als tiergerecht gewertet werden darf. In den fleischproduzierenden EU-Nachbarländern zeigt sich ein ähnlich düsteres Bild und selbst die EU-Kommission befürchtet Wettbewerbsnachteile bei Im- und Export der lukrativen Handelswaren Fleisch und Milch.

Die Bundesregierung: Eine Frage der Haltung

Aktuell finden wir in Deutschland zwar reichlich Zuspruch und Unterstützung von Tier- und Umweltschutzverbänden, doch nützt dies wenig, wenn die Bundesregierung ihre Mitarbeit verweigert. Eine nationale Umsetzung der Haltungskennzeichnung darf nicht ohne die Zustimmung der EU-Kommission erfolgen. Die Beantragung erfolgt durch die Bundesregierung, denn nur sie kann die Zustimmung der EU-Kommission einholen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt will davon allerdings nichts hören und behauptet steif und fest, eine Umsetzung sei nicht möglich. Tatsächlich hat er sich trotz mehrfacher Bitte noch nicht einmal mit unserem Haltungskennzeichnungsmodell befasst.

Labeling Matters

Die international arbeitende Tierschutzorganisation Compassion In World Farming könnte uns unserem Ziel näher bringen. Mit ihrer Kampagne „Labeling Matters“ (Kennzeichnung ist wichtig) kämpft sie in einem Partnerschaftsprojekt für eine europäische Einführung der Haltungskennzeichnung und sucht Verbündete in allen Ländern der EU.

In Deutschland und Spanien, deren Landwirtschaft weitgehend industrialisiert wurde, ist nicht mit einer Unterstützung durch die Regierungen zu rechnen. Doch für Länder, wie Tschechien, Rumänien oder Ungarn, die über eine artgemäßere Tierhaltung verfügen, könnte die Haltungskennzeichnung einen Marktvorteil darstellen. Daher ist es wahrscheinlicher, dass sich die weniger agrarindustrialisierten Länder für eine Haltungskennzeichnung bei der EU-Kommission einsetzen werden.

Für uns stellt diese Zusammenarbeit eine große Unterstützung und Motivation dar. Wir fühlen uns gestärkt durch die unterstützende internationale Arbeit und obwohl wir derzeit keine politische Unterstützung im eigenen Land erhalten, rufen wir weiterhin laut „Ja!  Zur Haltungskennzeichnung!“.

Der Optimalfall: Die Europäische Haltungskennzeichnung

Sicherlich ist der Weg zu einer europäischen Haltungskennzeichnung noch beschwerlicher und länger, doch ist es auch der konsequentere Weg. Denn so muss im Vorfeld eine einheitliche Bewertung und Einstufung der Stallsysteme und ein gleiches Kennzeichnungmodell für alle EU-Länder festgelegt werden. Die Einwände der EU-Kommission, dass eine verpflichtende Haltungskennzeichnung zu Wettbewerbsnachteilen führt, Handelsbeziehungen gefährdet und Vermarktungsstrategien behindert, wären dann entkräftet.

Am Ende könnte eine europaweite Kennzeichnungspflicht wie bei Legehennen beschlossen werden.


Haltungskennzeichnung schafft Transparenz

Wir fordern eine Haltungskennzeichnung für alle Tiere, deren Milch- und Fleischprodukte wir verzehren.

Wir wollen keine bunten Bilder auf Milch- und Fleischwarenverpackungen, sondern die Wahrheit über die Haltungsbedingungen unserer Nutztiere, deren Fleisch und Milch wir essen.

Um unserer Bundesregierung zu zeigen, dass deutsche Verbraucher eine klare Kennzeichnung von tierischen Lebensmitteln fordern, haben wir eine Petition gestartet:

https://www.change.org/p/bundeslandwirtschaftsminister-christian-schmidt-sagt-uns-die-wahrheit-wie-leben-unsere-nutztiere

Bitte unterschreiben und teilen Sie diese Petition. Sie helfen uns dabei, die industrialisierte Tierhaltung zu entlarven und Transparenz und Klarheit beim Lebensmittelkauf einzufordern.

http://www.labellingmatters.org/


Angela Dinter