Kampagne gegen den verantwortungslosen Umgang mit der Gentechnik in Deutschland und der EU – machen Sie mit!

22.10.2009: Es geht um viel mehr als nur die anstehende Importzulassung für drei weitere Genmaissorten; denn nach Feststellung eklatanter Sicherheitsmängel fordern die Umweltminister schon seit Dezember 2008 eine völlige Überarbeitung des EU-Zulassungssystems gentechnisch veränderten Organismen (GVO) – bisher ohne Resultat. Stattdessen legt die Agrarkommissarin munter weiter Zulassungsanträge zur Abstimmung vor, die aber noch nach dem alten, d. h. mangelhaften System durch die EFSA (EU-Lebensmittelaufsichtsbehörde) geprüft wurden.

Die Abstimmung der Landwirtschaftsminister bei der Ratssitzung in Luxemburg am 20. Oktober 2009 brachte wegen Deutschlands Enthaltung nicht die nötige qualifizierte Mehrheit für oder gegen die Zulassungen der drei neuen gentechnisch veränderten Maissorten (MON 88017 und MON 89034 von Monsanto sowie 59122xNK603 von Pioneer). Im März 2009 – also noch vor der Bundestagswahl! – hatte Deutschland bei einer GVO-Abstimmung noch öffentlichkeitswirksam dagegen gestimmt (wir berichteten). Denn eigentlich wissen die Verantwortlichen sehr wohl, dass eine überwältigende Mehrheit der Deutschen (78 % laut Forsa-Studie aus Mai 2009) die Gentechnik in der Nahrungskette ablehnt. Der Bundesregierung scheint dies egal zu sein: Durch die Enthaltung Deutschlands bei GVO-Abstimmungen wird bewusst weiter in Kauf genommen, dass die gentechnikfreundliche EU-Kommission nach dem Patt im Rat die Zulassung erteilt. So ist es in den vergangenen Jahren unzählige Male gewesen (mehr dazu hier).

Dabei häufen sich inzwischen die Studien und fundierte Kritik an der Gentechnik:

1. gegen transgene Pflanzen (GVO) auf dem Acker:

    - wegen der unkontrollierbaren Ausbreitung der GVO (bei viel zu gering bemessen Sicherheitsabständen zu konventionellen und Bio-Flächen), die andere Erzeuger schädigen;
    - wegen der ungewollten aber nicht verhinderbaren Auskreuzungen in Wildpflanzen (wobei keine Umkehr möglich ist);
    - wegen der Anreicherung gewisser Toxine (z.B. Bt) in den Futter- und Nahrungspflanzen sowie in den Böden, die auch für Menschen und Tiere schädlich sein können (dadurch Verlust der Artenvielfalt etc.);
    - wegen des durch GVO-Anbau steigenden Einsatzes von Totalherbiziden wie Round-Up Ready, die alles – außer die geschützten Gensorten – abtöten und mit der Zeit "Superunkräuter" hervorbringen, die gegen diese stärksten Herbizide resistent sind;
    - wegen starker allergischer Reaktionen bei Menschen zur Pollenflugzeit in der Umgebung von GVO-Feldern;
    - weil kein adäquates Monitoring der vielfältigen Auswirkungen durchgeführt wird;
    - weil die Landwirte durch patentierte Gensaat (und dazu passende Spritzmittel) in die Abhängigkeit der Gentech-Konzerne geraten; Monsantos erklärtes Ziel ist es, die Weltnahrungsmittelproduktion zu 100 % auf patentierte GVO umzustellen und damit zu kontrollieren.

2. gegen GVO auf dem Teller:

    - weil es keine Langzeitstudien über die Folgen des Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen für den menschlichen Organismus gibt. Studien mit Tierversuchen haben allerdings bereits Gruseliges zutage gefördert: Leber- und Nieren- und Lungenschäden, Allergien, Blutzucker- und Blutdruckprobleme, Krebsvorstufen sowie Einschränkung bis hin zum Verlust der Fruchtbarkeit etc. Viele dieser Probleme hatte der Gentechriese Monsanto selbst bei eigenen Versuchen herausgefunden, aber später verschwiegen; nur durch ein Gerichtsverfahren konnte die Veröffentlichung erzwungen werden (wir berichteten).

3. gegen GVO im Futtertrog:

    - weil es keine Langzeitstudien über die Folgen des Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen für den tierischen Organismus gibt;
    - weil es aus der Praxis aber besorgniserregende Erfahrungen gibt (Krankheit und Tod von Wiederkäuern nach dem Weiden auf abgeernteten Genbaumwollfeldern in Asien; Sterilität bei Schweinen in den USA, Tod von Kühen in Deutschland nach Fütterung mit Genmais etc);
    - weil bei Tierversuchen herauskam, dass Mäuse und andere Säugetiere, wenn sie die Wahl zwischen GVO-freiem und transgenem Futter (z. B. BT-Mais) haben, die GVO nicht anrühren;
    - weil die Verbraucherinnen und Verbraucher keine Wahl haben, denn es besteht keine Etikettierungspflicht für tierische Erzeugnisse aus mit GVO gefütterten Tieren.

Wenn GVO so schädlich sind, wieso sehen und hören wir dann nicht mehr davon, fragen Sie sich jetzt vielleicht?

Dass sich so wenig Widerstand gegen diesen permanenten, unkontrollierten Großversuch der Gentechindustrie an der Bevölkerung regt, hat vor allem 3 Gründe:

    Erstens steckt die Gentechlobby Milliarden in die Werbung (z.B. Bollywooddarsteller für Genbaumwolle in Indien) und GVO-freundliche Studien, aber auch in die Mundtotmachung kritischer Wissenschaftler; besonders krasse Beispiele hierzu gibt es in den USA und in Großbritannien (vgl. dazu auch "Seeds of Deception" von Jeffrey M. Smith)

    Zweitens sind Krankheiten wie Allergien, Organschäden und Krebs nicht neu und nicht akut, sondern schleichend und langfristig. Sie treten inzwischen laut Statistik viel häufiger als vorher auf: Im Gentech-Erfinderland USA hat sich allein zwischen dem Beginn der kommerziellen GVO-Ära im Pflanzenbau 1994 und 2001 die Zahl der durch Nahrungsmittel bedingten Krankheitsfälle verdoppelt. Auch die Krebs- und Sterilitätsraten steigen z.B. immer weiter an und liegen in Amerika weit vor EU-Werten.

    Drittens sind Anbau und direkte Verwertung von GVO in Nahrungsmitteln in Europa wegen des Moratoriums in den 90er Jahren, der relativ langen EU-Zulassungsverfahren und der Vorsicht des Lebensmitteleinzelhandels bisher noch eingeschränkt, besonders im Vergleich zu Nord- und Südamerika. Nur bei den tierischen Erzeugnissen ist dies anders: In der weit verbreiteten Intensivtierhaltung werden hauptsächlich Genmais und Gensoja als Kraftfutter für hohe Leistung und schnelles Wachstum eingesetzt. Etikettiert werden muss die so produzierte Ware aber nicht.

Fordern Sie deshalb die Bundeskanzlerin auf, den Kampf gegen diese verantwortungslose GVO-Politik zur Chefsache zu machen. Sie soll dafür sorgen, dass Deutschland künftig in der EU mit „Nein“ stimmt, bis ein wirklich sicheres EU-Zulassungs- und Monitoringverfahren für GVO eingerichtet ist. Bereits in der EU zugelassenen GVO müssen aufgrund der neueren Erkenntnisse über Risiken und Gefahren für Menschen, Tiere und Natur einer unabhängigen, verlässlichen Überprüfung unterzogen werden. Zudem sollte die neue Bundesregierung sofort eine Etikettierungspflicht für alle tierischen Erzeugnisse von mit GVO gefütterten Tieren einführen.

Schreiben Sie dazu an Frau Merkel (eine Briefvorlage finden Sie hier).

Sabine Ohm, Europareferentin