Kampagnenerfolg für PROVIEH beim Kastrationsverzicht

Am 4. März 2015 forderte PROVIEH in einem Rundschreiben die gesamte deutsche Lebensmittelbranche dazu auf, endlich mehr Jungeberfleisch zu verarbeiten und zu vermarkten – ähnlich wie 2009 bei unserem erfolgreichen Kampagnenauftakt „Stoppt Kastratenburger“ (wir berichteten). ALDI-Süd reagierte als erstes Unternehmen öffentlich darauf mit der Ankündigung, bis spätestens zum 1. Januar 2017 auf kastrationsfreies Schweinefleisch umzustellen.

PROVIEH steht mit ALDI Süd seit dem vergangenen  Jahr im regelmäßigen direkten Kontakt und begrüßt dieses Bekenntnis zur Jungebermast. Es folgt der Einsicht, dass Jungeberfleisch qualitativ hochwertig ist und kein Grund zur Diskriminierung besteht. Bei Jungebern muss außerdem während Haltung, Transport und Schlachtung mehr auf das Tierwohl  geachtet werden. Denn unkastrierte Tiere können unter anderem durch Angst und Stress vermehrt den für manche Menschen unangenehmen „Ebergeruch“ entwickeln. So ist Jungebermast ganz im Sinne des Tierwohls.

Dennoch gibt es immer noch viele Gegner des Kastrationsverzichts. Sie wollen lieber weiterhin betäubungslos und ohne Schmerzausschaltung die männlichen Ferkel wenige Tage nach der Geburt chirurgisch kastrieren. Wirksame Schmerzausschaltung kann bisher nur durch vom Tierarzt zu verabreichende Mittel erreicht werden, weitere Forschung ist nötig. PROVIEH sieht die Mast unversehrter Jungeber insgesamt als besten Weg an (mehr dazu in unserem Informationsblatt).

Nach der Veröffentlichung der „Tierwohl-Einkaufspolitik“ von ALDI Süd im Februar und diesem Bekenntnis zur Jungeberfleischvermarktung im April dieses Jahres hofft PROVIEH nun auf einen Dominoeffekt im Handel. ALDI ist durch seine Größe und Marktmacht in der Lage, Standards zu setzen. Dieser Verantwortung sollte das Unternehmen gerecht werden, auch indem sein bestehendes Engagement für Tierwohl weiter ausgebaut wird – unter anderem ganz aktuell durch ein eindeutiges Bekenntnis zur Initiative Tierwohl (ITW) mit höheren Beiträgen zum Tierwohl-Fonds und der Bevorzugung deutscher Herkunft.

Sabine Ohm