Kastratenfleisch? Nein Danke!

05.10.2009: Gegner unserer Kampagne versuchen, hinter den Kulissen die Fortschritte bei der Abschaffung der Ferkelkastration zu torpedieren und die flächendeckende Einführung der Ebermast in Deutschland zu verhindern oder zumindest auf unbestimmte Zeit zu verzögern. PROVIEH hält dagegen.

Quertreibereien Ewiggestriger, die die betäubungslose kastratenfleischFerkelkastration am liebsten einfach beibehalten würden, ließen uns in den letzten Wochen keine Wahl. Sie erklärten auf Veranstaltungen und bei den Bauern landauf, landab die Diskussion um die Ferkelkastration entweder für tot oder verängstigten die Zuhörer mit erfundenen „Stinker“-Horrorszenarien der angeblich überstürzt eingeführten Ebermast.

Das neueste Schreckgespenst ist nun die angebliche Marktspaltung in Fleisch von weiblichen und männlichen Tieren – eine weitere Nebelkerze der Bremserriege. In der gegenwärtigen Übergangszeit müssen ausreichend viele Eber gemästet werden, um zur Identifikation und Verarbeitung geruchsauffälliger Tiere genügend wissenschaftliche und praktische Erfahrungen sammeln zu können. Wenn einige Lebensmitteleinzel-handelsunternehmen in dieser Umstellungsphase ausschließlich weibliche Schweine im Frischfleischsegment beziehen wollen, so dient dies vor allem der Qualitätssicherung. Die Verarbeiter können ohne Reklamationsgefahr parallel letzte Fragen der Ebermast klären, während in der Öffentlichkeit das klare Signal des Ausstiegs aus Kastratenfleisch ankommt. Dies führt nicht zu einer Marktspaltung, sondern beschleunigt die Umstellungsbemühungen auf Erzeugerseite. Eine Marktspaltung wäre einzig zu befürchten, wenn das Fleisch unkastrierter männlicher Schweine weiterhin von einzelnen Vertretern der Branche als "minderwertig" diffamiert würde. Eberfleisch ist aber nachweislich besser in der Qualität als Börgefleisch.

PROVIEH lässt nicht zu, dass der in den letzten Monaten zunehmend an Fahrt gewinnenden Dynamik in der Forschung wie auch beim Umstieg auf Ebermast seitens der Erzeuger durch diese „Stänkerei“ der Wind aus den Segeln genommen wird. Eine neue Kampagnenwelle wird ab dem 7. Oktober quer durch Deutschland rollen, der Lebensmitteleinzelhandel ist bereits gewarnt.

Mitte Juli dieses Jahres hatten wir schon eine sehr erfolgreiche Kampagne für den Ausstieg der Fastfoodketten McDonald’s und Burger King aus den Kastratenburgern geführt. Dank der von unseren Aktiven und Freunden von PROVIEH durchgeführten Brief- und Postkartenverteilaktion in und vor Filialen der Burgerbräter von München bis Flensburg, von Frankfurt/Oder bis Köln, gaben beide Ketten ihren Ausstieg am 29. Juli bis allerspätestens 2011 bekannt.

Nun sind die Supermärkte an der Reihe. Auch sie können sich heute schon auf ein machbares Ausstiegsdatum wie Ende 2011 festlegen. Damit würde den Erzeugern sowie den Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben ein eindeutiges Signal gesendet, dass es keinen Sinn hat, weiter auf die Bremse zu treten. Volle Kraft voraus in Forschung und Entwicklung ist gefragt. Nur so können die letzten notwendigen Fortschritte für eine gelungene völlige Umstellung auf Ebermast in Deutschland erzielt werden. So kann den über 20 Millionen männlichen Ferkeln jährlich das unsägliche Leid der betäubungslosen Kastration erspart werden. Denn die von QS im April 2009 eingeführte sog. „Kastration mit Schmerzbehandlung“ ist Augenwischerei. Die Schmerzmittel werden in einem Arbeitsgang mit der Kastration verabreicht, wirken aber nicht sofort. Deshalb lindern sie nur den post-operativen Schmerz und hemmen zudem Entzündungen – wohl auch deshalb war ihre Einführung gar nicht schwer, bringt sie doch ökonomische Vorteile.

PROVIEH lässt sich nicht auf unbestimmte Zeit vertrösten und mit halbherzigen Erklärungen abspeisen. Die Verbraucher wollen keine Tierquälerei. Der Sektor hat sich lange genug um eine Lösung herumgedrückt (die Diskussion flammte schon in den 70er Jahren auf und wurde seither noch zweimal erfolgreich unterdrückt!). Es ist Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen!

Sie wollen helfen? Machen Sie mit!

Sabine Ohm, Europareferentin