Kein Herz für Kühe: Bundesregierung gegen Haltungsverordnung

25.11.2016: Die Bundesregierung sieht keinen Anlass die gesetzlichen Verordnungen im Bereich der Milchvieh- und Mastrinderhaltung zu erweitern. Milchkühe und Mastrinder werden bislang in der Tierschutznutztierhaltungsverordnung nicht berücksichtigt und sollen es auch zukünftig nicht.

Warum eine Haltungsverordnung für Milchkühe?

Auf europäischer Ebene gibt es zwar eine Empfehlung zur Haltung von Milchkühen, gesetzlich verpflichtend ist diese allerdings nicht. Auch die hiesigen Gesetzgeber haben sich bislang geweigert,  für Milchkühe und Mastrinder Mindestanforderungen an die Haltung zu erstellen. PROVIEH hat im vergangenen Jahr zusammen mit der Welttierschutzgesellschaft eine mögliche Haltungsverordnung für Milchkühe erarbeitet und diese dann zur allgemeinen Diskussion veröffentlicht. Besonderes Augenmerk lag auf geregeltem Weidegang und mehr Platz für die Tiere in Stall und Auslauf. Die Resonanz aus dem politischen und landwirtschaftlichen Sektor war verhalten bis abwehrend. Das Tierschutzgesetz gewähre den Kühen genug Schutz.

Wettbewerbsverzerrung und Abwanderung als Standardausrede

PROVIEH ist enttäuscht, dass gerade die Bundesregierung, deren Landwirtschaftsminister sich dem Tierschutz besonders verpflichtet fühlt, nicht einmal die Möglichkeit eines besseren Schutzes der Milchkühe und Mastrinder in Betracht zieht. Stattdessen ruht sie sich darauf aus, dass es zuerst auf europäischer Ebene schärfere Bestimmungen geben sollt, die dann in nationales Recht übertragen werden könnten. Die Abwanderung der Milchindustrie in europäische Nachbarländer und damit der Niedergang der heimischen Milchproduktion wird gerne als „schlimmster anzunehmender Fall“ genannt, um auch die letzten Stimmen zum Schweigen zu bringen. Deutlicher kann eine Abfuhr gegen den Tierschutz nicht sein.

PROVIEH fordert:

  • Die Ausweitung der Tierschutznutzierhaltungsverordnung auf Milchkühe und Mastrinder
  • Eine Gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle Milchprodukte

PROVIEH macht sich weiterhin politisch für eine Haltungsverordnung für Milchkühe und Mastrinder stark. Wir sprechen auch zukünftig gezielt Politiker auf die Notwendigkeit einer Haltungsverordnung an. Wenn auch Sie mithelfen wollen, die Haltungsbedingungen der Milchkühe zu verbessern, achten Sie beim Kauf von Milch darauf, dass sie von Tieren stammt, die genügend Weideauslauf erhalten und artgemäßes Futter (Gras, Heu) bekommen. Besonders zu empfehlen ist die Milch von Höfen, die Ammenkuhhaltung oder muttergebundene Kälberaufzucht betreiben, das heißt wo die Kälber bei ihrer Mutter trinken können. PROVIEH hat eine Karte zusammengestellt, wo sich bereits solche Betriebe in Deutschland befinden: www.provieh.de/PROKUH