Kitzen mit moderner Technik auf der Spur



Es ist 4:30 Uhr - das erste Tageslicht färbt gerade so eben den Horizont rot, als wir auf dem Lindhof, Versuchsgut der Uni Kiel, ankommen. Am frühen Vormittag sollen dort Grasflächen gemäht werden und wir sind eingeladen, das Grünland nach jungen Rehkitzen abzusuchen. Die Besonderheit: wo sonst die Flächen mühevoll zu Fuß oder mit Hunden durchkämmt werden, um das Wild zu vergrämen, übernimmt heute Morgen eine Wärmebild-Drohne die Aufgabe des Suchens.

Bei der Grasmahd durch die intensive Landwirtschaft kommt es immer wieder zu Verlusten von jungen Wildtieren. Das Problem: Die erste Grasmahd findet schon sehr früh im Jahr statt. Zur gleichen Zeit gebären Ricken und Häsinnen. Zum Schutz vor Fressfeinen, Menschen oder Hunden legen sie ihre Nachzucht im hohen Gras ab. Was das Überleben der Jungtiere sichern soll, wird ihnen bei der Grasmahd zum Verhängnis. Gerade Rehkitzen fehlt zu Beginn der natürliche Fluchtreflex, sie bleiben auch an Ort und Stelle versteckt, wenn ein Mähwerk sich ihnen nähert. Der Tod oder Verstümmelungen sind die Folge.  

Wärmebild-Drohnen sollen dies nun weitgehend verhindern. Drohnen-Pilot Philipp Dethleffsen-Jürgensen ist momentan im Dauereinsatz und sucht in den frühen Morgenstunden im Auftrag von Landwirten ihre Flächen nach jungen Wildtieren ab. Dabei kommt eine spezielle Wärmebild-Kamera zum Einsatz, die den warmen Organismus der Jungtiere aufspürt und die Ablagestelle markiert.

Während Philipp Dethleffsen-Jürgensen die Drohne vorbereitet und zusammen mit seiner Helferin die Koordinaten für das abzusuchende Gebiet auf dem Laptop festlegt, gibt Christopher von Dollen, Leiters des Hegelehrreviers Grönwohld, uns Helfern eine Einweisung für die Suche. Der Ablauf ist simpel: Zeigt die Drohne einen Fundort an, lotst Dethleffsen-Jürgensen den nächststehenden Helfer an die Stelle, wo das Rehkitz dann in einer Kiste vom Feld gebracht und bis nach dem Mähen sicher verwahrt wird.

Ausgestattet mit Kisten verteilen wir Helfer uns der Länge nach über die Wiese. Während die Drohne systematisch die abzusuchenden Flächen überfliegt, folgen wir am Boden. Die Suche muss abgeschlossen sein, bevor die Sonne zu hoch am Himmel steht und zu wärmen beginnt. Dann kann die Wärmebild-Kamera die Jungtiere nicht mehr erfassen – es gibt also ein enges Zeitfenster. 
 



Auf dem letzten Feld landet die Drohne einen Treffer. Philipp Dethleffsen-Jürgensen markiert den Helfern den genauen Ablageort und die Gruppe macht sich auf den Weg. Jetzt bekommen wir einen Eindruck davon, wie schwierig es ist, die Kitze im Gras zu entdecken. Gut verborgen duckt sich das gerade einen Tag alte Kitz tief ins Gras. Christopher von Dollen sichert das Tier zunächst mit einem Kescher, hebt es anschließend mit Grasbüscheln hoch und bettet es in die Kiste. Am Rande der Fläche wartet das Kitz nun auf das Ende der Mäharbeiten und wir sind froh, ein Tierleben gerettet zu haben.

Christopher von Dollen wünscht sich für die Zukunft, dass mehr Drohnen zur Absuche der Mähflächen eingesetzt werden. Um dies voranzutreiben, schließen sich momentan bereits Jagdreviere in  Fördervereinen zusammen. Die Drohnen sollen dort über Spenden und Projekte finanziert werden. PROVIEH spricht sich für einen verpflichtenden Einsatz von Wärmebild-Drohnen vor Mäharbeiten im Feld aus.

Text und Fotos: Svenja Taube