Klimawandel - Kein Problem? Erschreckendes aus dem Europaparlament

Am 12. Oktober 2009 tagte der Agrarauschuss des Europäischen Parlamentes (EP). Dieses Mal war nicht die Milchkrise der Schwerpunkt der Sitzung, sondern "Landwirtschaft und Klimawandel". Der grüne Abgeordnete (MdEP) Stéphane Le Foll erstattete Bericht über die Zusammenhänge zwischen der Veränderung des Klimas und der europäischen Landwirtschaft. Bei der darauf folgenden Ausprache hielten einige Abgeordnete überraschende “Erkenntnisse” zum Thema Klimawandel bereit.

Der Christdemokrat Albert Deß etwa erklärte, dass man Phänomene, die man heute den Folgen des Klimawandels zuschreibe, schon früher erlebt hätte. Schlimme Hochwasser hätte es zum Beispiel auch schon 1342 gegeben. Damals wären diese, genauso wie heute, nicht durch ein verändertes Klima, sondern durch zu viel Regen verursacht worden.

Der englische Abgeordnete John Stuart Agnew stellte die Existenz der Erderwärmung ebenfalls in Frage. Denn bei seinem letzen Urlaub in Indien im Februar 2008 erlebte das Land gerade seinen angeblich schwersten Winter seit Jahrzehnten. Viele Menschen dort hätten sogar zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen. Überhaupt sei die Temperatur auf der Welt momentan doch viel niedriger als noch vor Jahren. Deshalb stelle sich die Frage, ob man überhaupt ein Problem mit dem Klima und dem angeblichen Temperaturanstieg habe. Schwankungen hätte es schließlich schon immer gegeben.

Angesichts der seit langem bekannten und von einer überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler auch nicht mehr im Mindesten angezweifelten Zusammenhänge zwischen den durch Menschen verursachten Treibhausgase und dem Phänomen des Klimawandels sind diese Äußerungen mehr als erschreckend. Schon seit langem ist bekannt, dass die konventionelle, intensive Landwirtschaft und die industrielle Massentierhaltung Teil des Klimaproblems sind: Sie sind Verursacher von Entwaldung, veränderter Landnutzung und Monokulturen wegen des Futtermittelanbaus. Synthetisch hergestellte Pestizide und Mineraldünger werden dabei massenhaft eingesetzt. Zudem fallen räumlich konzentriert groβe Mengen an Gülle an, die die Böden und Gewässer verseuchen sowie Ursache für saueren Regen und die Freistezung von Klimagasen verantwortlich sind. Es entstehen zusätzlich schädliche Treibhausgase, wie Methan, Distickstoffoxid (Lachgas) und Kohlendioxid (CO2), die den Klimawandel ankurbeln.

Nur mit einer Veränderung der landwirtschaflichen Nutzung und Tierhaltung hin zu nachhaltigen und ökologischen Modellen kann die Landwirtschaft statt Teil des Problems auch Teil der Lösung werden.

Mehr zum Verhältnis von Landwirtschaft, Massentierhaltung und Klima finden sie hier.

Anne-Sabeth Beny, Büro Brüssel